Ein Teheraner Gericht hat dem Opfer einer Säureattacke das Recht auf Selbstjustiz zugesprochen. Nun will die Frau davon Gebrauch machen.
Die 30-jährige Iranerin Ameneh Bahrami, die vor viereinhalb Jahren Opfer eines Säureattentats durch einen verschmähten Mann wurde und seither blind ist, hat in Spanien mit einer markerschütternden Ankündigung Schlagzeilen gemacht. Wie Bahrami vor Journalisten in Barcelona erklärte, wolle sie ihrem Peiniger, einem nunmehr 25-jährigen Mann namens Majid Emovahedi, die Augen ebenfalls mit Säure verätzen.
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Opfer eines Säureangriffs: Ameneh Bahrami. (© Foto: AFP)
Dies stehe ihr nach einem Urteil aus dem November vergangenen Jahres zu, sagte Bahrami. "Ich will keine Rache. Ich möchte nur, dass alle wissen, dass man so etwas nicht tun darf", fügte sie hinzu.
Die Attacke datiert aus dem September 2004. Die Mutter des Attentäters hatte ihr am Telefon ein Heiratsangebot ihres Sohnes unterbreitet. Bahrami, die den Mann nur flüchtig kannte, lehnte ab. Daraufhin lauerte ihr der Zurückgewiesene auf und schüttete ihr Säure ins Gesicht. Er wurde gefasst und zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, zudem wurde Bahrami eine Entschädigung von umgerechnet 20.000 Euro zugesprochen. "Ich werde das Geld nicht nehmen, wohl aber seine Augen", sagte Bahrami.
"Hunderte würden es für mich tun"
Ihr Fall war schon im November in arabischen und englischsprachigen Medien aufgegriffen worden. Daraufhin erhielt sie einen Anruf der iranischen Anwältin und Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi, die versuchte, Bahrami umzustimmen. Ohne Erfolg. "Sie sollte sich nicht zu sehr kümmern. Er wird vorher anästhesiert", sagte Bahrami.
Ursprünglich habe es im Richterspruch geheißen, dass Emovahedi "bloß" ein Auge zerstört werden dürfe, weil Frauen nach iranischem Recht bloß halb so viel wert sind wie Männer. Sie legte Einspruch ein, dem dann stattgegeben wurde - ob ihrer Verbrennungen im Gesicht, an Rücken, Armen und Händen. 17 Mal ist sie operiert worden, zumeist in Barcelona, wohin sie ihre Ärzte in Teheran geschickt haben.
Spanische Spezialisten konnten ihr zwischenzeitlich 40 Prozent der Sicht auf einem Auge zurückgeben, eine Infektion ließ sie jedoch erneut erblinden. Nun wartet sie auf einen Termin für die Reise nach Teheran. Sie sorge sich auch nicht, sollte sie nicht persönlich die Augen Emovahedis verätzen können. "Es gibt Hunderte Iraner, die es für mich tun würden."
(SZ vom 06.03.2009/grc)
Sie vergessen, dass das sogenannte Talionsrecht, das so gerne zitiert wurde, schon vor den Lebzeiten desjenigen, der als Gründer des Christentums geehrt wird, durch seine eigenliche Religion dahingehend modifiziert wurde, daß der der WERT des verletzten Körperteils finanziell zu ersetzen war.
Der Schadensersatz beinhaltete die ärztlichen Kosten, die Kosten für den eventuellen Verlust der Erwerbstätigkeit, Geld für die durchlebten Schmerzen und eine finanzielle Genugtuung für die erlittene Schmach. Aber wie gesagt, es ging um eine GELDZAHLUNG.
Vgl.: Hyam Maccoby: König Jesus, die Geschichte eines jüdischen Rebellen, Tübingen 1982, S. 235.
...Zahn um Zahn!"
... ist eine Begrifflichkeit auch des Alten Testaments. Noch ältere Quellen für solchermaßenes Rechtsverständnis ist das älteste "Gewährleistungsrecht" das auf den Stelen des Hammurabi nachzulesen ist. Danach mußte ein Baumeister ein von ihm errichtetes Haus, das aber eingestürzt war, ohne erneute Bezahlung wieder errichten. Wäre bei dem Einsturz ein Mensch gestorben, hätte auch der Baumeister sein Leben verwirkt - nachdem er das Haus wieder aufgebaut hätte.
Ein Verständnis für Recht in Form von Rache wird idealerweise im modernen demokratischen Rechtsstaat nicht mehr gepflegt - aber lang ist das noch nicht her, dass in christlichen Breiten die Rachementalität des "Auge um Auge..." als völlig normal galt. Man braucht ja nur mal danach zu fragen, wann in Mitteleuropa die letzten Todesurteile vollstreckt worden sind.
In den USA, dem Hort der Demokratie - und das meine ich nicht ironisch - ist die Todestrafe immer noch eine gegebene Strafnorm. Sie gewährt Rache, nicht Recht.
Man sollte also bitte ein wenig vorsichtig sein, wenn man aus der Berichterstattung über solche Urteile und deren Anwendung die Berechtigung zu wohlfeiler und überheblicher Empörung über "Barbaren" zieht. Demokratie ist nur bedingt ein Eindämmungswerkzeug gegenüber Barbarei!
Da sind wir wieder beim Begriff "Ehre" ! Der Heiratsantrag-Steller hat sich in seiner
Ehre gekränkt gefühlt, weil von der Frau abgewisen wurde ! Und so fängt das an !
Ein "Nein" können die "Herren der islam. Schöpfung" nicht hinnehmen - und nach
patriachalischem islam. Recht handeln sie ! Was erlauben sich Frauen, die halbsoviel
Wert sind wie Männer ! Dann kommt Scharia - von vielen dummen, kurzsichtigen
Europäern als Heilmittel herbeigesehnt - siehe Afgh. , Pakistan !
Scharia haißt eben Zahn um Zahn , Aug um Aug, Leben u, Leben !
Wollt ihr das ? Oder ist das für die "Barbaren" gut genug !- im 21. JH !
06.03.2009 15:00:59 trobare: Fortschrittliches Mittelalter
Wenn also einer Frau das gleiche Recht auf Rache zugesprochen wird wie einem Mann - ist das dann emanzipatorisch, also Fortschritt?
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Hallo trobare,
'Rache' ist das (Ur-) Recht des Einzelnen und dieses 'Recht' wahrzunehmen oder sich aufgrund höherwertigerer Vorstellungen von Gerechtigkeit darauf zu verzichten oder z.B. auf Sühne und Wiedergutmachung zu zielen, sollte man dem geschädigten Individium überlassen - insbesondere, wenn dieses in einem anderen Kulturkreis lebt.
Einer ehrlichen Auseinandersetzung mit dem Thema ist Ihr Versuch des "Gegeneinander Ausspielens" in meinen Augen widerlich. Dieses "gegenseitig ausspielen" würgt schon immer alle Diskussionen ab und geht immer auf Kosten des Schwachen - wie die Geschichte zeigt.
Sie setzen "Emanzipation" mit "Fortschritt" gleich - wie kommen Sie dazu ?!?
Wieso nehmen Sie an, daß "Rache" zwanghaft etwas mittelalterliches ist (wie bereits schon Vorredner) ?
Sie dürfen sich nicht von Wissenschaft und Technik blenden lassen ! - unsere menschliche Seele und unser Ego sind immer noch mitten im Neandertal - ein paar Jahrzehnte Technik und allgemeiner materieller Fortschritt und "Eliten-Kultur für scheinbar alle" ändert nicht, was seit hunderten von Jahrtausenden in uns gewirkt hat.
Täuschen Sie sich nicht - der freie Wille des Einzelnen und die Aufklärung sind noch längst nicht mehrheitsfähig in diesem Deutschland und erst recht nicht in den archaiisch noch geprägteren Ländern des Südens.
die voellig nachvollziehbare Rachsucht der Frau, sondern die mangelnde Einsicht des Taeters. Dann muss er eben spueren, und die Publicity des Falles wird so manchen anderen geistig minderbemittelten etwas zu denken geben.
Warum sollte sie nicht auf ihr Recht bestehen? Sie hat ja nichts zu verlieren. Die Vorstellung, der Taeter lacht sich ins Faeustchen waere eine lebenslange Folter. Fuer mich jedenfalls. Kastration waere auch nicht schlecht.
Paging