Rheinland-Pfalz Polizei besuchte 15-jährigen Messerstecher kurz vor der Tat

  • Ein Jugendlicher soll in einem Geschäft in Rheinland-Pfalz eine 15-Jährige erstochen haben.
  • Die beiden hatten sich im Dezember nach einer mehrmonatigen Beziehung getrennt. Weil der Junge nicht von seiner Ex-Freundin abließ und sie offenbar auch bedrohte, stellten die Eltern des Mädchens Mitte Dezember Strafanzeige.
  • Der Tatverdächtige stammt aus Afghanistan. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft lebt er seit April 2016 als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling in Deutschland.

In Kandel in Rheinland-Pfalz soll ein 15-Jähriger ein gleichaltriges Mädchen erstochen haben. Die Tat ereignete sich am Mittwochnachmittag in einem gut besuchten Drogeriemarkt. Die Schülerin starb kurze Zeit später im Krankenhaus, der mutmaßliche Täter wurde von Mitarbeitern des Drogeriemarkts und Passanten festgehalten und dann von der Polizei abgeführt.

Nach Angaben der Polizei hatten die Teenager eine mehrmonatige Beziehung geführt, ehe es Anfang Dezember zur Trennung kam. Weil der Junge seine Ex-Freundin immer wieder kontaktierte und sie über soziale Netzwerke bedrohte, stellten die Eltern des Mädchens am 15. Dezember Strafanzeige. Die Polizei in Germersheim führte deshalb am 17. Dezember eine Gefährderansprache durch, dann leitete sie den Fall an die Polizeiinspektion Neustadt an der Weinstraße weiter, wo der Jugendliche in einer betreuten Jugendwohngruppe lebt. Weil er mehreren Vorladungen auf das Polizeirevier in Neustadt nicht nachkam, besuchten ihn Beamte am Morgen des 27. Dezember in der Wohngruppe, um ihm die Vorladung persönlich zu überreichen. Am Nachmittag kam es dann zu der Bluttat im Drogeriemarkt.

Der Staatsanwaltschaft zufolge begegneten sich der Tatverdächtige und das Opfer am Mittwoch zufällig auf der Straße. Der 15-Jährige sei seiner früheren Freundin dann in den Laden gefolgt, habe sich vor das Mädchen gestellt und es mit mehreren Messerstichen schwer verletzt.

Die Tatwaffe soll einer Augenzeugin zufolge ein "ganz normales Brotmesser" gewesen sein. Der Jugendliche habe das Mädchen in der Kosmetikabteilung attackiert, sagte die Zeugin der Deutschen Presse-Agentur. Sie habe das Mädchen dort am Boden liegen sehen, mehrere Jugendliche hätten versucht, die Verletzte wach zu halten.

Am Donnerstagvormittag wurde Haftbefehl wegen dringenden Verdachts des Totschlags gegen den Teenager erlassen. Mittlerweile sitzt er in Untersuchungshaft. Zu den Tatvorwürfen schweigt er.

Der Jugendliche lebt seit April 2016 als unbegeleiteter minderjähriger Flüchtling in Deutschland. Als aufnehmende Behörde nannte die Staatsanwaltschaft bei einer Pressekonferenz die Behörde in Frankfurt am Main. Im Mai 2016 zog der Junge demnach nach Rheinland-Pfalz, wo er bis September in einer Jugendhilfeeinrichtung im Kreis Germersheim lebte. Seitdem ist er in einer Jugendwohngruppe in Neustadt an der Weinstraße untergebracht. Im November erhielt er in einem anderen Fall eine Anzeige wegen Körperverletzung. Hintergrund war wohl eine Rangelei auf dem Schulhof. Nachdem er beleidigt worden war, soll er seinem Gegenüber mehrere Faustschläge verpasst haben.

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