Schwerster Sturm seit Jahren Elf Menschen sterben bei Orkan "Niklas"

  • Sturmtief Niklas hat im ganzen Land schwere Schäden angerichtet. Mindestens elf Menschen sind infolge des Unwetters ums Leben gekommen.
  • Zahlreiche Personen wurden durch umherfliegende Äste verletzt. In Weimar kippte ein Baum auf eine Mutter und ihre zwei Töchter, die auf einem Gehweg liefen.
  • Der Straßen- und Bahnverkehr war fast überall stark beeinträchtigt. Auch am Mittwoch brauchen Pendler noch Geduld.
  • Inzwischen ist das Orkantief aus Deutschland abgezogen, es bleibt aber stürmisch.

Mindestens elf Tote

Während des Sturmtiefs Niklas sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz mindestens elf Menschen ums Leben gekommen. In Rheinland-Pfalz wurden zwei Männer erschlagen, als Bäume auf ihre Autos stürzten, in Oberbayern starb eine Frau, als zwei Fichten auf ihren Wagen fielen. In Sachsen-Anhalt tötete eine umgewehte Mauer einen Mann. In Niedersachsen starb ein Mann unter einem herausgebrochenen Scheunentor.

In Österreich und der Schweiz gab es zwei Tote. Außerdem gab es mindestens vier Tote bei wetterbedingten Unfällen: Im baden-württembergischen Ostalbkreis starben zwei Männer auf einer schneebedeckten Straße. In Bayern wurde ein Mann bei starkem Hagel auf der Autobahn 95 getötet.

Baum trifft Mutter und ihre zwei Töchter

Vielerorts gab es Verletzte: In Weimar kippte ein Baum auf eine Mutter und ihre zwei Töchter, die auf einem Gehweg liefen. Eines der Mädchen im Alter von neun Jahren wurde dabei schwer verletzt. Besonders stark traf der Orkan NRW: Bei Hagen riss der Sturm ein Baugerüst von der Lennetalbrücke auf der A45 ab. Zwei Arbeiter, die in 20 Metern Höhe mit Schweißarbeiten beschäftigt waren, stürzten in die Tiefe und verletzten sich schwer. In Unna begrub eine umstürzende Kastanie einen Rollerfahrer unter sich, der 51-Jährige wurde schwer verletzt.

In Berlin wurden vier Menschen verletzt, die Feuerwehr rief dort den Ausnahmezustand aus. Nach Angaben eines Sprechers gab es mehr als 1000 wetterbedingte Einsätze. Noch ist das Ausmaß der Schäden sowohl in der Hauptstadt als auch in Brandenburg noch nicht absehbar. Bei Tageslicht begannen überall die Aufräumarbeiten. Für Berlin sind aber für Mittwoch erneut vereinzelt Sturmböen angekündigt. So stark wie am Dienstag werde der Sturm aber nicht sein, hieß es beim Deutschen Wetterdienst.

Böen von bis zu 192 Stundenkilometern

Orkan Niklas gehört zu den stärksten Stürmen der vergangenen 30 Jahre. Mit Böen von bis zu 192 Stundenkilometern entwurzelte er vielerorts Bäume, er beschädigte Autos, Häuser und Stromleitungen. Ab 117 Kilometer in der Stunde sprechen die Meteorologen von einem Orkan.

Mit Rekordschäden rechnet der Rückversicherer Munich Re aber nicht. Der bisher folgenschwerste Wintersturm war Kyrill im Jahr 2007 mit Böen von über 200 km/h: Er richtete 4,2 Milliarden Euro an volkswirtschaftlichen Schäden an und schlug bei den Versicherern mit 2,4 Milliarden Euro zu Buche. Die Schäden durch Sturm Niklas könne man noch nicht beziffern, hieß es am Mittwoch bei Munich Re. Für einen Überblick sei es noch zu früh.

Pendler brauchen auch am Mittwoch Geduld

Bahnreisende müssen sich am Mittwoch auf weitere Behinderungen einstellen. Auch wenn inzwischen "die meisten Strecken frei" seien, werde es weiterhin "Einschränkungen geben", sagte ein Unternehmenssprecher im ZDF-Morgenmagazin. Es müsse "Personal zum Teil neu disponiert werden". Zudem seien viele Fahrzeuge "nicht da, wo sie hingehören". Die Einschränkungen betreffen demnach sowohl den Nah- als auch den Fernverkehr.

Er sei aber "sicher, dass im Lauf des Tags wieder alles in die richtige Stellung rückt", sagte der Sprecher. Am nachmittag wurde etwa die Strecke Hannover-Wolfsburg wieder freigegeben. "Ganz wichtig ist, dass wir den morgigen Tag hinbekommen, denn der Gründonnerstag ist einer der reisestärksten Tage des Jahres." Für die entstandenen Schäden an Anlagen der Deutschen Bahn könne er "noch keine Summen nennen".

Mehr zu den Einschränkungen im Bahnverkehr lesen Sie hier. Mehr darüber, welche Münchner S-Bahnen fahren hier.

Das Orkantief wirbelte zudem den Betrieb am Frankfurter Flughafen durcheinander. Von 1300 geplanten Flügen mussten am Dienstag 185 annulliert werden, sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers. Die Nachwirkungen waren auch am Mittwoch noch zu spüren. Von den geplanten 1360 Starts und Landungen sollten 44 ausfallen.

So wird das Wetter

Am Mittwoch ist Orkantief Niklas zwar aus Deutschland abgezogen, es bleibt aber stürmisch. Das Luftdruckgefälle zwischen Niklas über dem südlichen Baltikum und einem Hoch über der Biskaya sei so stark, das auch am Mittwoch in ganz Deutschland mit Sturmböen gerechnet werden müsse, sagte Meteorologe Stefan Bach vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. In exponierten Berglagen könne es auch wieder Orkanböen geben, allerdings nicht so starke wie am Dienstag.

Stürmisch und regnerisch kann es aber auch erneut im Flachland werden. Die Meteorologen rechnen mit Böen von 85 Kilometern pro Stunde, vereinzelt sei auch Tempo 95 möglich."Das Gröbste ist aber vorbei", sagte ein DWD-Sprecher.

Das Osterfest wird in diesem Jahr allerdings nasskalt und ungemütlich. Nach dem Abzug von Niklas zieht Polarluft aus dem Norden nach Deutschland. Am Ostersonntag- und -montag können die Temperaturen daher auf nur noch zwei Grad sinken und werden von häufigen Schauern begleitet.