Eliteeinheit tötet Attentäter mit Kopfschuss Mohamed Merah "identifiziert und außer Gefecht gesetzt"

Mehr als 30 Stunden dauert die Belagerung, dann stürmen Spezialkräfte der Polizei in Toulouse die Wohnung, in der sich der Attentäter verschanzt hat. Der Verdächtige liefert sich ein schweres Feuergefecht mit den Elite-Einheiten, springt aus dem Fenster - und stirbt durch gezielte Schüsse der Scharfschützen. Wie der Nervenkrieg von Toulouse sein blutiges Ende fand.

Nach zermürbendem Warten geht am Donnerstagvormittag plötzlich alles sehr schnell: Spezialkräfte dringen in die Wohnung in Toulouse ein, in der sich Mohamed Merah seit dem frühen Mittwochmorgen verschanzt hat. Der 23-Jährige liefert sich ein fünfminütiges, heftiges Feuergefecht mit den Sicherheitskräften. Dabei werden zwei Polizisten verletzt - der Attentäter stirbt durch einen Kopfschuss.

Beamte einer Elite-Einheit seien gegen 10:30 Uhr durch Fenster und Türen ins Haus eingedrungen und hätten mit Videorobotern das Innere erforscht, beschreibt Innenminister Claude Guéant das Geschehen später auf einer Pressekonferenz. Plötzlich sei der Verdächtige aus dem Badezimmer gestürmt und habe mit mehreren Waffen das Feuer auf die Beamten eröffnet. "Es waren häufige Schuss-Salven, ziemlich schwer. Ein Mitglied des Einsatzkommandos sagte mir, dass er noch nie zuvor ein Feuer von einer derartigen Intensität erlebt hat", berichtet Guéant.

Die Spezialeinsatzkräfte hätten zurückgeschossen. Angaben des TV-Nachrichtensenders BFM zufolge wurden am Tatort mehr als 300 Patronen abgefeuert. Nach mehrminütigem Schusswechseln sei der Mann dann aus dem Fenster gesprungen und habe mit der Waffe in der Hand weiter gefeuert. "Er wurde tot auf dem Boden gefunden", so Guéant.

Staatsanwalt: Kopfschuss war Akt legitimer Selbstverteidigung

Der mutmaßliche Serienmörder sei "identifiziert und außer Gefecht gesetzt", verkündet Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy nach der erfolgreichen Erstürmung in einer ersten Stellungnahme. Alle Versuche, ihn lebend zu fangen, seien gescheitert: "Es hat bereits zu viele Tote gegeben." Die Regierung werde nun Lehren ziehen. Künftig werde jeder, der im Internet zu Hass aufrufe, bestraft. Frankreich habe kühl und entschlossen gehandelt und seine Einheit bewahrt. Rachegedanken oder Wut seien jetzt nicht hilfreich, betont Sarkozy. Staatschef und Innenminister danken den Beamten für ihren "extrem schwierigen Einsatz".

Zunächst ist unklar, ob der 23-Jährige beim Sturz aus dem ersten Stock gestorben ist oder bei dem Feuergefecht tödlich verletzt wurde. Dann macht der zuständige leitende Staatsanwalt François Molins den Spekulationen um die Todesursache ein Ende: Mohamed Merah habe versucht, über den Balkon aus der Wohnung im ersten Stock zu flüchten. Er sei dabei von einem Scharfschützen in den Kopf geschossen worden. Es habe sich um einen Akt legitimer Selbstverteidigung gehandelt.

Weiter berichtet Molins, in einem Wagen Merahs seien Maschinenpistolen und Revolver gefunden worden. Seine Taten habe der 23-Jährige gefilmt. Beim tödlichen Kopfschuss auf sein erstes Opfer habe er erklärt: "Du tötest meine Brüder, und ich töte dich." Auf einem der Filme soll Merah zudem zu sehen, wie er ein kleines Mädchen am Haar packt, sie erschießt und dann auf einem Motorroller flieht.

al-Qaida nahe Organisation bekennt sich zu Attentaten

Nach Merahs Tod bekennt sich am späten Donnerstagnachmittag eine dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestehende Organisation zu einem der Angriffe, die dem jungen Islamisten zugeschrieben werden. Die Gruppe namens Dschund al-Chilafah (Die Soldaten des Kalifats) stellt eine entsprechende Erklärung auf der Website Shamekh ein, die normalerweise Al-Qaida-Bekennerschreiben veröffentlicht. Darin nennt sie "Jusuf al-Firansi" (Jussuf, der Franzose) als Täter eines Angriffs am Montag, mit dem die Pfeiler "zionistischen Kreuzrittertums" erschüttert worden seien. Am Montag hatte Merah eine jüdische Schule in Toulouse angriffen und drei Kinder und einen Religionslehrer erschossen.

Ob Merah mit "Jussuf" identisch ist, geht dem US-Unternehmen SITE zufolge nicht aus der Botschaft hervor. SITE ist auf die Auswertung islamistischer Websites spezialisiert . Auch die beiden anderen Angriffe des 23-Jährigen auf französische Fallschirmjäger werden nicht erwähnt.