Wehe dem, der im chinesischen Guangzhou auf die Straße spuckt: Ein Punktesystem für Manieren soll den Sittenverfall stoppen. Unverbesserlichen droht gar der Verlust ihrer Wohnung.
Spucken kann gefährlich werden. Jedenfalls für chinesische Spucker in Guangzhou. Dort haben sich die Stadtväter eine eigenwillige Disziplinarmaßnahme überlegt. Sie haben probeweise ein Punktesystem für Manieren eingeführt - nicht unähnlich dem Flensburger Sündenregister für Autofahrer in Deutschland. Beim Ausspucken von Kaugummi erwischt? Drei Punkte! Müll einfach aus dem Fenster gekippt? Fünf Punkte! Wer sich besonders hässlich aufführt, dem kann sogar die Sozialwohnung entzogen werden.
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Spucken verboten: Um gegen "unhygienische Zustände" in sozialen Wohnanlagen anzugehen, sollen Vergehen wie Wildpinkeln und öffentliches Spielen künftig bestraft werden. (© Foto: AP)
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Jeder Anwohner subventionierten Wohnraumes in Guangzhou geht mit 20 Punkten an den Start. Insgesamt 29 verschiedene Missetaten führen zum Punktabzug, wie der Webseite der städtischen Büros für Landressourcen und Wohnraumverwaltung zu entnehmen ist.
Dazu zählen das achtlose Fortwerfen von Bananenschalen (minus drei Punkte), "Pinkeln in der Öffentlichkeit" (minus drei Punkte) und das Mah-Jong-Spielen um Geld auf der Straße (minus fünf Punkte). Auch wer seine Sozialwohnung monatelang leerstehen lässt, soll bestraft werden, in diesem Fall mit sechs Punkten. Anwohner, die innerhalb von zwei Jahren alle 20 Punkte verlieren, müssen ausziehen.
Man wolle damit endlich gegen "unhygienische Zustände" in vielen öffentlich verwalteten Wohnanlagen vorgehen, zitierte die Zeitung eine Beamtin namens Hu Yuhui. Immerhin soll die Bevölkerung nach einem Testlauf um ihre Meinung gefragt werden, bevor die neue Regelung gesetzkräftig wird.
"Dann haben wir gar keine Unterhaltung mehr"
Schon regt sich Widerstand. Es gebe schon genug Gesetze und Regeln, und überhaupt dürfen solche Fehltritte nicht bei der Qualifikation für Sozialwohnungen berücksichtigt werden, sagte ein Anwohner namens Chen Weiming. Das moralische Niveau einkommensschwacher Bürger gebe der Regierung nicht das Recht, sich aus ihrer Verantwortung für billigen Wohnraum zu stehlen, kommentierte eine Lokalzeitung in Guangzhou. Der Journalist fragte, ob da möglicherweise Menschen diskriminiert würden, nur weil sie arm seien.
In einer Umfrage des Webportals Sina.com fanden immerhin die meisten Befragten, das Punktesystem sei einen Versuch wert, auch wenn etwa die Hälfte die Punkte für das Spucken zu streng fanden.
Zu hart fanden viele auch den Verbot des öffentlichen Zockens am Mah-Jong-Tisch. "Wenn die Regierung das wirklich verbietet, dann haben wir gar keine Unterhaltung mehr", wurde ein Rentner zitiert. Der Vizedirektor der Behörde machte daraufhin klar, dass Mah-Jong-Spielen und Poker erlaubt seien, solange es nicht um Geld gehe.
Familien, die 15 Punkte gesammelt haben, sollen eine Warnung erhalten. Wer seine Wohnung verliert, soll ein Jahr lang warten müssen, bis er einen neuen Wohnantrag stellen darf.
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(SZ vom 20.01.2010/kred)
Studie von UN-Kinderhilfswerk