Von Tomas Avenarius, Kairo

"Ich hasse Israel" war sein großer Hit: Shaaban Abdel-Rehim gehört zu Ägyptens beliebtesten Sängern. Nun hat er ein neues Thema gefunden.

Was Musik angeht, straft der Ägypter seine Kultur herzhaft der Lüge: Im Land der bis heute in der arabischen Welt verehrten Sängerin Umm Koulthum ist seit Jahren der Fußbügler Shaaban Abdel-Rehim einer der beliebtesten Sänger.

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Koptische Bauern versuchen in einem Slum in Kairo ein Schwein zu fangen, um es auf Schweinegrippe zu testen. Die ägyptische Regierung will nun den gesamten Bestand keulen lassen. (© Foto:)

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Hervorgetreten ist Shaaban mit dem Stück "Ich hasse Israel". Ein anderes Stück widmete er George W. Bush, Saddam Hussein und dem Irakkrieg. Jetzt hat sich der singende Ägypter wieder eines drängenden Themas musikalisch angenommen: Die Schweinegrippe.

Auch bei dem neuesten Stück gilt: Die Melodie ist so eingängig, dass auch der klassische Verweis auf flachen Text bei verfeinertem Notensatz nicht wirklich weiter hilft. "Es ist besser für den Menschen, gesund zu sein. Zur Hölle mit den Schweinen! Ich hoffe, sie schlachten sie alle, damit die Menschen sich wieder sicher fühlen."

Shaaban dürfte einem guten Teil seiner Landsleute aus dem Herzen sprechen: Die Schweine werden von der christlichen Minderheit gezüchtet und verzehrt - und die Christen machen nur rund zwölf Prozent der 75-Millionen-Bevölkerung aus. Der Rest der Ägypter sind Muslime und lässt aus religiösen Gründen die Finger von Schweinefleisch.

Obwohl bisher kein einziger Fall von Schweinegrippe aufgetreten ist, will die Kairoer Regierung nun den gesamten Bestand keulen lassen. Das dürfte bei vielen Ägyptern auf Zustimmung treffen. Außer bei den koptischen Christen: Die für die Schweinezucht zuständigen christlichen Müllsammler, warfen Steine und Flaschen auf die Polizisten mit dem 300.000-fachen Schlachterauftrag. Grund genug für den stets auf Masse setzenden Shaaban, einen Song zu schreiben.

Kein Zutritt für Schweine

Der frühere Fußbügler - große Wäschestücke werden mancher Orts mit einem heißen Eisen geplättet, das einem Rollschuh gleicht - ist seit zehn Jahren im Geschäft. Er kennt die Mechanismen des ägyptischen Popgeschäfts. Im staatlichen Fernsehen stellte er sein Stück vor: In neongrünen Hosen und straff um die eigene Leibesfülle taillierten roten Hemd wandte Shaaban sich an Polizei und Zöllner: "Wenn Du ein Schwein siehst oder eine Sau, dann mach, dass Du verdammt noch mal das Weite suchst. An jedem Flughafen oder Hafen müssen Schilder stehen: Kein Zutritt nach Ägypten, wenn Sie ein Schwein dabei haben."

Shaaban, besser bekannt als Shaabula und bekannt dafür, bei Auftritten stets zwei goldene Uhren gleichzeitig zu tragen, ist von Alexandria bis Assuan ein Star. An seinen Anzügen dürfte das kaum liegen: Einer Zeitung soll er laut AP einmal gesagt haben, er lasse seine Garderobe von einem Polsterer schneidern.

Weit wichtiger ist, dass der Fußbügler an die Tradition einfacher ägyptischer Volksmusik anknüpft, die in dem autoritär regierten Land eine Art von mit Witz gepaartem Widerspruchsgeist aufrecht erhält. Mit Liedern wie "Ich hasse Israel" etwa spricht Shaaban so der breiten Masse aus dem Herzen, die die 1979 offiziell vollzogene Aussöhnung mit dem Nachbarland bisher nicht nachvollzogen hat. Jetzt stellt sich Shaaban musikalisch und massenwirksam in den Dienst der ägyptischen Volksgesundheit. Er selbst wurde kürzlich allerdings mit einer Haschisch-Überdosis ins Krankenhaus eingeliefert.

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(SZ vom 14.05.2009/hai)