Von Arne Perras

In Tansania haben Ärzte zwei Patienten, die operiert werden sollten, versehentlich vertauscht - mit schwerwiegenden Folgen. Wie es zu der Verwechslung kommen konnte, ist noch immer ungeklärt.

Ein bizarrer Verwechslungsfall löste im ostafrikanischen Land Tansania Entsetzen aus: In einer Klinik in der Hauptstadt Daressalam haben Ärzte zwei Männer, die beide auf den OP-Tisch mussten, versehentlich vertauscht. Der eine sollte am Gehirn operiert werden, der andere am Knie.

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Tatsächlich aber wurde der Patient mit dem Hirntumor am Knie aufgeschnitten - und der Beinverletzte stattdessen am Kopf. Womöglich haben die Mediziner die beiden Männer verwechselt, weil beide denselben Vornamen haben.

Die folgenschwere Schlamperei, für die sich inzwischen sogar die tansanische Regierung entschuldigt hat, ist leider nicht mehr gutzumachen. Der Student Emmanuel Mgaya, der ursprünglich wegen rasender Kopfschmerzen in die Klinik eingewiesen worden war und unsinnigerweise am Knie operiert wurde, ist inzwischen tot.

Zwar hatten ihn die Ärzte nach dem falschen Eingriff noch einmal operiert, und diesmal tatsächlich am Kopf, wo es dringend nötig war. Doch die Chirurgen kamen zu spät, um den 19-Jährigen zu retten. Vier Tage kämpften sie noch auf der Intensivstation um das Leben von Emmanuel Mgaya - vergebens.

Um den anderen Mann, Emmanuel Didas, bangt nun seine Familie. Der 20-jährige Mechaniker war nach einem Unfall mit seinem Motorrad mit einem geschwollenen Knie ins Krankenhaus gekommen.

"Unzureichender Untersuchungsbericht"

Es schmerzte heftig, doch wie Angehörige der tansanischen Zeitung The Citizen erzählten, sollte es eigentlich nur eine "einfache Knieoperation" werden, bei dem ein Blutgerinsel im Innern des Gelenks zu entfernen war. Doch dann kam alles anders. Seit dem irrtümlichen Eingriff am Hirn sei Didas halbseitig gelähmt, klagt die Familie.

Die tansanische Regierung hat inzwischen einen Untersuchungsbericht der Klinik über den Skandal als "unzureichend" zurückgewiesen. Das Papier lasse die entscheidenden Fragen offen, kritisierte Gesundheitsminister David Mwakyusa.

Damit ist weiterhin unklar, wie es zu der Verwechslung überhaupt kommen konnte. Zugleich aber wehrte sich Krankenhausdirektor Laurent Museru gegen Darstellungen, dass der Patient Didas durch die Operation teilweise gelähmt sei.

Museru erklärte, die Symptome seien normal bei Patienten, die derartige Operationen durchliefen. Es handele sich nur "um Schwächen auf einer Seite des Körpers", behauptete er, und der Mann erhole sich langsam, aber stetig.

Die Familie des Patienten sucht nun nach medizinischer Hilfe jenseits des Krankenhauses. Geld für eine Behandlung im Ausland hat sie nicht, doch die Regierung hat bereits signalisiert, dass sie Didas nach Indien zur weiteren Behandlung schicken wolle und dafür auch bezahle.

Obgleich die medizinische Versorgung in fast allen Staaten südlich der Sahara unzureichend ist, sind Verwechslungen bei Operationen nicht nur ein afrikanisches Problem. Es gibt sie auch immer wieder in den Staaten Europas, Asiens und Amerikas, wo die Hightech-Medizin etabliert ist.

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(SZ vom 26.11.2007/gal)