Von Stefan Ulrich

Die Anti-Mafia-Kommission untersucht, wie aus hinterwäldlerischen Banditen eine der schlimmsten Verbrecherorganisationen der Welt wurde. Kritisiert wird dabei auch die Bundesrepublik.

Die Anti-Mafia-Kommission des italienischen Parlaments benutzt eine Metapher, um zu beschreiben, was vergangenen August in Duisburg geschehen ist. Wie ein "Geysir" habe der Mafiamord an sechs Italienern vor der Pizzeria "Da Bruno" gewirkt, heißt es am Anfang eines Untersuchungsberichts über die 'Ndrangheta, den die Kommission am Mittwoch in Rom vorstellte.

Die 'Ndrangheta: ein globaler Konzern mit Sparten und verstreuten Stützpunkten. (© SZ-Grafik)

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Dadurch sei allen Deutschen klar geworden, was unter der scheinbar ruhigen Oberfläche ihres Landes brodele: "Die giftige und äußerst gefährliche Brühe einer Kriminalität, die aus den entlegensten Gegenden Kalabriens kommt und sich überall im dunklen Untergrund der Globalisierung ausgebreitet hat."

Der Report will ergründen, wie aus hinterwäldlerischen Banditen eine der schlimmsten Verbrecherorganisationen der Welt wurde. Eine Erklärung: Die 'Ndrangheta blieb lange verkannt, in Italien wie im Ausland. Besonders die Bundesrepublik, wo die kalabrische Mafia seit den siebziger Jahren präsent ist, wird kritisiert.

Das Massaker von Duisburg zeige, "wie sehr die deutschen Behörden das Eindringen und Verwurzeln der 'Ndrangheta in ihrem Land, in Europa und der Welt unterschätzten". Seit langem hätten italienische Ermittler ihren Kollegen Hinweise gegeben und auch das Ristorante "Da Bruno" genannt. Die Deutschen aber hätten die Gefahr verdrängt und als rein italienisches Problem betrachtet. Das sei seit Duisburg vorbei.

Francesco Forgione, der aus Kalabrien stammende Präsident der Kommission, sagte der Süddeutschen Zeitung, italienische und deutsche Fahnder arbeiteten nun besser zusammen. So sei eine gemeinsame Einheit am Werk, und es würden intensiv Daten ausgetauscht.

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