Rumänien Loyal Royal

Michael I. bestieg schon mit fünf Jahren zum ersten Mal den rumänischen Thron, 1947 wurde er zum Abdanken gezwungen.

(Foto: Cristel Bogdan/Reuters)

Eigener Palast, eigenes Personal, gutes Gehalt: Auf der Suche nach einer moralischen Instanz wertet Rumänien sein Königshaus fast 70 Jahre nach der erzwungenen Abdankung von Michael I. wieder auf.

Von Florian Hassel

Es war eine schöne Feier des rumänischen Königshauses auf Schloss Peles, 150 Kilometer nördlich von Bukarest. 5000 geladene Gäste flanierten im Schlosspark, bevor sich die königliche Familie auf dem mit rotem Samt geschmückten Balkon zeigte. "Lang lebe der König! Lang lebe die königliche Familie!", rief das Volk. Dann malten drei Flugzeuge der rumänischen Luftwaffe mit farbigem Rauch das Rot, Gelb und Blau der Nationalfahne in den Himmel über dem Schloss. Man schrieb den 10. Mai 2016.

Der 10. Mai, das ist das Kerndatum der rumänischen Royals. 150 Jahre zuvor hatte erstmals ein Mitglied der Ihren, des deutschstämmigen Adelshauses der Hohenzollern-Sigmaringer, den rumänischen Thron bestiegen. Am 10. Mai 2016 feierten deren Nachfahren nicht nur dieses Jubiläum, sondern verhandelten auch mit der Regierung in Bukarest über die Rückkehr auf die große Bühne. Die steht nun bevor: Zwar bleibt Rumänien eine Republik. Doch einem neuen Gesetzentwurf zufolge darf das Königshaus sein Land bald wieder offiziell vertreten - mit Palast, Gehalt und mindestens 20 Bediensteten. Die Annahme des Gesetzes gilt als Formsache - schließlich entwarfen es nicht nur Königshaus, Regierung und Präsident mit, sondern auch die im Parlament bestimmenden Parteien.

Die Frage ist: Wer wäre der geeignetste Thronfolger des alten Königs?

Der Ausruf "Lang lebe der König!" passt in Rumänien freilich ebenso gut wie in England, wo Elizabeth II. und ihre Familie Rekorde an Langlebigkeit und Thronzeit brechen. Auch ihr rumänischer Vetter Michael zeigte trotz seiner 94 Jahre bis jetzt öffentlich ebenso wenig Ermüdungserscheinungen wie seine 92 Jahre alte Gattin Anna (Hochzeit 1948). Dass Michael auf dem Thron saß, ist schon eine Weile her: Das erste Mal wurde er mit fünf Jahren 1927 rumänischer König, ein zweites Mal, nach Wirren sowohl in der königlichen Familie wie in der Geschichte Rumäniens, 1940. Echte Macht hatte Michael I. als König freilich nicht - die hatten damals der von Hitler gestützte Diktator Ion Antonescu und später die Statthalter des sowjetischen Diktators Stalin. Die zwangen ihn Ende 1947 abzudanken.

Danach wohnte der König außer Dienst in der Schweiz und England, arbeitete als Börsenmakler und Testpilot - blieb aber vielen Rumänen als Repräsentant einer angeblich besseren Vergangenheit im Gedächtnis. Als Michael 1992 zum ersten Mal wieder seine Heimat besuchte, säumten Hunderttausende Rumänen die Straßen. Um die Jahrtausendwende kehrte er nach Rumänien zurück und bezog den Elisabeth-Palast in Bukarest - nicht als König, sondern als ehemaliges Staatsoberhaupt mit Anspruch auf eine Residenz. Michael verzichtete auf eine politische Rolle, warb aber im Ausland intensiv für Rumäniens Aufnahme in Nato und EU.

Den erworbenen Respekt festigte er mit würdevollem Auftreten; viele Rumänen setzten ihn in Umfragen zeitweise auf Platz 1 der vertrauenswürdigen Persönlichkeiten. Das Königshaus sei ein "Monument von Moralität, Beständigkeit und Verkörperung der Nation und ihrer Werte", so steht es auch im neuen Gesetzentwurf. Der Palast soll Rumänien künftig mit vertreten, formell aber dem Parlament untergeordnet sein.

Alles wäre also gut bei Rumäniens Royals, wäre da nicht die leidige Nachfolgefrage. Königstochter Irina wurde 2014 in ihrem Wohnort in den USA als Mitorganisatorin eines illegalen Glücksspielringes mit Hahnenkämpfen erwischt. Aber Michael I. hat ja noch vier weitere Töchter. Die älteste, Margarita, ist die eigentliche Thronfolgerin. Seit Michael im Februar wegen Leukämie und Krebs operiert wurde, vertritt sie das Königshaus. Aber mit 66 Jahren ist Margarita auch nicht mehr die Jüngste - und zudem kinderlos. Vor ein paar Jahren noch schienen Nachfolge und Generationenwechsel gesichert: Michael ernannte seinen ältesten Enkel Nicholas zum "Prinzen von Rumänien", der mit glänzendem Aussehen und sportlichen Fähigkeiten Heiratsfantasien und Klatschspalten nährte. Doch als Nicholas im April 2015 für wohltätige Zwecke gut 1000 Kilometer durch Rumänien radelte, missfiel dem ehemaligen König dies angeblich gründlich: Bilder eines schwitzenden, unrasierten Prinzen seien eines Royals unwürdig. Ein paar Wochen später zog der heute 30 Jahre alte Nicholas aus dem Palast aus. Er habe es nicht mehr ausgehalten, dass man sich nicht einmal eine Pizza in den Palast bringen lassen könne, sagte er den Bukarester Zeitungen. Ein paar Wochen später war er, per Erlass des Königs, kein Prinz und auch kein Thronfolger mehr.