Von Thomas Becker

400.000 Menschen kamen nach Berlin-Tempelhof um die besten Kunstflieger der Welt beim "Air Race" zu bewundern: Für tollkühne Piloten wie Klaus Schrodt eine besondere Herausforderung.

Der Flieger aus Berlin hat Verspätung. Als Klaus Schrodt später erklärt warum, weiß man gleich, wo man mit ihm dran ist. "Sorry, aber in meine Maschine ist der Blitz eingeschlagen." Er sagt das mit größtmöglicher Normalität, ohne kokettierende Coolness.

Air Race

Air Race: Die besten Piloten der Welt durchfliegen eine Rennstrecke am Himmel und führen dabei Flugmanöver vor. (© Foto: dpa)

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Eher so wie ein ICE-Schaffner verpasste Anschlusszüge beichtet. Blitzeinschlag im Flugzeug? Klaus Schrodt, der deutsche Kunstflieger, ist Heftigeres gewohnt.

Zum Beispiel das Red Bull Air Race.

Am Samstag findet das erste Rennen dieser Serie in Deutschland statt: in Schrodts Wahlheimat Berlin, auf und über der Südbahn des Flughafens Tempelhof.

Wo vor mehr als 60 Jahren amerikanische Rosinenbomber landeten, sorgt nun ein Österreicher für Spiele am Himmel über Berlin: Dietrich Mateschitz, der schwerreiche Gesellschafter des Energy-Drink-Herstellers Red Bull.

Den Mann als flugbegeistert zu bezeichnen, ist in etwa so, als wurde man von Ronaldinho sagen, er spiele recht gern Fußball. Mit dem "Hangar 7" hat er sich in Salzburg schon eine moderne Kathedrale der Sportfliegerei gebaut. Es soll Tage geben, an denen er zum Pilzesuchen schnell mal in die Steiermark jettet. Mit dem Air Race hat er sich einen Millionärstraum erfüllt: Die besten Piloten der Welt durchfliegen eine Rennstrecke am Himmel, einen mit aufblasbaren Stoffpylonen markierten Slalomkurs und führen dabei Kunstflugmanöver vor - gegen die Zeit. Offensichtlich können sich dafür viele Menschen begeistern. Nicht weniger als 300.000 Zuschauer werden zu dem Spektakel am Samstag erwartet.

Ramstein ist das Trauma der Kunstfliegerei

Los ging es vor drei Jahren, über dem Formel 1-Kurs von Zeltweg. Ein Jahr später dann das Rennen in Budapest: mitten in der Stadt, über der Donau, zwischen Ketten- und Margarethenbrücke. Eine Million Menschen sah am Nationalfeiertag zu - die Idee von einer weltweiten Serie nahm Gestalt an. Aber nicht nur für Klaus Schrodt, damals Zweiter, war ein Rennen in Deutschland nach der Katastrophe von Ramstein noch undenkbar. Damals, am 28. August 1988, stießen bei den Flugtagen drei Maschinen der italienischen Luftwaffe zusammen, Trümmer stürzten in die Zuschauermenge, 67 Menschen starben.

Ramstein ist das Trauma der Kunstfliegerei. Doch seitdem ist eine Menge passiert - eine Veranstaltung wie das Air Race konnte sich etablieren. Vergangenes Jahr fand das Rennen schon in sieben Austragungsorten statt, unter anderem in den Häfen von Abu Dhabi, Rotterdam und San Francisco, aber auch in britischen Parklandschaften wie Longley und Rock of Cashel. Im zweiten Jahr starten die tollkühnen Flieger in Perth und in St. Petersburg. Vor drei Wochen am Stadtstrand von Barcelona sahen mehr als eine Million Zuschauer zu - obwohl Ronaldinho & Co. zeitgleich im Stadion zauberten.

Nun also Berlin. Heimspiel für Klaus Schrodt, einer von elf Piloten aus Europa und den USA. Fast alle sind Linie geflogen, Schrodt bis vor vier Jahren. Der Amerikaner Kirby Chambliss war mit 28 der jüngste US-Linienkapitän, Landsmann Mike Mangold gar ein Top Gun, und der Ungar Peter Besenyi, der als Mit-Entwickler des Air Race gelten darf, ist daheim 14 mal Sportler des Jahres geworden. Und alle kommen sie vom Kunstflug.

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