Schweres Unglück in der Hauptstadt Ein Toter bei Hubschrauberunfall in Berlin

Es sollte eine Übung für den Einsatz gegen Hooligans sein, doch dann wurde es ernst: Bei einer Polizeiübung über dem Olympiagelände in Berlin sind zwei Hubschrauber zusammengestoßen. Ein Pilot kam ums Leben, mehrere Menschen wurden schwer verletzt in Krankenhäuser gebracht.

Von Sarah Ehrmann, Berlin

Es sollte nur ein Training sein. Eine Vorbereitung darauf, dass gewaltbereite Fußballfans mit der S-Bahn das Berliner Olympiastadion erreichen und die Polizei Verstärkung anfordert. Am Donnerstagvormittag um 10.33 Uhr wurde aus der Übung der Bundespolizei jedoch trauriger Ernst: Als ein mit Polizisten besetzter Helikopter landen wollte, touchierte er nach ersten Erkenntnissen einen bereits gelandeten Helikopter. Möglicherweise verhedderten sich die Rotorenblätter, scharfe Teile flogen durch die Luft. Ein Pilot wurde nach Angaben der Berliner Polizei noch im Hubschrauber getötet. Fünf Männer und eine Frau wurden zum Teil schwer verletzt und in Krankenhäuser eingeliefert.

Zuerst sei da eine weiße Wand gewesen, dann habe es laut geknallt - so beschreiben Augenzeugen den Unfall. Vor der Übung der 400 bis 500 Polizisten hatte es stark geschneit. Als die Helikopter landeten, wirbelte möglicherweise so viel Schnee auf, dass der Pilot Sicht und Orientierung verlor. Die Landespolizei, die für ihre traumatisierten Kollegen von der Bundespolizei die Kommunikation übernahm, wollte sich nicht zu Gründen oder dem Unfallhergang äußern. Am Nachmittag untersuchten die Berliner Mordkommission, das Luftfahrtbundesamt und Beamte des Bundeskriminalamts das mit Trümmern übersäte Maifeld am Stadion. Die beschädigten Helikopter lagen dort im Schnee, der größere vom Typ Super Puma lag auf der Seite, der etwas leichtere EC155 hat sich tief in den Boden gegraben. In den Puma-Helikopter passen laut einer Übersicht der Bundespolizei 21 Personen einschließlich der Besatzung, in den Eurocopter immerhin 15.

"Schlimmer Tag für Berlin"

Hundert Einsatzkräfte der Berliner Feuerwehr und etliche Rettungsdiensteinheiten sicherten nach Angaben von Feuerwehr-Sprecher Stephan Fleischer die Unfallstelle und versorgten die Verletzten. Bis das auslaufende Kerosin am Nachmittag abgepumpt werden konnte, bestand Brandgefahr. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) besuchte etwa eineinhalb Stunden nach dem Zusammenstoß die Unfallstelle: "Wir denken jetzt an die Angehörigen des getöteten Piloten und an die Verletzten", sagte er. Einen "schlimmen Tag für Berlin", nannte Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) den Vorfall. "Das Unglück macht betroffen, entsprechend beklemmend ist auch die Situation auf dem Maifeld", sagte der Senator.

Auch der Vizevorsitzende der Bundespolizeigewerkschaft, Hans-Joachim Zastrow, zeigte sich bestürzt: "Der Unfall macht deutlich, in welcher Gefahrenausübung die Kolleginnen und Kollegen der Bundespolizei jeden Tag leben." Unfälle mit Polizeihubschraubern sind selten, passieren aber immer wieder. 1955 wurden beim Luftfahrtbundesamt (LBA) in Braunschweig die ersten zivilen Hubschrauber registriert. Im vergangenen Jahr waren nach Angaben des LBA fast 800 Maschinen vor allem bei Polizei, Bundesgrenzschutz und im Rettungswesen im Einsatz. 1996 starben fünf Polizisten, als ein Hamburger Hubschrauber bei einer Rettungsübung in die Lübecker Bucht stürzte. Eine der Ursachen damals war die mangelnde Erfahrung des Piloten.