Rücktritt von Papst Benedikt XVI. Eine logische Schlussfolgerung

Offenbar sei es aber kein schlechter Moment, sagt Lombardi, denn der Papst habe angekündigt, wenn es für die Kirche gerade besonders schwierig stehe, werde er nicht gehen. Eine ganz persönliche Entscheidung sei das gewesen, versichert Lombardi, "ein Zeugnis großer geistiger Freiheit". Und noch etwas sagt der Sprecher des Vatikans: Offenbar sei diese Entscheidung auch die Schlussfolgerung, die Benedikt aus der langen Leidenszeit seines Vorgängers Johannes Paul II. gezogen habe.

Bis zum 28. Februar um 20 Uhr, wenn das Pontifikat von Benedikt XVI. nach sieben Jahren endet, versichert Lombardi, werde der Heilige Vater ganz normal sein Programm absolvieren. Ob es so etwas wie eine Abschiedsgeste geben wird, darüber kann er nichts sagen. Das kennzeichnet auch die Stimmung an diesem Montag. Das Sensationelle dieser päpstlichen Entscheidung hat kein Pendant an sichtbaren, greifbaren Reaktionen oder geplanten Gesten und Zeremonien. Niemand ist vorbereitet auf so eine Situation. In den Vatikanischen Büros hält sich niemand auf an diesem Tag; es ist Feiertag im Kirchenstaat zum Gedenken an die Lateranverträge von 1929. Keiner geht ans Telefon.

So unglaublich die Nachricht, so wenig sichtbar und greifbar ist in Rom in den Stunden danach die Reaktion darauf. Auf dem Petersplatz geht es zu wie an einem ganz gewöhnlichen Tag. Höchstens ein paar hundert Leute verteilen sich auf dem riesigen Rund, der Himmel ist grau, das Wetter ist ungemütlich. Es hat geschüttet an diesem Morgen in Rom, und es ist keine Touristensaison. Es hat den Anschein, als wüssten die Römer, wenn sie überhaupt gehört haben von dieser Nachricht, nicht so genau, wie sie darauf reagieren sollen.

Die Menschen strömen nicht in Scharen herbei, der Papst ist ja auch nicht gestorben, und auf einen neuen warten kann man jetzt auch noch nicht. So schnell wie Matthew O'Dioluin jedenfalls scheint sich kaum jemand zum Kommen entschlossen zu haben. Der junge Mann, den seine roten Haare gleich als Iren zu erkennen geben, ist herbeigeeilt, weil er dem Papst seine Unterstützung ausdrücken will "für seine mutige Entscheidung". Der Theologiestudent glaubt, dass sie gut ist für die Kirche und für den Glauben. Wie sich zeigt, haben aber die meisten Besucher hier noch gar nicht gehört, was passiert ist.

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So wie die fünf Chilenen, die gerade aus der Basilika kommen. Ratlos schauen sie erst, "ein Zeichen des Himmels vielleicht", sagt schließlich der Älteste in der Gruppe. Völlig verblüfft ist auch ein deutsches Paar, das gerade vom Campo Santo Teutonico kommt. Sie stammen aus München, und der Mann glaubt erst an einen Scherz. Seine Frau erzählt, sie sei gefirmt worden von Kardinal Ratzinger, und nach kurzem Nachdenken sagt sie: "Ich habe für die Entscheidung Respekt und Verständnis."

Wann das Konklave für die Wahl des Nachfolgers stattfinden wird? Auch das weiß der Vatikansprecher an diesem aufregenden Montag noch nicht, aber "an Ostern gibt es einen neuen Papst", so sagt er. Und Joseph Ratzinger, der erst nach Castel Gandolfo und dann in einen kleinen Konvent auf dem Vatikangelände ziehen wird, werde "sicher das Taktgefühl haben, seinem Nachfolger nicht in die Quere zu kommen".