Schweiz Rätselhafte Markierungen an Briefkästen

Die Gaunerzinken und ihre Bedeutung.

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  • In der Gemeinde Riehen in der Schweiz haben Markierungen an Häusern für Aufregung gesorgt.
  • Die Einwohner befürchten, die Zeichen seien Botschaften an potenzielle Einbrecher.
  • Die Polizei will sich zu dem Fall nicht äußern; wahrscheinlich ist aber, dass es sich um Markierungen von Postboten handelt.
Von Charlotte Theile

Ein kleiner schwarzer Strich neben dem Namensschild. Ein hastig eingeritztes Kreuz unterhalb des Briefschlitzes. Kleinigkeiten, die auf den ersten Blick nicht auffallen. Doch wenn man diese Zeichen erst einmal bemerkt hat, gerät man ins Grübeln. Wer hat diese Markierungen angebracht? Was könnten sie bedeuten? Und überhaupt: Warum macht sich jemand am eigenen Briefkasten zu schaffen? In Riehen, einer wohlhabenden Gemeinde in der Nähe von Basel, haben diese Zeichen in den letzten Tagen für einige Aufregung gesorgt.

Wie das Schweizer Gratisportal 20 Minuten berichtet, wähnten sich viele Anwohner im Visier einer Einbrecherbande. Die Zeichen, die zuletzt auf mehreren Briefkästen in Riehen aufgetaucht waren, ließen für viele nur einen Schluss zu: Gaunerzinken! In einer ausführlichen Legende legte 20 Minuten dar, welche Striche was bedeuten könnten: Leitern, Kreise, Kreuze oder leere Vierecke können potenziellen Einbrechern demnach nicht nur verraten, ob es an dieser Adresse etwas zu holen gibt - sie beschreiben auch, wie viele Einwohner es gibt, ob sie bewaffnet sind, männlich oder weiblich, ob sie bei der Polizei arbeiten.

Die Polizei findet es gut, dass die Riehener so schnell reagiert haben

Bei der Basler Polizei möchte man zu dem konkreten Fall nichts sagen. Dass die Riehener die Veränderungen an ihren Briefkästen so schnell bemerkt haben, findet Pressesprecher Toprak Yerguz aber äußerst lobenswert. Aufmerksame Nachbarn seien für die Polizeiarbeit immer eine wertvolle Ressource. Nicht umsonst hängen seit dem vergangenen Herbst im ganzen Land Plakate, auf denen die Schweizer Bevölkerung aufgefordert wird, kleinste Veränderungen per Notruf zu melden. "Bei Verdacht Tel. 117", heißt es darauf. Dazu weit geöffnete Augen und ein kleiner Motivationssatz: "Gemeinsam gegen Einbrecher".

Polizeisprecher Yerguz findet diese Plakate sehr gelungen. Er will den Bürgern bewusst keine Einschränkungen mit an den Telefonhörer geben. Alles, was ein aufmerksamer Nachbar beobachte, könne für die Ermittler wichtig sein. "Verdächtig ist, was ungewöhnlich ist. Verdächtig ist die Abweichung vom Gewohnten", sagt Yerguz. Dass die Menschen deshalb reihenweise anriefen und die Notrufnummer der Polizei mit langwierigen Schilderungen ihrer täglichen Straßenobservationen blockierten, beobachte er nicht. "Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig" sollten die Schweizer im Zweifel 117 wählen, sagt Yerguz.

Einbrecherbanden sind in der Schweiz seit Jahren ein Thema. Nachdem im Jahr 2012 ein Höchststand von 201 polizeilich registrierten Einbrüchen am Tag erreicht worden war, fiel dieser Wert 2016 auf 127 Einbrüche pro Tag. Das klingt harmloser, als es ist: Viele Schweizer haben in den letzten Jahren erlebt, dass bei ihnen oder in ihrer Nachbarschaft Fahrradkeller und Wohnungen leer geräumt wurden. Auch im Basler Vorort Riehen hatte es Anfang des Jahres eine Einbruchsserie gegeben, die Täter sind bisher nicht ermittelt.

Bei den neu aufgetauchten Gaunerzinken allerdings spricht einiges dafür, dass die Markierungen nicht von Einbrechern, sondern von Postboten hinterlassen wurden. Schließlich müssen sich auch die Zusteller von Werbebroschüren und Zeitungen merken, in welchen Briefkasten eine Sonntagszeitung gehört und welcher Haushalt als einziger kein Kirchenblatt erhält. Und auch wenn die Zusteller wissen, dass Gaunerzinken bei Anwohnern alles andere als beliebt sind, werden sie immer wieder verwendet.

Potenzielle Einbrecher dürften um Riehen dagegen erst mal einen größeren Bogen machen. Mit derart gut beobachtenden Anwohnern möchte wohl niemand in Konflikt geraten.

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