Schiffsunglück vor Giglio Blackbox der "Costa Concordia" soll defekt gewesen sein

Die Frage, warum es im Januar zu dem tragischen Schiffsunglück der "Costa Concordia" kam, ist noch immer nicht abschließend beantwortet. Die Blackbox des Schiffes sollte für Aufklärung sorgen - doch die fiel offenbar kurz vor der Havarie aus.

Was geschah wirklich am 13. Januar vor der toskanischen Insel Giglio? Viel wurde um die Umstände spekuliert, die zur Kollision des Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia führten. Gewissheit wird es wohl auch in Zukunft nicht geben: Die Blackbox des Schiffes soll zum Zeitpunkt der Kollision nicht funktioniert haben, schreibt die Mailänder Tageszeitung Corriere della Sera.

Das havarierte Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" ein halbes Jahr nach dem Unglück vor der Insel Giglio: Defekte Blackbox, funktionsuntüchtige Navigationsinstrumente, offene Sicherheitstüren und fehlende Karten - die Mängelliste ist lang.

(Foto: AFP)

Der technische Direktor der italienischen Unglücksreederei Costa Crociere habe zwei Tage vor dem Unfall Reparaturbedarf an der Blackbox gemeldet, berichtet die Zeitung. Bei Ankunft in der Hafenstadt Savona hätte das Gerät repariert werden sollen. Der technische Direktor Pierfrancesco Ferro habe sich vor dem Unfall sogar noch in einer E-Mail darüber beschwert, dass die Box nicht funktioniere. Die Mail liege der Untersuchungsbehörde in der toskanischen Stadt Grosseto seit April vor.

Die Costa Concordia war bei dem Unglück vor der italienischen Küste auf Grund gelaufen, leck geschlagen und gekentert. Mindestens 30 Menschen kamen dabei ums Leben, unter ihnen zwölf Deutsche. Zwei Menschen werden noch immer vermisst. Grund für das Unglück war vermutlich ein Fehler des Kapitäns, der zu nah an die Insel Giglio herangefahren war.

Die Zeitung berichtet noch über weitere Mängel an Bord des Schiffes: So sollen mehrere Navigationsinstrumente defekt gewesen sein; Sicherheitstüren, die eigentlich hätten geschlossen sein müssen, seien zudem offen gestanden, und es habe keine offiziell genehmigten Karten an Bord gegeben.

Mängel waren "allgemeine Praxis"

Die Reederei Costa Crociere wies die Vorwürfe zurück. Die Blackbox, die technische Daten des Schiffes und Informationen zur Fahrtroute sammelt, habe demnach "lediglich einen Fehler-Code angezeigt". Dies bedeute aber nicht, dass sie nicht funktioniert habe. "Es gibt keine internationalen Vorschriften, die einem Schiff unter solchen Bedingungen eine Fahrt verbieten", teilte die Reederei mit. Die Zeitung dagegen verwies auf international geltenden Schifffahrtsregeln, wonach Schiffe nur mit komplett funktionierenden Geräten fahren dürfen.

Zu den offenen Sicherheitstüren zitierte Corriere della Sera aus den Ermittlungsakten die Aussage eines Schiffsoffiziers, wonach dies "allgemeine Praxis" gewesen sei, um dem Personal die Wege an Bord zu erleichtern. Costa Crociere erklärte dazu, die Sicherheitstüren seien geschlossen gewesen - und für die Karten sei der Kapitän verantwortlich gewesen.