Scrabble Wer heimlich Buchstaben-Steinchen austauscht

Nov 3 2013 London London UK London UK Paul Allan L competes against Allan Simmons during

Coniines (98 Punkte) schlägt Vet (17 Punkte): Allan Simmons (hinten) im Duell mit Paul Allan.

(Foto: Peter Kollányi/imago/Zuma Press)

Der britische Scrabble-Champion Allan Simmons darf in den nächsten drei Jahren kein offizielles Spiel mehr machen - er soll sich buchstäblich verrannt haben.

Von Martin Zips

Keine Frage: Allan Simmons ist der mit Abstand bekannteste Bürger Coldinghams, eines 560-Einwohner-Kaffs im Südosten Schottlands. Eine lebende Legende. Elf Jahre lang war er Präsident der von ihm mitgegründeten "Association of British Scrabble Players" (ABSP), vier Jahre lang ihr Vorsitzender. Simmons hat bedeutende Bücher zum Thema geschrieben, er betreute Scrabble-Rätsel und -Kolumnen in angesehenen Blättern wie der Times und dem Telegraph. Und natürlich gewann Simmons, 60, Vater dreier Töchter und "UK National Scrabble Champion 2008", unzählige Wettbewerbe.

Doch jetzt hat ihn sein eigener Verband mit einem dreijährigen Spielbann belegt. Zeugen versichern, Simmons habe bei einem wichtigen Turnier ihm unliebsame Buchstaben-Steinchen heimlich ausgetauscht. Das ist verboten. Scrabble gehört im englischsprachigen Raum zu den beliebtesten Brettspielen. Jeder zweite Brite hat mindestens einen Sack voller Buchstaben im Haus.

Simmons Drama begann vor vier Jahren. Damals hatte er es noch einmal ins Finale der 42. Scrabble-Meisterschaft geschafft, doch verlor er gegen seinen Landsmann, den Mathematiklehrer Paul Allan, mit 389 gegen 503 Punkten. Die höchsten Werte hatte der Pädagoge mit den Worten Shrieval ("zum Sheriff gehörig", 97 Punkte), Coniines (ein Pseudoalkaloid, das sich vom Piperidin ableitet, 98 Punkte) und Kernite (Kernit ist ein Mineral aus der Mineralklasse der Borate, 100 Punkte) erzielt.

Da hatte Berufsspieler Simmons (Vet, 17 Punkte; Polo, 19 Punkte; Nip, 31 Punkte) keine Chance, das Preisgeld von 2500 Pfund war passé. In der Gesamtwertung des Jahres 2016 allerdings schaffte es Simmons noch einmal auf Platz 1 - erstmals seit 27 Jahren. Wollte er seinen Titel mit unlauteren Methoden verteidigen?

Simmons immerhin räumt ein, er habe den Buchstaben-Sack während der Ziehung zwar nicht wie vorgeschrieben auf Schulterhöhe gehalten. Geschummelt aber habe er nicht. Wer Genaueres erfahren möchte, den bügelt Simmons Frau Gilli am Coldinghamer Festnetzanschluss ab. Ihr Mann sei "derzeit für niemanden zu sprechen", sagt sie und legt schnell wieder auf. Die Times indes zitiert Simmons mit den Worten, er werde sich künftig "auf wichtigere Dinge im Leben konzentrieren". Auf Gilli zum Beispiel. Oder seine E-Gitarre.

Michael Elinescu und Entscho Wladow möchten sich mit derlei nicht zufrieden geben. Den Ärzten aus dem Rheinland geht es um die Ehre. 2013 sollen sie sich mit einem geheimen Hüstel-Code während der Bridge-WM zum Sieg in der Senioren-Kategorie verholfen haben, das ging der Jury auf den Sack. An diesem Mittwoch nun wollen Elinescu und Wladow vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf gegen ihre lebenslange Bridge-Sperre klagen. Spiel und Spaß, das ist eben Zweierlei.

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