Wegen Wartungsmängeln ist das Chaos in der Hauptstadt perfekt: Die S-Bahn in Berlin ist derzeit weitgehend stillgelegt. Das gesamte Management trat zurück.
Die Hauptstadt lahmt. Ausgerechnet während der beiden international beachteten Modeereignisse - der Fashion Week und der Streetwear-Messe Bread and Butter - macht Berlin seinem Ruf als chaotische Riesenbaustelle mal wieder alle Ehre. Schuld am Chaos trägt diesmal die S-Bahn.
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Derzeit müssen die Berliner lange auf ihre S-Bahn warten. (© Foto: dpa)
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Normalerweise befördert sie 1,3 Millionen Fahrgäste pro Tag. Seit Montagabend aber sind Hunderte Wagen der Bahn-Tochter durch das Eisenbahn-Bundesamt stillgelegt worden, weil die Räder der Züge nicht nach 1,2 Millionen Kilometern ausgetauscht worden seien.
Dringend notwendiger Wechsel
Dies sei von der S-Bahn versprochen worden und dringend notwendig, sagte ein Sprecher des Amtes. Wann alle Linien wieder regulär fahren, ist offen. Einige Linien, etwa am S-Bahn-Ring und zum Flughafen Schönefeld, fallen komplett aus. Weitere Linien verkehren alle 20 Minuten statt wie gewohnt alle drei Minuten; auf den Bahnsteigen war es dementsprechend voll.
Den Berlinern kommt jetzt das Improvisationstalent zugute, das sie sich als Bewohner der lange Zeit größten Baustelle Deutschlands angeeignet haben. "Viele fahren Fahrrad", erzählt ein Student; für weite Strecken wie an die entlegene Freie Universität käme dies aber nicht in Frage, da versuche man es eben mit Bus und U-Bahn.
Alles außer S-Bahn
Das macht sich bei der Berliner Verkehrsgesellschaft bemerkbar, die sich um Tram-, U-Bahnen und Busse kümmert. "Unsere Fahrzeuge sind deutlich voller als sonst. Zur Not können wir kurzfristig noch mehr einsetzen", sagte Sprecherin Petra Reetz. Der Aufsichtsrat der S-Bahn zog bereits personelle Konsequenzen: Am Donnerstag teilte er mit, dass alle vier Geschäftsführer der S-Bahn ihren Sessel räumen müssen.
Der Aufsichtsrat zog mit dieser Entscheidung die Konsequenzen aus den Mängeln bei der Wartung der Züge. Zum neuen Chef der S-Bahn wurde Peter Buchner berufen. Er war bisher Bereichsleiter Nordost der Bahntochter DB Regio. Buchner löst den bisherigen Sprecher der Geschäftsführung Tobias Heinemann ab, wie Deutsche-Bahn-Vorstand Ulrich Homburg in Berlin sagte. Das bisherige Management soll neue Aufgaben bei der Bahn übernehmen.
Ausfälle und Verspätungen
Die S-Bahn in der Bundeshauptstadt kann ihren Fahrgästen seit Montagabend keinen normalen Verkehr mehr bieten. Das Eisenbahn-Bundesamt hatte zuvor 190 Viertelzüge mit jeweils zwei Wagen aus dem Betrieb genommen, weil die S-Bahn Fristen für die technische Überprüfung nicht eingehalten hatte. Folge der Anordnung des Bundesamts sind seitdem Ausfälle und Verspätungen im Berliner S-Bahn-Verkehr.
Die Aufsichtsbehörde war nach einem Unfall in Berlin-Kaulsdorf eingeschritten. Am 1. Mai war dort ein S-Bahn-Zug der modernsten Baureihe 481 nach dem Bruch einer Radscheibe entgleist. Die S-Bahn hatte sich deshalb gegenüber dem Eisenbahn-Bundesamt verpflichtet, die Räder dieser Wagen wöchentlich zu kontrollieren, dies aber in vielen Fällen nicht getan. Der Fahrzeugpark der S-Bahn besteht zum größten Teil aus Wagen dieser Baureihe.
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(SZ vom 3.7.2009/dpa/vw/dmo)
Bundespräsident Gauck in Jerusalem
Wenn es um Profit geht, sind Personennahverkehr und Regionalverkehr nicht relevant, weil zu kostenintensiv. Da kann man besonders viel an der Wartung sparen.
Das Management der DB AG wollte das Unternehmen doch so schnell wie möglich an die Börse bringen. Da kann man sich doch nicht mit Peanuts, wie eine Überprüfung der Räder aufhalten. Es sind doch nur ein paar Menschen, die man das gefährdet. Na und?
Abwarten. Neue Besen kehren gut, fragt sich nur wie lange.
... wenn es vor unserer haustüre in münchen nicht anders ist? inzwischen gibt es so gut wie täglich pannen: stellwerksstörungen oder verspätungen aus anderen obskuren gründen. wen' wunderts? gehört die s-bahn doch in den aufgabenbereich der deutschen bahn, die doch ohnehin seit jahren den regional-verkehr massiv abbaut.
Ich bin angesichts der politischen Verstrickungen der Bahn fasziniert, daß das Eisenbahnbundesamt die Benutzung der Wagen untersagt.
An hubi.berlin: Anwort, Dein Bericht ist gut. Wenn die Bundesbahn als Vertragspartner,ihre Verpflichtungen,nicht einhaellt,dann kann die Stadt Berlin,wohl den Vertrag kuendigen. Aber so etwas wird es nicht geben,denn die Politik wird sich nicht gegenseitig bekriegen. Auch da man sieht,das die Versager von der S-Bahn neue Posten im DB Konzern bekommen,sie hatten ihren Auftrag erfuellt,die DB mit Gewinnen zu ueberschuetten auf Kosten der S-Bahn. Frueher gab es den kompetenten Bahner,mit sehr viel Fachwissen und Kompetenz,den hat man durch den selben Typus ersetzt wie bei den Banken,den willigen Manager der nach den Willen der Chefs tanzt und sonnst nichts. Das ist leider heute bei der Bahn so ueblich,leider nicht nur da. Hier muessten sogar Leute aus dem Senat die Konsequenzen tragen,ich kann mir nicht vorstellen,das es hier keine berechtigten Beschwerden gab,sie landeten besimmt im Reiswolf,merke stoere nicht den Frieden in den Bueros.
Eine rigide Sparpolitik der Geschäftsführung nimmt gerade ihre süsseste Rache an den Machern selbst!
In Berlin sieht man nur noch selten ein Aufsichtspersonal (abgebaut!), Züge haben oft defekte Türen, im Winter frieren sie ganz zu (geschlossene Werkstätten!)...
Dem Senat sind die Hände mit dem mit der Bahn geschlossenen bis 2017 laufenden Vertrag gebunden.
Und als Fahrgast ärgert man sich echt - um so mehr, da die S-Bahn ihrer "Mutter" DB satte Gewinne überweist und deren Bilanzen beschönigt. Jetzt wissen wir alle, womit es endet...
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