Beim Fettabsaugen fiel die "Miss Russland"-Kandidatin Jekaterina Sumina ins Koma - die Ärzte weisen jede Verantwortung von sich
Zum Abendessen wollte sie wieder zu Hause sein. Ein kleiner Eingriff sei es, hatte sie ihren Lebensgefährten beruhigt, ein bisschen Fett absaugen sei keine große Sache. Seitdem sind 14 Monate vergangen, und Jekaterina Sumina ist immer noch nicht erwacht.
Die Suche nach der perfekten Frau: Teilnehmerinnen einer Miss Wahl. (© Foto: dpa)
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Während der Operation im "Laser-Zentrum" in der südrussischen Stadt Samara ist die damals 23 Jahre alte Studentin einer Pädagogischen Hochschule ins Koma gefallen. Die russischen Zeitungen haben die junge Frau "schlafende Schönheit" getauft, denn zwei Mal wäre Jekaterina Sumina vor der Operation fast zur schönsten Frau des Landes gekürt worden.
Wunschträume der Mittelklasse
1999 hatte das Schneewittchen aus Sumina im Miss-Russland-Wettbewerb den dritten, im Jahr darauf den zweiten Platz belegt. Ein Gewichtsproblem hatte die 182 Zentimeter große Blondine gewiss nicht; sie wog vor der Operation 65 Kilo.
Aber Jekaterina Sumina wollte einen noch perfekteren Körper, eine noch straffere Taille - immerhin ging es um eine professionelle Karriere.
Angeblich hatte die aus einer Arbeiterfamilie in Samara stammende Schönheit Angebote aus New York, Paris und Mailand. Und so vertraute sich die Studentin kosmetischen Chirurgen an - so wie viele Frauen in Russland. Seit den neunziger Jahren boomt in Russland das Geschäft mit der Schönheit.
Nicht nur Frauen aus der Oberklasse, sondern auch aus der Mittelschicht wollen sich mit Hilfe kosmetischer Operationen einem Schönheitsideal annähern, das in Modemagazinen und im Fernsehen propagiert wird. Auf kosmetische Eingriffe spezialisierte russische Kliniken werben allerdings, unter anderem im Internet, mit günstigen Preisen auch um Patienten aus dem Westen.
Nur 40 Minuten sollte Jekaterina Suminas Operation dauern, doch es kam zu Komplikationen. Sie vertrug die Betäubungsmittel nicht: Es kam zum Herzstillstand, die Versorgung des Hirns mit Sauerstoff wurde unterbrochen. Zehn Minuten lang war das Model klinisch tot, dennoch ließen die Schönheitsoperateure ihre Patientin erst nach zwölf Stunden in die Intensivstation eines örtlichen Krankenhauses verlegen.
Bewährungsstrafe für Mediziner
Wirklich ins Leben zurückholen konnten die Ärzte sie dort aber auch nicht; ihr Hirn war bereits schwer geschädigt. Heute liegt die "schlafende Schönheit" in ihrer Moskauer Privatwohnung, wo sie von Medizinern und ihren Angehörigen versorgt wird.
Die Schönheitsoperateure weisen jede Verantwortung von sich. "Das Laser-Zentrum, das mein geliebtes Mädchen faktisch umgebracht hat, lehnt es ab, seine Schuld einzugestehen und für den Fehler zu bezahlen", klagt ihr Lebensgefährte Sergej Okunew, der als erfolgreicher Unternehmer arbeitet.
Er zeigte die Ärzte wegen Körperverletzung an, in dieser Woche sprach ein Gericht in Samara das Urteil: Der Schönheitschirurg Igor Worobijew und der Anästhesist Jurij Swiridenko wurden schuldig gesprochen, weil sie nicht überprüft hatten, wie die Patientin die verabreichten Narkosemittel verträgt.
Beide Mediziner wurden jeweils zu sechs Monaten Haft verurteilt, die das Gericht aber zur Bewährung aussetzte. Zudem dürfen sie 18 Monate lang nicht mehr als Mediziner praktizieren.
Sie braucht ein Wunder - und wird doch nie mehr gesund
Als viel zu milde empfinden ihre Eltern und auch Jekaterinas Lebensgefährte dieses Urteil. "Das Gericht hat uns eine moralische und materielle Wiedergutmachung durch das Laser-Zentrum verweigert. Das empfinden wir als ungerecht", sagte Okunew der Zeitung Kommersant.
Er kündigte an, die Eltern würden gegen das Urteil Berufung einlegen. Quälender aber als der Prozess bleibt für die Angehörigen das Wissen, dass Jekaterina Sumina wohl nicht mehr erwachen wird. "Man hat uns gesagt", berichtete ihre Mutter, "dass sie nie wieder die alte sein wird - selbst wenn sie durch ein Wunder wieder zu sich kommen sollte."
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(SZ vom 14.10.2004)
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