Schweizer Gärtner findet Goldbarren "Nur was ich mir selbst erarbeitet habe, kann ich auch genießen"

Was würden Sie tun, wenn sie 103.000 Euro finden, in Gold? Für den Schweizer Jean-Marc Wenger war die Antwort klar: Der Gemeindearbeiter brachte das Vermögen, das er in einen Plastiksack verpackt hinter einem Strauch entdeckt hatte, zur Polizei. Im Gespräch erzählt er, welchen Traum er sich vom möglichen Finderlohn erfüllen will.

Interview: Alexandra Aschbacher

Gerade war Jean-Marc Wenger, 45, gemeinsam mit einem anderen Gemeindemitarbeiter dabei, eine Wiese zu mähen. In Klingnau, einem kleinen Ort im Schweizer Kanton Aargau, gibt es viele Wiesen, die man mähen kann. Aber dann entdeckten die beiden Männer eine Plastiktüte mit sehr, sehr wertvollem Inhalt. Klingnau liegt nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Ein Fall für die Steuerfahndung?

"Scheiße, das ist richtiges Gold!": Der Schweizer Gemeindearbeiter Jean-Marc Wenger hat beim Mähen einer Wiese Edelmetalbarren im Wert von 103.000 Euro gefunden.

(Foto: dpa)

SZ: Herr Wenger, was war denn in der Plastiktüte?

Wenger: Zweieinhalb Kilo Gold, eingewickelt in Seidenpapier und Klebeband, im Wert von 103.000 Euro.

SZ: Und jetzt sind Sie nicht nur reich, sondern auch berühmt?

Wenger: Ich stehe nicht so gerne im Mittelpunkt - außer, wenn ich Schülern zeigen kann, wie man Müll korrekt entsorgt. Das mit dem Gold ist mir schon etwas unangenehm.

SZ: Haben Sie mal daran gedacht, das Gold zu behalten?

Wenger: Nie. Ich bin eine ehrliche Haut. Selbst wenn ich allein gewesen wäre, ohne meinen Lehrling, hätte ich das Gold zur Polizei gebracht. Ich bin ein Arbeiter: Nur was ich mir selbst erarbeitet habe, kann ich auch genießen. Seit 14 Jahren arbeite ich hier im Bauamt. Normalerweise finde ich rostige Dosen, kaputte Fahrräder oder leere Flaschen - aber keine Goldbarren.

SZ: Sie haben noch nie etwas Wertvolles gefunden?

Wenger: Einmal ein altes Handy. Aber das habe ich auch abgegeben. Nach einem halben Jahr hat mich die Polizei angerufen und gemeint, ich könnte es haben, weil sich der Besitzer nicht gemeldet hatte. Hab ich dann aber nicht abgeholt.

SZ: Wie kam denn das Gold hinter das Gebüsch?

Wenger: Keine Ahnung. Mein Lehrling und ich waren beim Mähen, als wir hinter einem hohen Strauch einen Plastiksack entdeckten. Zuerst dachte ich, es sei Abfall, es sah irgendwie wie ein Drogenpäckchen aus. Der Lehrling hat es mit einem Sackmesser aufgeschlitzt und mir dann so einen Goldbarren entgegengestreckt.

SZ: Und dann?

Wenger: Eigentlich dachte ich nur: "Scheiße, das ist richtiges Gold!" Ich habe sofort an einen Überfall gedacht und die Polizei anrufen. Aber die Polizei tappt auch im Dunkeln.

SZ: Vielleicht stammt es ja von einem Steuersünder. Bekommen Sie denn wenigstens Finderlohn?

Wenger: Weiß nicht. Wenn sich die Besitzer nicht finden, dann vielleicht ja. Aber da dauert die Ablauffrist noch fünf Jahre. Wenn wir was bekommen sollten, sind wir glücklich und freuen uns darüber.

SZ: Und wie gehen die Leute in Klingnau mit dieser Geschichte um?

Wenger: Es wird halt viel gewitzelt. Gestern war ich beim Jäten, da ruft mir ein Bekannter über die Straße zu: "He, Jean-Marc, suchst du Gold? Warte, ich helfe dir!" Kurios ist, dass man bei uns schon vor 100 Jahren einmal einen Goldschatz entdeckt hat. Damals hat ein Holzhauer im Wald eine Kiste voller Goldmünzen gefunden, die aus der Zeit vor 1800 stammten.

SZ: Und wenn Sie selbst sehr viel Geld hätten? Was würden Sie tun?

Wenger: Ich träume von einer schönen Reise mit meiner Frau. Wissen Sie, wir haben sehr früh geheiratet, drei Kinder, da war nie viel Zeit zum Verreisen. Mein absolutes Traumziel wäre Australien.