Schiffsunglück Deutsche Seeleute in Indien festgenommen

Sie sollen mit ihrem Frachter ein Fischerboot gerammt haben und einfach weitergefahren sein: Die indische Polizei hat zwei deutsche Seeleute festgesetzt. Sie könnten wegen fahrlässiger Tötung angeklagt werden.

Fahrlässige Tötung: Wegen dieses Vergehens müssen sich möglichweise zwei deutsche Seeleute demnächst vor einem indischen Gericht verantworten. Die Besatzungsmitglieder eines Hamburger Frachters sind am Dienstag in der südindischen Hafenstadt Chennai (auch: Madras) festgenommen worden. Sie sollen mit ihrem Schiff ein Fischerboot gerammt und so zum Sinken gebracht haben.

Der Kapitän und der Erste Offizier der Grietje würden in Indien festgehalten, sagte Rüdiger Bauer, Mitglied der Geschäftsleitung der Reederei SAL, der das Schiff gehört. "Es steht der Vorwurf der fahrlässigen Tötung im Raum." Die Seeleute sollen aus München stammen. Die Anschuldigungen seien nach der derzeitigen Beweis- und Sachlage jedoch haltlos, sagte Bauer. "Wir gehen mit unsere Leuten davon aus, dass das Verfahren eingestellt wird."

Nach dem angeblichen Zusammenstoß vor der indischen Küste am 16. März soll die Grietje einfach weitergefahren sein, obwohl das Fischerboot sank. Bei dem Unfall ertrank indischen Medienberichten zufolge ein 45 Jahre alter Fischer; zwei weitere Menschen konnten gerettet werden. Die englischsprache Times of India zitiert aus einem Statement eines der beiden überlebenden Fischer, wonach die Grietje ihr Boot rammte, als sie gerade versuchten, technische Probleme zu beheben:

"Around 4.30am, when we were repairing the boat, the vessel suddenly appeared close to us," said Santosh. "We all dived and surfaced after the ship passed. Anandan was not to be seen." Anandan's body was found floating in the sea five days later.

Wie die Zeitung weiter berichtet, soll die Reederei des Frachters den Familien der Fischer Entschädigungszahlungen zugesagt haben.

Parallelen zu Italien

Die Angelegenheit sorgt in Indien für Aufregung, weil jüngst ein Fall zweier italienischer Marinesoldaten zu diplomatischen Zerwürfnissen zwischen Indien und Italien geführt hatte. Die Matrosen hatten vor einem Jahr zwei Fischer erschossen, die sie offenbar für Piraten hielten. Sie sollen sich nun wegen Mordes vor Gericht verantworten.

Im Zuge des Streits um die Frage, ob die Soldaten nach einem Heimaturlaub zurück nach Indien mussten, war der italienische Außenminister Giulio Terzi di Sant'Agata am Dienstag zurückgetreten.