Schießerei in Newtown, Connecticut Mann erschießt 28 Menschen in Grundschule
Anzeige
Amerika ist schockiert - und wütend: Nach der Bluttat an der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown ist die Debatte um die Waffengesetze wieder voll entbrannt. Ein Protokoll der Ereignisse.
Anzeige
Bei einer Schießerei in einer Grundschule im US-Bundesstaat Connecticut sind 28 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Toten sind 20 Kinder.
Tragödie an US-Schule in Newtown In Trauer vereint
Auch der Schütze wurde tot aufgefunden. Die Mutter des Täters war Lehrerin an der Schule. Auch sie ist unter den Opfern. Protokoll der Ereignisse vom Freitag.
23:46 Uhr
Newtown hat eine der schlimmsten Bluttaten in der Geschichte der Vereinigten Staaten erlebt. 20 Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter wurden getötet. Amerika trauert - und ist schockiert und wütend. Wie konnte das passieren? Und wie kann man solche Taten in Zukunft verhindern? Dem Land steht vor dem Hintergrund der laxen Waffengesetze - mal wieder, muss man zynisch sagen - eine Debatte bevor. Damit schließt die Süddeutsche.de-Redaktion den Newsblog, wird aber auch am Wochenende alles Aktuelle über die Ereignisse in Newtown und die Folgen berichten.
23:20 Uhr
Die Washington Post twittert ein Bild, das eine Menschenansammlung vor dem Weißen Haus zeigt. Die Menschen protesieren gegen Waffengewalt.
23:18 Uhr
New York Citys Bürgermeister Michael Bloomberg hat Präsident Obama und den US-Kongress heftig kritisiert. "Es ist soweit gekommen, dass ein Angriff auf eine Kindergartenklasse möglich ist", schreibt Bloomberg in einer Mitteilung auf seiner Website. Jeden Tag, den die Politik weiter abwarte, würden 34 Menschen in den USA durch Schusswaffen sterben. "Jetzt ist der Moment, in dem das Land von Obama ein Gesetz gegen dieses Problem fordert", so Bloomberg weiter.
23:06 Uhr
Die Gerichtsmediziner arbeiten sich langsam durch die Räume, in denen der Attentäter 26 Menschen und sich selbst tötete. Seelsorger kümmern sich derzeit um die Familien der Opfer und auch um die Einsatzkräfte, die zuerst am Tatort eintrafen, berichtet ein Polizeisprecher während einer Pressekonferenz. "Wir werden in dieser Untersuchung jeden Stein umdrehen", kündigt der Sprecher an.
22:41 Uhr
Wie nach jeder Schießerei solchen Ausmaßes entbrennt auch diesmal in den USA die Debatte um das Waffenrecht. In den sozialen Netzwerken reagieren viele Amerikaner wütend, dass immer noch nichts passiert sei, um die teils laxen Bestimmungen zu ändern (wie auf Twitter das Thema diskutiert wurde, ist hier zusammengestellt). CBS-News hat derweil die Reaktion der National Rifle Association (NRA) eingeholt. Die mächtige Waffenlobby erklärt: Bevor nicht alle Fakten auf dem Tisch lägen, werde die NRA keinen Kommentar abgeben.
22:19 Uhr
CNN meldet, dass die Polizei am Tatort mindestens drei Waffen gefunden hat. Dabei soll es sich um zwei Pistolen der Marken Glock und Sig Sauer und ein Sturmgewehr der Marke Bushmaster handeln. Die US-Streitkräfte sind mit Waffen dieses Kalibers ausgestattet. Solche Waffen können aber auch Zivilisten im freien Handel kaufen.
22:00 Uhr
Wir müssen uns korrigieren. Auch wir haben im Laufe unserer Berichterstattung dem Täter fälschlicherweise den Namen seines Bruders gegeben, der von der Polizei befragt wurde - genau wie mehrere US-Fernsehsender (unter anderem CNN und CBS) und Zeitungen (unter anderem New York Times und Wall Street Journal). Genauso wie die Kollegen beriefen wir uns auf die offizielle Bestätigung der Behörden. Jetzt geben sie bekannt: Der Täter ist sein Bruder Adam. Wir haben den Namen in diesem Liveblog durchgängig korrigiert.
21:51 Uhr
Derzeit untersuchen die Ermittler den Tatort in der Sandy Hook Grundschule. Die Ermittler stehen vor einer gewaltigen Aufgabe. "Es gibt sehr viel zu tun, es gibt noch viel, was wir nicht bestätigen können", sagt ein Polizeisprecher. Mittlerweile haben die Behörden mit den Eltern aller Opfer gesprochen. Der Sprecher bittet die Presse im Namen der Angehörigen, die Privatsphäre der Opfer und ihrer Familien zu respektieren.
21:47 Uhr
Stunden nach der Bluttat legt sich die Polizei erstmals auf die Zahl der Opfer fest. Der Attentäter tötete demnach sechs Erwachsene und 20 Kinder. In einer Pressekonferenz der Polizei heißt es, dass die Schießerei in zwei Räumen der Schule stattfand.
21:42 Uhr
Laut New York Times ist der Schütze zielgerichtet in die Klasse seiner Mutter gegangen und habe zuerst sie getötet. Unklar blieb zunächst, ob der Schütze von der Polizei getötet wurde oder sich selbst tötete.
21:30 Uhr
Tim Loh ist Reporter bei der Connecticut Post. Er arbeitet in Bridgeport, 45 Autominuten vom Tatort entfernt. "Newtown ist ein eher wohlhabendes und ganz ruhiges Städtchen, quasi ein Dorf", erzählt Loh im Gespräch mit Süddeutsche.de. Viele Einwohner hätten ihre Arbeitsstelle im 130 Kilometern entfernten New York City. Er hat sich auf den Weg nach Hoboken in New Jersey gemacht. Dort soll der Schütze eine Wohnung gehabt haben. Die Polizei habe das Gebiet um die Wohnung bereits abgeriegelt und wolle nach Angaben eines Radiosenders mit einem Roboter in die Wohnung eindringen. Es bestehe die Befürchtung, dass dort Sprengfallen installiert seien. CNN meldet unter Berufung auf offizielle Stellen, dass ein Bruder des Schützen tot in einer Wohnung in Hoboken gefunden worden sei. Die Mutter sei tot in der Schule gefunden worden.
21:20 Uhr
"Unser Land hat zu viele solcher Tragödien in den vergangenen Jahren erlebt", sagt Obama. "Wir müssen zusammenkommen und etwas unternehmen, um solche Tragödien in Zukunft zu verhindern." Es gebe keine Eltern in Amerika, die an diesem Tag nicht dieselbe überwältigende Trauer verspürten wie er selbst. Das Land habe in der Vergangenheit zu viele solcher Schießereien erleben müssen. Die USA müssten nun ernsthafte Schritte unternehmen und dürften sich dabei auch nicht von politischen Machtspielen abhalten lassen, fügt Obama hinzu. Der Präsident ordnet an, dass alle Flaggen in den USA und den amerikanischen Botschaften auf Halbmast gesetzt werden sollen.
21:16 Uhr
Jetzt tritt Obama im Weißen Haus vor die Presse. Er hat Tränen in den Augen. Als er auf die kleinen Kinder zu sprechen kommt, die dem Verbrechen um Opfer gefallen sind, stockt seine Stimme. Er muss sein Statement kurz unterbrechen.
21:15 Uhr
Der 24-jährige Attentäter Lanza soll auch seine Eltern getötet haben. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP tötete er zuhause zuerst seinen Vater und fuhr dann zur Schule in Newtown, wo er seine dort beschäftigte Mutter tötete. Die Polizei bestätigt diese Informationen derzeit nicht.
21:00 Uhr
Die Tochter von Leigh Libero wäre zur Zeit der Schießerei in der Schule gewesen, wenn sie nicht einen Zahnarzttermin gehabt hätte, meldet die Wall Street Journal. Als die Mutter ihr Kind zum Unterricht bringen wollte und in die Nähe der Schule kam, sah sie plötzlich die Barrikaden und bekam eine SMS mit der Information über die Schießerei. Sie beobachtete, wie Kinder über die Schuleinfahrt in eine Feuerwache gebracht wurden. Zugleich seien zahlreiche Eltern angekommen, um ihre Kinder zu suchen. Es seien chaotische Szenen gewesen. "Eigentlich ist das hier die perfekte New-England-Stadt", sagt die Frau. Sie erzählte auch, dass die Eltern der Schulkinder überlegen, wie der Täter überhaupt in die Schule gelangen konnte. Die Schulverwaltung habe in diesem Jahr den Eltern einen Brief geschrieben, in dem über neue Sicherheitsbestimmungen informiert wurde. Demnach sind die Türen zur Schule von 9.30 Uhr an geschlossen. Danach müssten Besucher klingeln. "Wenn unser Personal Sie nicht erkennt, müssen Sie einen Ausweis mit Foto vorzeigen", heißt es in dem Brief. Der erste Notruf ging bei der Polizei um 9.41 Uhr ein, wie ein Sprecher mitteilte.
20:46 Uhr
Journalistische Sorgfalt ist immer wichtig - besonders, wenn menschliche Schicksale davon abhängen: Erste TV-Sender und Onlineseiten in Amerika sowie eine Nachrichtenagentur haben sehr schnell ein Facebook-Profilbild verbreitet und den Mann auf dem Bild als Täter bezeichnet. Allein: Er war nicht der Täter. Das legen zumindest seine Einträge nahe, die er vor wenigen Minuten auf seine Facebook-Seite geschrieben hat.
20:31 Uhr
CBS News hat bestätigt, dass die Mutter des Attentäters als Lehrerin an der Grundschule gearbeitet hat. Sie soll unter den Toten sein.
20:16 Uhr
Der Fernsehsender CNN meldet die Identität des Schützen: Es soll sich um Adam Lanza handeln. Die Polizei hat laut CBS News das Haus der Eltern des Attentäters durchsucht. Dort soll sie zwei Tote gefunden haben.
20:07 Uhr
An der Sandy Hook Elementary School werden Kinder zwischen fünf und zehn Jahren unterrichtet, also vom Kindergartenalter bis zur vierten Klasse. "Es war furchtbar", sagte Brenda Lebinski, deren Kind die dritte Klasse besucht. "Alle waren in Panik - Eltern und Schüler. Kinder kamen blutverschmiert aus der Schule. Ich weiß nicht, ob sie angeschossen waren, aber sie waren blutverschmiert." Lebinski berichtete von einem Gespräch mit einer Bekannten, die während der Schießerei in der Schule war. Sie habe von einem "maskierten Mann" gesprochen, der ins Büro der Schuldirektorin eingedrungen sei und auf diese möglicherweise geschossen habe. Der Lehrer ihres Kindes habe sofort die Klassentür geschlossen und alle Kinder in die Ecke des Klassenzimmers gebracht, berichtete Lebinski. Alle Schulen in Newtown wurden nach der Schießerei geschlossen. Eine andere Frau sprach von dramatischen Szenen vor der Schule: Vor dem Schulgebäude hätten etwa 20 Eltern auf ihre Kinder gewartet. Die Polizei habe ihnen sagen müssen, dass ihre Kinder tot sind. Augenzeugen zufolge soll die Polizei einigen Krankenwagen befohlen haben, wegzufahren - weil sie nicht mehr gebraucht würden.
19:53 Uhr
Jetzt die Pressekonferenz der Polizei: Beamte haben das Schulgelände komplett durchsucht. Der Schütze, der schwarz gekleidet sei, wurde tot in einem Klassenzimmer gefunden. Ein zweiter Mann wird derzeit von den Behörden vernommen. CNN meldet, dass der Mann aber nicht als Verdächtiger gilt. Die Zahl der Todesopfer bleibt weiter unklar. Ein Vertreter der Staatspolizei machte bei der Pressekonferenz keine Angaben dazu. CNN zufolge sei die Zahl aber näher an 30 als an 20.
19:43 Uhr
Beamte haben Medienangaben zufolge zwei halbautomatische Handfeuerwaffen in der Grundschule gefunden. Der Schütze soll nach Angaben von Augenzeugen mindestens 100 Schüsse abgegeben haben. Ein Schulkind beschrieb ein Geräusch, als ob viele Blechdosen auf den Boden fallen.
19:32 Uhr
Barack Obama drückte allen Angehörigen sein Beileid aus. Er sei in Gedanken bei den betroffenen Familien. Der Präsident lasse sich fortlaufend von seinem Stab über das "tragische Ereignis" informieren, teilte das Präsidialamt mit. Jetzt sei nicht die Zeit dafür, um über politische Konsequenzen zu debattieren.
19:30 Uhr
Reuters berichtete, ein weiterer Verdächtiger sei in Gewahrsam. Der TV-Sender ABC meldet, der mutmaßliche Schütze sei ein 24-Jähriger, der mit vier Handfeuerwaffen und einer kugelsicheren Weste in die Schule gegangen sei.
19:26 Uhr
Bei dem Täter handle es sich um den Vater eines Schulkindes an der Sandy Hook Elementary School in der Stadt Newton, berichtete der TV-Sender CBS. Unter den Toten befinde sich neben dem Direktor und dem Schulpsychologen auch der Schütze. Etwa die Hälfte der Todesopfer seien offenbar Kinder.