Weil das Feuerlöschsystem auf dem Atom-U-Boot Nerpa ungeplant angesprungen ist, kamen 20 Menschen ums Leben - offenbar durch eine Gasvergiftung.

Beim schwersten Unglück der russischen Marine seit dem Untergang der Kursk sind am Wochenende im Japanischen Meer mindestens 20 Menschen getötet und 21 verletzt worden. Auslöser der Tragödie an Bord eines Atom-U-Boots war nach offiziellen Angaben das Feuerlöschsystem. Es sei während der Testfahrt ungeplant angesprungen und habe Freongas freigesetzt. Die Opfer starben an Gasvergiftung, wie der Leiter der zuständigen Ermittlungsbehörde, Sergej Markin, erklärte.

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Archivaufnahme eines russischen U-Bootes bei einer Militärparade in Wladiwostok im Juli diesen Jahres. (© Foto: Reuters)

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Der Atomreaktor des U-Boots arbeite normal, die Strahlungswerte seien nicht erhöht, sagte Marine-Sprecher Igor Digalo. Seinen Angaben zufolge waren zum Zeitpunkt des Unglücks am Samstag 208 Menschen an Bord, darunter 81 Matrosen.

Bei den Toten handelt es sich laut Markin um 17 Zivilpersonen und drei Matrosen. Die Verletzten wurden von einem begleitenden Zerstörer an Land gebracht und in ein Krankenhaus eingeliefert. Das U-Boot wurde laut Digalo nicht beschädigt und erreichte aus eigener Kraft seinen Heimatstützpunkt. Der staatliche Fernsehsender Rossija berichtete, das Schiff sei zum Stützpunkt Bolschoi Kamen bei Wladiwostok gefahren.

Das Feuerlöschsystem sei ungenehmigt aktiviert worden, erklärte Digalo. Betroffen waren die beiden Sektionen in der Nähe des Schiffsbugs. Die Ermittlungen konzentrierten sich laut Markin darauf, warum das System ausgelöst wurde. Er deutete an, dass es möglicherweise Verstöße gegen Bestimmungen gegeben habe. Beobachter hielten daher menschliches Versagen als Unglücksursache nicht für ausgeschlossen.

Der Brandschutz bei U-Booten ist sehr kompliziert und aufwändig. Bricht ein Feuer aus, wird der betroffenen Kammer Sauerstoff entzogen oder der Brand mit Hilfe eines Gases erstickt - für die Menschen, die sich dann noch in der Kammer aufhalten, wird es lebensgefährlich.

Medwedjew fordert umfassende Aufklärung

Den genauen Ort des Unglücks und den Namen des U-Boots wollte Marinesprecher Digalo nicht nennen. Es habe noch in diesem Jahr in Dienst gestellt werden sollen. Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur RIA-Nowosti wurde das Schiff in der Amur-Werft gebaut und trägt den Namen Nerpa . Es gehört zur Akula-II-Klasse von Kampf-U-Booten, mit seinem Bau wurde 1991 begonnen. Aus Geldmangel sei der Bau aber über mehrere Jahre unterbrochen worden. Der erste Tauchgang habe in der vergangenen Woche stattgefunden.

Präsident Dmitri Medwedew wurde nach Angaben des Kremls sofort über das Unglück informiert. Er ordnete eine gründliche Untersuchung an. Der Erste Stellvertretende Verteidigungsminister Alexander Kolmakow und Marine-Oberkommandeur Admiral Wladimir Wisozky eilten an die Pazifikküste.

Der Unfall ruft Erinnerungen an die Katastrophe der Kursk am 12. August 2000 wach: Nach der Explosion eines Torpedos war das Atom-U-Boot in der Barentssee gesunken, alle 118 Seeleute an Bord starben. Lange wurde die Öffentlichkeit über das Ausmaß der Katastrophe im Dunkeln gelassen. Präsident Wladimir Putin setzte zunächst seine Ferien fort, zu spät ließen die russische Behörden Hilfe aus dem Ausland zu.

Das Verhalten der Behörden sorgte damals in Russland und im Ausland für scharfe Kritik. Bei einem erneuten Unglück fünf Jahre später konnte die Besatzung eines in einem Fischernetz verhedderten russischen Tauchboots dank rascher britischer Hilfe gerettet werden.

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(AFP/AP/ssc/segi)