Roadkill-Küche Dachs statt Lachs

Igel, Katze oder Fledermaus - was bei dem Biologen Arthur Boyt auf den Tisch kommt, löst bei vielen nur Ekel aus.

Von Interview: Marten Rolff

Seit Arthur Boyt mit 13 Jahren auf einer Radtour einen toten Fasan fand und von seiner Mutter zubereiten ließ, isst er nur noch so genannten Roadkill - totgefahrene Tiere, die er auf oder an der Straße findet. Nun arbeitet der 66-jährige Biologe und pensionierte Verwaltungsangestellte aus Cornwall an einem Roadkill-Kochbuch, das ihn in England schon jetzt zum Medienstar gemacht hat.

SZ: Mister Boyt, was haben Sie heute zu Mittag gegessen? Arthur Boyt: In den vergangenen Tagen gab es nur Gemüseeintopf. Meine Frau ist Vegetarierin und kein großer Fan von meinen Essgewohnheiten. Aber als sie kürzlich für drei Wochen weg war, habe ich wieder viel Fleisch mitgebracht. Im Garten liegen noch vier tote Dachse, die ich zubereiten will.

SZ: Im Garten? Boyt: Ja, gerade ist es kalt genug, die bleiben frisch.

SZ: Und in Cornwall findet man einfach so tote Dachse an der Straße? Boyt: Sehr viele sogar. Leider. Ich hatte sogar noch zwei mehr gefunden, aber weil es dunkel war, konnte ich sie nicht genau ansehen und musste sie liegen lassen.

SZ: Was genau reizt Sie an Dachssteak von der Straße? Boyt: Ich stopfe tote Tiere ja auch aus, warum sollte ich ihr Fleisch dann wegwerfen? Dachsfleisch ist tiefrot und delikat. Es hat intensiven Wildgeschmack mit einer Note Moschus. Und es ist viel weniger penetrant als etwa Fuchsfleisch. Der Fuchs hat ja ein gewöhnungsbedürftiges Drüsensekret, dessen Geruch leicht an einen verschwitzten Rugbyspieler erinnert. Nicht jedermanns Sache, aber interessant. Hundefleisch wiederum ist eher mild, ein bisschen wie Lamm.

SZ: Sind Sie beleidigt, wenn wir jetzt nicht nach Rezepten fragen? Boyt: Nein, gar nicht. Die meisten meiner Bekannten ekeln sich ja auch. Aber einige sind neugierig, die kommen sogar extra zu mir, um etwas Neues zu kosten.

SZ: Keine Angst, krank zu werden? Boyt: Ich bin in 50 Jahren nicht krank geworden. Allerdings habe ich einige forensische Fähigkeiten entwickelt. Das Gras unter dem Kadaver darf zum Beispiel nie gelb sein. Ansonsten kann man Fleisch erstaunlich lange aufbewahren. Man sollte es nur gut durchgaren.

SZ: Wieso schreiben Sie nun ein Buch? Boyt: Eine Kolumnistin der Times wurde über Freunde auf meine Gewohnheiten aufmerksam und hat bei mir gegessen. Das Medieninteresse danach war so gewaltig, da habe ich gedacht: Schreibe ich meine Erfahrungen eben auf. Nun will ein Verlag sogar, dass ich für ihn durch die USA toure, mal sehen.

SZ: Werden Sie denn gar nicht von Tierschützern angefeindet? Boyt: Seit ich im Fernsehen war, bekomme ich nachts anonyme Anrufe. Aber was ist schlimm daran, Tiere zu essen, die ohnehin tot sind? Einstellungssache! Jede Kultur lehnt bestimmte Fleischsorten ab, meist aus religiösen Gründen. Ich lehne Massentierhaltung und Brutalität ab. In meinem Fall finde ich: Was soll die Aufregung? Es ist doch nur Fleisch.