Rotherham Jahrzehntelange Haftstrafen für Kindesmissbrauch

  • Im Fall massenhaften Kindesmissbrauchs in Rotherham hat ein Gericht sechs Beschuldigte zu Haftstrafen zwischen zehn und 35 Jahren verurteilt.
  • Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sie zwischen 1997 und 2013 etwa 1400 Kinder sexuell missbraucht haben.

Im Prozess um massenhaften Kindesmissbrauch im nordenglischen Rotherham sind sechs Männer und Frauen zu teils jahrzehntelangen Gefängnisstrafen verurteilt worden. Der 40 Jahre alte Rädelsführer erhielt von einer Richterin in Sheffield eine Strafe von 35 Jahren Haft. Seine Brüder bekamen Haftstrafen von 26 und 19 Jahren. Ein Onkel der drei wurde zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, eine weibliche Komplizin zu 13 Jahren. Eine zweite Frau bekam eine Haftstrafe von 18 Monaten auf Bewährung.

Die Gruppe habe Leid von "unvorstellbarem Ausmaß" über ihre Opfer gebracht, sagte die Richterin. Die Geschworenen hatten die Brüder zwei Tage zuvor zum Beispiel der Vergewaltigung und Misshandlung mehrerer Mädchen, teils über Jahre hinweg, für schuldig befunden. Die Frauen wurden unter anderem wegen Freiheitsberaubung verurteilt.

Zwischen 1997 und 2013 etwa 1400 Kinder sexuell missbraucht

Es ist das erste Gerichtsurteil in dem Skandal um die Taten in der nordenglischen Stadt, der im Sommer 2014 international Schlagzeilen gemacht hatte. Einem damals veröffentlichten, unabhängigen Untersuchungsbericht zufolge wurden in Rotherham zwischen 1997 und 2013 etwa 1400 Kinder bandenmäßig sexuell missbraucht. Die Opfer stammten oft aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Die Täter machten sie demnach mit Alkohol und Geschenken gefügig oder zwangen sie mit Gewalt zum Sex. Den Behörden und der Polizei wurde vorgeworfen, trotz mehrerer Anzeigen wegen sexuellen Missbrauchs nicht eingegriffen zu haben.

Rotherham, die schweigende Stadt

In dem nordenglischen Ort wurden 1400 Mädchen von Banden missbraucht und versklavt. Nun stehen acht der Täter vor Gericht. Wie konnte es zu dem monströsen Verbrechen kommen? Von Christian Zaschke mehr ...