Von Fritz Göttler

Der Kulturkanal Arte zeigt einige "Trash"-Klassiker die heute Kultwert haben. In der Auswahl ist auch Russ Meyers "Supervixens"

Midnight Movies, das war fast ein eigenes Genre in den Siebzigern. Filme, die erst nach der normalen Nachtvorstellung in kleinen, versteckt gelegenen, ein wenig schmuddeligen Kinos gezeigt wurden, weit nach Mitternacht, wenn die Instanz des guten Geschmacks abgeschaltet ist.

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Der Schrott von gestern: Sylvia Miles und Joe Dallesandro in Paul Morisseys "Heat". (© Foto: Arte/© Paul Morrissey)

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Exakt zu dieser Zeit laufen nun die Filme der kleinen Reihe, die Arte am heutigen Donnerstag startet und die Regisseure wie Paul Morrissey, Mario Bava, Sôgo Ishii, George A. Romero, Russ Meyer, Armando de Ossorio und David Cronenberg versammelt.

Trash lautet das Kennwort, unter dem Arte diese Regisseure und Filmwerke zusammenbringt - und sie haben allesamt einen erstaunlichen Werdegang hinter sich. Was seinerzeit als Schund und Schrott abqualifiziert wurde, hat heute Kultwert - einige der gezeigten Filme sind in die Klassikersammlung des Museum of Modern Art aufgenommen worden.

Horror aus Italien

Was man nicht als dubiosen Fall von Geschmacksverirrung deuten sollte, sondern als Beispiel filmischer Effizienz. Das Kino hat die allgemein gültige Trennung von Intellekt und Unterleib nie mitgemacht, im Dunkel der Kinosäle sollte man hemmungslos seine Emotionen und Instinkte befriedigen. Und dabei die wahre Poesie des Kinos entdecken, die grausam und grotesk war, todtraurig und lächerlich, ganz und gar physisch, nerven- und körperzerfetzend.

Die Reihe bringt Horror aus Italien - Mario Bavas "Maschera del Demonio" (bei uns "Die Stunde, wenn Dracula kommt") -, die verrückte Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb von Sôgo Ishii, Romeros Klassiker amerikanischer Selbstzerfleischung "Die Nacht der lebenden Toten", die "Supervixens" von Russ Meyer - weitere Erklärung überflüssig - und den frühen Cronenberg "Rabid", in dem die Menschheit bizarre Lustmutationen durchmacht.

In allen Fällen bemerkenswert ist die Frauenpower: Marilyn Chambers, Barbara Steele, Shari Eubank, Sylvia Miles, Andrea Feldman sind für die Fans absolute Top-Trash-Stars. Miles und Feldman agieren in "Heat", der in der Nacht zum Freitag um 0.30 Uhr läuft. Paul Morrissey hat ihn 1972 zum Abschluss einer Trilogie gedreht, zu der noch "Flesh" und "Trash" gehören.

Auch in Heat ist in der Hauptrolle Joe Dallesandro zu sehen, ein Supermann der Warhol-Truppe. Er spielt einen Ex-Kinderstar, der ein Comeback versuchen möchte - mithilfe von Feldman und Miles (als Ex-Filmdiva). Wem das irgendwie bekannt vorkommt - es ist vage Wilders Sunset Boulevard nachempfunden. Auch Nachgemachtes kann im Trash durchaus orignell sein.

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(SZ vom 03.03.2006)