Schüsse auf streikende Kumpel in Südafrika Minen-Betreiber sagt Hinterbliebenen Unterstützung zu

Beamte, die auf Arbeiter schießen: Ein brutaler Polizeieinsatz gegen streikende Kumpel sorgt in Südafrika für Entsetzen. Während der Minenbetreiber den Familien der Toten seine Unterstützung zusagt, erhebt ein Politiker schwere Vorwürfe gegen die Regierung.

Es war der brutalste Polizeieinsatz in Südafrika seit Ende der Apartheid: Beamte schießen mit scharfer Munition auf Bergarbeiter, mehr als 30 Menschen kommen ums Leben. In Rustenburg, etwa 100 Kilometer nördlich von Johannesburg, war am Donnerstag der Streik an einer Platinmine eskaliert.

Nun hat der Betreiber der Mine, das britisch-südafrikanische Unternehmen Lonmin, den Hinterbliebenen seine Unterstützung zugesagt. Der Konzern versprach, den Kindern der Getöteten die Schulausbildung zu bezahlen. "Diese Finanzierung wird die gesamte Ausbildung von der Grundschule bis zur Universität abdecken", teilte der Finanzchef Simon Scott auf der Webseite der Firma mit. Der Konzern habe auch einen Informationsschalter im Andrew Saffy Hospital eingerichtet, hieß es. Dort soll den Familien geholfen werden, die Leichen zu identifizieren und die Beerdigungen zu arrangieren.

In der Platinmine hatten mehrere tausend Arbeiter vor zehn Tagen die Arbeit niedergelegt, sie forderten drastische Lohnerhöhungen. Es soll zu Auseinandersetzungen zwischen ihnen und der etablierten Bergbau-Gesellschaft gekommen sein, im Verlauf der Woche eskalierte die Situation. Die Polizeibeamten handelten nach eigenen Angaben in Selbstverteidigung, als sie am Donnerstag in die Menge der Demonstranten feuerten.

Wie es zu dem brutalen Polizeieinsatz kommen konnte, soll nun eine offizielle Untersuchung klären, die Präsident Jacob Zuma angeordnet hat. Zuma brach am Freitag einen Besuch in Mosambik ab und reiste direkt zu dem Bergwerk. Zuma nannte die Entwicklung schockierend und tragisch.

Am Freitag hatten zahlreiche Frauen gegen die Gewalt protestiert. "Polizisten - hört auf, unsere Männer und Söhne zu erschießen", war auf einem Transparent der Demonstrantinnen zu lesen. Sie knieten vor den mit Schrotflinten bewaffneten Beamten nieder und sangen in der Xhosa-Sprache ein Lied mit dem Titel: "Was haben wir getan?" Vor Krankenhäusern in der Region versammelten sich Menschen in der Hoffnung, vermisste Angehörige unter den Verletzten zu finden. Eine Frau mit einem Baby auf dem Rücken berichtete, dass ihr Ehemann am Donnerstagmorgen aufgebrochen sei, um sich den Protesten anzuschließen. "Er kam nie zurück."

Erinnerungen an Anti-Apartheid-Proteste

Auch wenn es diesmal zumeist schwarze Beamte waren, die auf schwarze Arbeiter schossen, so haben die Bilder vom Polizeieinsatz bei zahlreichen Südafrikanern Erinnerungen an jene düsteren Zeiten der Apartheid geweckt, als weiße Beamte das Feuer auf demonstrierende Gegner der Rassentrennung eröffneten.

Sie könne nicht glauben, dass es ein solches "erschreckendes Massaker" an "unserer eigenen schwarzen Bevölkerung" gegeben habe, sagte die Schriftstellerin Nadine Gordimer. Der Vorfall sei "vollkommen inakzeptabel", sie sei "sehr verstört" und betrauere den Tod unschuldiger Menschen. Gordimer wurde 1923 in Springs geboren, einer kleinen Bergwerksstadt nahe Johannesburg. Sie könne sich noch gut an die Arbeiter in der dortigen Goldmine erinnern, sagte die Schriftstellerin, die sich in ihrem Werk vorrangig mit der Apartheid auseinandersetzte und gegen die Politik der Rassentrennung kämpfte.

Der vom Afrikanischen Nationalkongress (ANC) ausgeschlossene Politiker Julius Malema hat indes ranghohe Mitglieder der südafrikanischen Regierungspartei für den gewaltsamen Tod von 34 Bergarbeitern verantwortlich gemacht. Tausende der streikenden Kumpel feierten Malema, den früheren Vorsitzenden der ANC-Jugendliga, als dieser am Samstag die Mine besuchte. Die südafrikanische Polizei habe kein Recht mit scharfer Munition auf die Männer zu schießen, sagte der Politiker.

Ranghohe ANC-Politiker hätten die sich zuspitzende Lage der Bergarbeiter und deren Forderungen nach höheren Löhnen ignoriert, weil sie selbst Teilhaber der betroffenen Platinmine des Betreibers Lonmin seien, sagte Malema. Er war der erste Politiker, der die Mine nach den Ereignissen der jüngsten Tage besuchte. Die Streikenden hatten beklagt, dass Präsident Jacob Zuma nicht zu ihnen gekommen war, als er am Freitag verletzte Arbeiter im Krankenhaus besuchte.