Norddeutschland im Ausnahmezustand: In Mecklenburg-Vorpommern haben Notdienste auf der A20 Dutzende Menschen befreit, die wegen des Schneesturms stundenlang in ihren Autos eingeschlossen waren. Auch in Schleswig-Holstein sind Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten, an der Ostsee herrscht Sturmflut.
Über Norddeutschland ist am Sonntag ein Schneechaos hereingebrochen. Knapp 200 Menschen steckten in ihren Autos auf der Autobahn A 20 in Mecklenburg-Vorpommern fest. In dem Bundesland legte Sturmtief "Daisy" auch einen großen Teil des Bahnverkehrs lahm.
Sturmtief "Daisy" sorgt auf Autobahnen in ganz Deutschland für Staus und Verzögerungen. (© Foto: ddp)
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In Schleswig-Holstein waren zahlreiche Autobahnabschnitte und Straßen unbefahrbar. Viele Dörfer in Ostholstein waren am Morgen von der Außenwelt abgeschnitten. An der Ostsee herrschte Sturmflut, bei Dameshöved drohte ein Deich zu brechen. Unterdessen entschuldigte sich die Deutsche Bahn für die Verspätungen und Zugausfälle wegen des Winterwetters.
Bei eisigen Temperaturen harrten in der Nacht zu Sonntag knapp 200 Auto- und Lastwagenfahrer zwischen Gützkow und Jarmen in Mecklenburg-Vorpommern auf der blockierten Autobahn A 20 aus. Die Polizei erhielt zahlreiche Notrufe via Handy von verzweifelten Autofahrern, die in ihren Fahrzeugen froren. Einige Autos waren bis zu den Fenstern eingeschneit.
Räumfahrzeuge mussten zunächst die Fahrbahnen vom Schnee befreien, der manchen Autos bis an die Fenster reichte. Erst am Vormittag konnten Rettungskräfte die Eingeschlossenen aus ihren Fahrzeugen bergen. Quer auf der Fahrbahn stehende Lastwagen blockieren die Strecke nördlich der Anschlussstelle Süderholz.
60 Menschen im Zug eingeschlossen
In mehreren Landkreisen seien die Bürgermeister angewiesen worden, ihre Gemeinden abzuriegeln und die Einwohner daran zu hindern, auf die Autobahn zu fahren, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion in Rostock. Die Warnmeldung sei gegen fünf Uhr morgens ausgegeben worden. Insgesamt waren 14 Kilometer auf der A20 komplett gesperrt.
In hohen Schneewehen fuhr sich am Sonntagmorgen ein Personenzug auf der Strecke Stralsund-Pasewalk-Berlin bei Ducherow fest, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn AG. Das Technische Hilfswerk versuchte am Vormittag, über stark verschneite Feldwege zu den knapp 60 eingeschlossenen Menschen im Zug zu kommen.
Die Schneemassen brachten auch den Verkehr in Schleswig Holstein teilweise zum Erliegen. Wie die Polizei am Sonntagmorgen mitteilte, war die Autobahn A20 zwischen Bad Segeberg und Lübeck auf 20 Kilometer voll gesperrt. Im Schnee eingeschlossen war dort aber niemand. Auch die Bundesstraße B501 zwischen Grömitz und Heiligenhafen war wegen starker Schneeverwehungen gesperrt.
In Plön lag der Schnee bis 1,50 Meter hoch, so dass die Bundesstraße 502 und die Landesstraße L 165 gesperrt werden musste. Laut Polizei waren fast alle kleineren Straßen in Ostholstein unpassierbar. "Die Situation wird als unverändert angespannt bezeichnet", meldete die Polizei in Lübeck am Morgen. Sie rief die Bürger auf, das Autofahren, wenn irgend möglich, unbedingt zu vermeiden.
"Auf der Insel Fehmarn geht fast nichts mehr", hieß es weiter. Dort sei nur noch die Autobahn befahrbar, die den Fährhafen nach Dänemark mit dem Festland verbindet. Alle Ortschaften auf der Insel seien "mehr oder weniger sich selbst überlassen". Das gelte auch für unzählige Dörfer in Ostholstein. In Lübecks Altstadt trat die Trave über die Ufer.
Bereits am Samstag hatten starke Schneefälle und Schneeverwehungen sowie extreme Glätte und starke Sturmböen für zahlreiche Verkehrsbehinderungen gesorgt. Hunderte Flüge wurden gestrichen oder konnten erst mit Verspätung starten. Auch im Bahnverkehr gab es vereinzelt Zugausfälle und zahlreiche Verspätungen.
Deutsche Bahn entschuldigt sich
Die Deutsche Bahn entschuldigte sich dafür bei ihren Kunden. Ulrich Homburg, Vorstand Personenverkehr bei der Deutschen Bahn, der Bild am Sonntag: "Der Unmut vieler Fahrgäste lässt uns keineswegs kalt. Sie erwarten pünktliche Züge und guten Service - und das völlig zu Recht! Das ist auch der Anspruch, an dem wir uns messen. Deswegen möchte ich mich bei allen entschuldigen, die in den letzten Wochen aufgrund von Störungen und Verspätungen Beeinträchtigungen ihrer Reise hatten."
Mehr als hundert Züge sind in den letzten Wochen wegen Schnee und Kälte ausgefallen oder mussten umgeleitet werden. Gründe waren unter anderen vereiste Oberleitungen, eingefrorene Weichen, Störungen durch Schnee in ICE-Zügen.
In der Politik sorgen die winterlichen Technik-Probleme der Bahn für Kritik. Patrick Döring, verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion sagte der Zeitung: "In Zukunft wäre es gut, wenn die Bahn bei ihren Anschaffungen weniger auf äußere Raffinesse und mehr auf die Praktikabilität und Zuverlässigkeit Wert legen würde."
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