Sechs Jahre lang soll ein Vater seinen Sohn missbraucht und Fotos davon im Internet veröffentlicht haben. Mit Hilfe der kanadischen Kollegen und einer ehemaligen Lehrerin des Opfers kam die Polizei dem Mann auf die Schliche.
Nach der bisher einmaligen Befragung hunderter Lehrer an Grundschulen in Sachsen-Anhalt hat die Polizei einen mutmaßlichen Kinderschänder gefasst. Die außergewöhnliche Fahndungsmethode war vom Kultusministerium erstmals genehmigt worden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Halle. Er bestätigte damit einen Bericht des Radiosenders MDR Info.
Die kanadische Polizei entdeckte die pornografischen Bilder im Internet. (© Foto: dpa)
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Der 37 Jahre alte Mann aus Günthersdorf (Saalekreis) soll seinen Sohn mindestens sechs Jahre missbraucht und Fotos davon im Internet veröffentlicht haben. Eine Lehrerin erkannte den ehemaligen Schüler auf einem Bild.
Die Polizei nahm den Vater am Donnerstag in Leipzig fest. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen. Angesichts der Beweise soll er die Taten eingeräumt haben.
Das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt hatte mit richterlicher Genehmigung Anfang April einen Brief mit einem Bild des Jungen an rund 600 Schulen geschickt und bat die Lehrer um Mithilfe.
"Werden sicher wieder Amtshilfe leisten"
"Eine Anfrage auf Amtshilfe dieses Umfangs ist bisher einzigartig und wurde erstmals von uns geleistet", sagte am Sonntag eine Sprecherin des Kultusministeriums. "Der Erfolg gibt dem Vorgehen Recht. Wir würden in einem gleich gelagerten Fall sicher wieder Amtshilfe leisten."
Nach dpa-Informationen zeigt das aus dem Jahr 2003 stammende Foto, das den Pädagogen gezeigt wurde, ein etwa neun Jahre altes Kind. Es gehörte zu einer Serie kinderpornografischer Bilder, die die kanadische Polizei Ende 2007 im Internet entdeckt hatte. Die Lehrerin erkannte den Jungen und nannte den Vater als Erziehungsberechtigten.
Diesen identifizierten die Ermittler schließlich als den mutmaßlichen Kinderschänder, weil das Material auch den Täter zeigte. Dessen Gesicht war nach Informationen der Mitteldeutsche Zeitung in Halle unkenntlich gemacht worden, habe jedoch rekonstruiert werden können.
Erste Kenntnisse von dem Missbrauch erhielten deutsche Behörden von ihren kanadischen Kollegen Anfang des Jahres. Der Tatort konnte unter anderem deshalb eingegrenzt werden, weil auf den Aufnahmen eine Flasche Himbeerbrause einer deutschen Marke zu sehen war. Das Produkt wird fast ausschließlich in Ostdeutschland vertrieben.
Buch abgebildet, das nur in Ostdeutschland verwendet wird
Auch ein in den Aufnahmen entdecktes Schulbuch wird dem Zeitungsbericht zufolge ausschließlich in Ostdeutschland benutzt. Schließlich konzentrierte sich die Suche auf Sachsen-Anhalt, Nordthüringen, Sachsen und Brandenburg. Etwa zehn Tage nachdem die Lehrer vom LKA um Unterstützung gebeten worden waren, wurde der Mann festgenommen.
"Durch die beispiellose Zusammenarbeit von Bundeskriminalamt, Landeskriminalamt, Polizei und Kultusministerium ist es gelungen, einen andauernden sexuellen Missbrauch nach sechs Jahren zu beenden", sagte Oberstaatsanwalt Peter Vogt.
Der Junge lebte bei seinem arbeitslosen Vater. Die Mutter soll sich nicht um ihn gekümmert haben. Der Mann soll bis 2007 als Trainer einer Fußballmannschaft im Kinderbereich und als Schwimmtrainer von Sieben- bis Neunjährigen gearbeitet haben, berichtet die in Halle erscheinende Mitteldeutsche Zeitung in ihrer Montagsausgabe. Die Staatsanwaltschaft wollte keine Angaben dazu machen, wo sich der heute 14 Jahre alte Junge aufhält.
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(dpa/dmo)
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