Ein Brand in einem Nachtklub im russischen Perm hat mindestens 110 Tote gefordert. Auslöser der Katastrophe sollen explodierende Feuerwerkskörper gewesen sein.
Bei einer der schwersten Brandkatastrophen in Russland der vergangenen Jahre sind in einem Nachtklub in der Stadt Perm östlich von Moskau mindestens 110 Menschen ums Leben gekommen. Auslöser des Unglücks am Freitagabend seien Feuerwerkskörper gewesen, teilte das Katastrophenschutzministerium mit. 134 Personen seien verletzt worden, bei 21 Menschen sei der Zustand kritisch. Der Gouverneur der Provinz Perm schloss einen Anschlag als Ursache für den Brand aus.
Das "Lame Horse" im russischen Perm, östlich von Moskau, brannte in der Nacht zum Samstag vollständig aus. (© Foto: Reuters)
Anzeige
Wie die Behörden weiter mitteilten, verbrannten viele der Opfer, nachdem sich das Feuer rasend schnell ausgebreitet hatte. Andere Gäste starben an Rauchvergiftung oder wurden bei der ausbrechenden Panik zu Tode getrampelt.
An Getränken nippend Richtung Ausgang
Auf einer Videoaufzeichnung war zunächst eine vergnügte Menge zu sehen, die das achtjährige Bestehen des klubs feierte. Plötzlich wies der Moderator der Veranstaltung die Gäste dann auf das Feuer hin und rief zum Verlassen des Festsaals auf.
Die mit Reisig behängte Decke stand bereits in Flammen, während die Gäste zunächst noch langsam auf einen Ausgang zusteuerten - einige von ihnen noch an ihren Getränken nippend. Nur Momente später brach jedoch Panik aus, als dicker Qualm den Raum füllte und die Menschen versuchten, durch die schmalen Türen zu entkommen.
Nach Aussage eines Augenzeugen waren Dutzende verkohlte Leichen auf dem schneebedeckten Fußweg vor dem Nachtklub aufgereiht. Rettungskräfte transportierten die Verletzten ab - unter ihnen auch Frauen in Abendgarderobe, die blutüberströmt auf den Tragen lagen. Nach Berichten russischer Fernsehsender wurden einige der Verletzten in Krankenhäuser nach Moskau geflogen.
Der Clubbesitzer soll inzwischen festgenommen worden sein. Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin beorderte mehrere Kabinettsmitglieder in die Stadt, um die Rettungsmaßnahmen zu koordinieren. Präsident Dmitrij Medwedjew kündigte die Einsetzung einer Untersuchungskommission an. Er forderte eine harte Bestrafung und sagte: "Das mag kein vorsätzliches Tötungsdelikt gewesen sein, aber die mörderischen Konsequenzen sind dieselben." Die Betreiber hätten keinen Verstand gehabt und seien gegenüber den Geschehnissen gleichgültig geblieben. Die Behörden hätten die Besitzer wiederholt gewarnt, dass ihr Lokal nicht über ausreichende Brandschutzmaßnahmen verfüge.
Mehr als 200 Menschen befanden sich zum Zeitpunkt des Brandes in dem Nachtklub.
Zunächst war in Medienberichten von einer Explosion die Rede gewesen, was Befürchtungen weckte, auf den Klub in der Millionenmetropole könnte ein Anschlag verübt worden sein. "Wir sprechen hier nicht von einem terroristischen Anschlag", betonte indes Oleg Tschirkunow, der Gouverneur der Provinz Perm.
Vor der Leichenhalle der Stadt versammelten sich am Sonntag bei klirrender Kälte etwa drei Dutzend Menschen zum Gedenken. Eine andere Gruppe legte Blumen vor dem in der Nacht zum Samstag ausgebrannten Nachtklub nieder.
Die russische Generalstaatsanwaltschaft leitete unterdessen ein Ermittlungsverfahren ein, wie ihr Sprecher Wladimir Markin der sagte. Präsident Dmitrij Medwedjew orderte eine harte Bestrafung der Klub-Besitzer, von denen einer festgenommen wurde.
Vor einer Woche waren bei einem Bombenattentat auf einen Schnellzug zwischen Moskau und St. Petersburg 26 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden. Tschetschenische Islamisten hatten sich zu dem Anschlag bekannt.
Perm ist mit 1,2 Millionen Einwohnern die sechstgrößte Stadt Russlands und liegt am Ural-Gebirge.
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
- Thema
- Brandkatastrophe RSS
- Explosion in Dagestan Zweites Attentat auf einen Zug 30.11.2009
- Nach Zugunglück in Russland Die Angst vor dem Terror 29.11.2009
- Umstrittenes Urteil Der Raser mit dem roten Nummernschild 19.11.2009
- Russland Kannibalen verkaufen Menschenfleisch an Döner-Bude 15.11.2009
- Russland: Feuer in Nachtklub 11.000 Euro für die Hinterbliebenen 09.12.2009
- Russland: Feuer im Nachtklub Ein Land trauert 07.12.2009
- Brandkatastrophe in Calw Heimbewohner gesteht Brandstiftung 21.08.2009
(Reuters/dpa/jobr/jab/gba)
Bundespräsident Gauck in Israel