Ein Meer von Tränen in der Wüste: Nach 69 Tagen in der Tiefe haben die ersten Bergleute die Oberfläche erreicht. In der ganzen Welt nehmen die Menschen Anteil an ihrem Schicksal - und freuen sich mit den Geretteten. Der Liveticker von den ersten Stunden der Rettung zum Nachlesen.
Um 4:35 Uhr (Ortszeit) brandete Jubel im Camp Esperanza auf, die Menschen applaudierten, es flossen Tränen der Freude und Erleichterung: In Florencio Ávalos wurde der erste der 33 verschütteten Bergleute in Chile aus seinem steinernen Gefängnis befreit. Das Drama um die eingestürzte Mine in San José in der Atacama-Wüste scheint ein gutes Ende zu nehmen.
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Nach und nach werden die seit 69 Tagen eingeschlossenen Bergleute mit Hilfe der Rettungskapsel aus dem Schacht gezogen. Die Aktion verläuft - bis auf kurze Wartungspausen - reibungslos, die meisten Geretteten erfreuen sich offenbar guter Gesundheit.
Vor der guten Nachricht waren die Nerven der Beteiligten nochmals auf eine harte Probe gestellt worden: Die nach dem Schutzheiligen der Bergleute benannte Operation "San Lorenzo" war in der Nacht wegen zusätzlich notwendiger Installationen und Tests zunächst um zwei Stunden verschoben worden. Bei der ersten unbemannten Testfahrt war die vier Meter lange Kapsel leicht beschädigt worden, sodass sich die Rettungsaktion weiter verzögerte. Verfolgen Sie die historische Rettungsaktion live im Ticker von sueddeutsche.de.
11:59 Uhr
Jetzt ist Claudio Yanez Lagos (34) an der Reihe. Er rührte die Menschen in Chile, als er seiner Freundin während der Gefangenschaft unter Tage versprach, sie nach seiner Rettung zu heiraten.
12:04 Uhr
Hier kommt der achte Kumpel: Lagos reckt die Arme in die Luft, während ihn die Helfer von den Sicherheitsgurten der Kapsel befreien. Dann fällt er seiner Freundin in die Arme und hält sie lange fest. Lagos sieht ausgemergelt aus, aber er hat noch die Kraft, sich auf der Trage der Sanitäter kurz aufzurichten - für ein Foto. Seine Freundin drückt ihm ein Mobiltelefon in die Hand, bevor er in Richtung Krankenhaus abtransportiert wird.
12:07 Uhr
Es sind nur noch 25 Kumpel unter der Erde - die Aktion verläuft bislang reibungslos. Acht Kumpel sind gerettet und offenbar wohlauf. Bis auf eine kleine Wartungspause sind keine Verzögerungen zu beobachten. Während über dem "Camp der Hoffnung" in der Atacama-Wüste die Sonne aufgeht, weicht bei den Beobachtern allmählich die Nervosität dem Gefühl, dass die Retter alles im Griff haben.
12:16 Uhr
Auch von offizieller Seite kommt die Bestätigung: "Die Dinge laufen sehr gut", sagte Chiles Gesundheitsminister bei einer spontanen Pressekonferenz am Rande der Mine in San José. Die Kumpel seien mehrheitlich gesund, allenfalls etwas müde, aber sehr glücklich über ihre Rettung. Die Kapsel habe besser funktioniert als erwartet. Als nächster Bergmann wird Mario Gómez Heredia einsteigen. Er ist 63 Jahre alt und damit der Senior der Gruppe. Unter Tage soll er für die Spiritualität zuständig gewesen sein.
12:30 Uhr
Rund um den Globus wird die Rettung live verfolgt, die Anteilnahme ist gewaltig. Im Internet-Dienst Twitter ist alles voller "alegría", dem spanischen Wort für Freude. Jeder Bergarbeiter, der wieder ans Tageslicht kommt, wird gefeiert. "Heute sind wir alle Chilenen", jubelt eine Nutzerin und fügt hinzu: "Wir sind mit Dir, Chile!" Überschwänglich beschreiben viele ihre Gefühle beim Verfolgen der Live-Berichterstattung.
13:15 Uhr
Die Erfolgsstory geht weiter: Mit Mario Gómez trifft der neunte Kumpel unversehrt an der Oberfläche ein. Der 63-Jährige arbeitet seit seinem 12. Lebensjahr im Bergbau. Damit warten jetzt noch 24 Männer in der Tiefe auf ihre Rettung.
13:49 Uhr
Die Rettungsaktion bewegt die Menschen - das zeigt sich auch auf Twitter: Derzeit werden dort mehr als hundert Kurznachrichten pro Sekunde abgeschickt – viele lateinamerikanische Nutzer sind gerade mit der guten Nachricht aufgestanden, andere verfolgen das Geschehen bereits die ganze Nacht im Fernsehen oder über die Livestreams im Internet. "Guten Tag, Chile! Heute ist ein historischer und aufregender Moment", freut sich ein chilenischer Nutzer stellvertretend.
14:00 Uhr
Etwa 30 Angehörige bangten um sein Leben - umso größer ist ihre Erleichterung, als in Alex Vega der zehnte Bergarbeiter aus der Rettungskapsel steigt. Vega ist etwa 30 Jahre alt und seit neun Jahren Bergmann. Er wird in einen abgedunkelten Raum geführt, um seine Augen zu schonen, und darf seine Familie in die Arme schließen.
14:33 Uhr
Während in Jorge Galleguillos Orellana der elfte Bergmann zurück auf der Erde begrüßt wird, treffen Glückwünsche aus Bolivien in Chile ein - die Rivalität beider Länder scheint angesichts des glücklichen Endes des Grubendramas vergessen. "Diese Taten verbinden uns, sie stärken uns", sagte der bolivianische Präsident Evo Morales. Sein Land werde den Rettern, der chilenischen Regierung und dem chilenischen Volk ewig dankbar sein. Bei dem Unglück war auch ein bolivianischer Bergmann verschüttet worden. Nach dessen Rettung soll er gemeinsam mit Morales zurück nach Bolivien fliegen. Seit dem Salpeterkrieg Ende des 19. Jahrhunderts sind die Beziehungen zwischen beiden Ländern kritisch. Morales' Besuch an der Mine und seine Dankesworte in Richtung Chile könnten zu einer Entspannung beitragen.
15:14 Uhr
Willkommen zurück, Edison Peña Villarroel! Der 34-Jährige ist der zwölfte gerettete Bergmann. Die Rettungsaktion läuft weiterhin ohne Probleme - sehr zur Freude auch von Angela Merkel: "Wir sind sehr froh, dass das bisher so reibungslos gelingt und dass auch jeder der bisher Geretteten in so offensichtlich zufriedenstellendem Gesundheitszustand ist", ließ die Bundeskanzlerin über ihren Sprecher Steffen Seibert mitteilen. "Unsere Gedanken und unsere guten Wünsche sind bei den Chilenen - bis zu dem Moment, wo der letzte gerettet ist." Merkel werde dann dem chilenischen Präsidenten Piñera Glückwünsche übermitteln.
16:00 Uhr
Sein Platz auf der Rettungsliste war kein schlechtes Vorzeichen: Als Kumpel Nummer 13 hat auch Carlos Barrios Contreras am Mittwoch um 10:54 Uhr Ortszeit (15:54 Uhr MESZ) sicher die Erdoberfläche an der Unglücksmine in Chile erreicht. Der knapp 30-Jährige war einer der Schichtleiter in dem Gold- und Kupferbergwerk. Nun sind noch 20 Bergleute und ihre Helfer in dem verschütteten Schacht.
16:31 Uhr
Tauwetter zwischen Bolivien und Chile: Die Präsidenten beider Länder treten gemeinsam vor die Presse, sie teilen sich gar ein Mobiltelefon - angesichts der bislang schwierigen Beziehungen ist das fast eine Sensation. Derweil kehrt der 14. Bergmann zurück aus der Tiefe: Victor Zamora jubelt nicht, er winkt nur kurz, aber die Erleichterung ist ihm anzusehen.
17:16 Uhr
Bei der Rettung der Kumpel in Chile geht es weiter Schlag auf Schlag: Am Mittwoch um 12.09 Uhr Ortszeit (17.09 Uhr MESZ) kam der 15. Bergmann - Víctor Segovia - per Rettungskapsel nach oben. Der fast 50-Jährige schrieb im Stollen Tagebuch. Damit sind noch 18 Kumpel in dem Bergwerk eingeschlossen.
17:57 Uhr
Als Kumpel Nummer 16 der 33 in Chile verschütteten Bergleute ist Daniel Herrera Campos sicher an die Oberfläche zurückgekehrt. Die Retter zogen den knapp 30-Jährigen um 12.50 Uhr Ortszeit (17.50 Uhr MESZ) aus der schmalen Rettungskapsel. In gut 600 Metern Tiefe harren nun noch 17 Kumpel aus.
17:58 Uhr
Die Rettung der eingeschlossenen Bergleute in Chile kommt so schnell voran, dass der letzte Kumpel noch am Mittwoch (Ortszeit) das Licht der Sonne wiedersehen könnte. "Wir rechnen damit, dass die Befreiung in sieben bis acht Stunden abgeschlossen sein wird", sagte Chiles Präsident Sebastián Piñera am Bergwerk San José gegen 16.30 MESZ.
Die Ereignisse der Nacht und die dramatische Rettung der ersten sieben Kumpel - lesen Sie weiter auf der zweiten Seite.
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Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld
Aus einem Unglück wird ein Multimedia-Spektakel.
"Seien Sie live dabei, wenn der letzte Kumpel gerettet wird"
Wieso sollte ich da dabei sein? Und was passiert, wenn nicht? Das alles ist nicht "echt". Es ist Theater. Plötzlich sind wir nicht mehr Papst, sondern Chile. Die erste Bildschirmseite heute bei der SZ komplett "Grubenunglück". Unzählige Artikel, Bildstrecken, Ticker etc. Ich frage mich echt, was für eine Art von Journalismus das ist.
Sensationen, Damenundherrn, treten Sie ein!
.. sollte ihnen auch nachträglich für die Aufnahme von Honny danken.
"Mehr als ein Drittel der insgesamt 33 verschütteten Bergleute haben..."
Zu schreiben: "11 (oder 12) von insgesamt 33 ..." ist wohl zu einfach?
""Unsere Gedanken und unsere guten Wünsche sind bei den Chilenen - bis zu dem Moment, wo der letzte gerettet ist." Merkel werde dann dem chilenischen Präsidenten Piñera Glückwünsche übermitteln."
Danke Mutti, danke. Nur eine Frage: Womit genau hat der chilenische Präsident sich die Glückwünsche verdient? Mir will da spontan nichts rechtes einfallen. Vielleicht für die tolle Überwachung dieser Mine, die 2007 unter Auflagen wiedereröffnet wurde und deren Betreiber diese Auflagen nie erfüllten? Auflagen übrigens, die eine sofortige Bergung der Verschütteten ermöglicht hätten.
Äh, Tschuldigung, aber hat die sz diese Überschrift der Zeitung mit den vier Großbuchstaben gekl.aut?
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