Von J. Schneider

Temperaturen wie in der Kältekammer: In Ostdeutschland wurden bis zu minus 26 Grad gemessen. Die Kälte hat bereits ein Todesopfer gefordert.

Die Durchsage besiegelte einen langen, mühevollen Kampf. Einen Kampf, der am Ende doch vergeblich war, wie so viele an diesem eisigen Tag. Melancholisch verkündete der Zugführer auf Gleis 7 des Berliner Hauptbahnhofs: "Wir haben uns nun mit dieser Lokomotive bis hierher geschleppt."

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Bei Temperaturen von minus 18 Grad schwimmen Eisschollen auf der Elbe bei Dresden. (© Foto: dpa)

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Er kam aus Leipzig. Eine Stunde Verspätung hatte der IC 73900 nach Hamburg schon jetzt. Nun musste die Lok gewechselt werden. Es klang, als ob sich ein doch bewährtes Zugtier in der eisigen Kälte bei minus 16 Grad bis zur Erschöpfung verausgabt hätte.

Vorerst ging nichts mehr, wie fast überall seit dem frühen Montagmorgen. Auf Bahnhöfen, den meisten Straßen, vor allem auch auf Flughäfen, wo Fluggäste zum Teil mehrere Stunden fest saßen. Weite Teile Europas, in Deutschland vor allem der Norden und der Westen, waren durch den massiven Kälteeinbruch lahm gelegt.

Bereits am Montagmorgen forderte die arktische Kälte offenbar ein erstes Todesopfer. In Weimar erfror eine 77-jährige Frau. Die demenzkranke Rentnerin war nach Polizeiangaben von einem Zeitungszusteller tot in einer Gartenanlage entdeckt worden. Tags zuvor war die Frau aus einem Seniorenheim verschwunden und war als vermisst gemeldet worden.

Sorge um die Obdachlosen

Besonders in Ostdeutschland und Nordrhein-Westfalen erreichten die Minustemperaturen Rekordnähe. Im sächsischen Delitzsch wurde mit minus 26 Grad Celsius der Spitzenwert gemessen. Aus Brandenburg wurden Werte von minus 25 Grad gemeldet, auch im Berliner Umland war es mit minus 19 Grad besonders kalt. Im Westen wurden etwa in Lippstadt-Bökenförde gar minus 23,2 Grad gemessen.

Angesichts der Kälte wächst die Sorge um das Schicksal der Obdachlosen. So hat Niedersachsens Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) an die Kommunen appelliert, Obdachlosen schnell und unbürokratisch zu helfen. "In diesen Tagen sollten zentrale Gebäude durchgängig offen sein", forderte sie. In Polen sind laut Agenturberichten bereits mehrere Obdachlose in der Kälte erfroren.

Durch die Glätte kam es vor allem in Ostdeutschland, aber auch in Bayern und in Nordrhein-Westfalen seit Montag zu vielen Unfällen. Autobahnen wie die A 43 bei Münster waren über Stunden blockiert. Dort hatte sich auf der glatten Fahrbahn ein Lastwagen quergelegt. Wegen extremer Eisglätte mussten auch bei Hannover auf der A 2 in der Nacht zu Montag Tausende Autofahrer stundenlang bei Minustemperaturen in ihren Wagen ausharren. Bei der Bahn ging auch wegen vereister Weichen oft wenig voran. Züge fielen aus, manche Züge brauchten das doppelte der normalen Fahrtzeit.

Auf dem Frankfurter Flughafen mussten am Montag mehr als 200 Passagiere eines Condor-Flugs nach Havanna fast acht Stunden in der Maschine ausharren. Statt am Vormittag sei die Maschine erst am späten Nachmittag abgeflogen, sagte ein Sprecher. Er sprach von einer "Verkettung unglücklicher Umstände" angesichts der Wetterlage.

So habe die Maschine wegen des heftigen Schneefalls und der tiefen Temperaturen sehr lange auf die Enteisung warten müssen. Anschließend habe es einen Crew-Wechsel geben müssen, da das Personal die vorgeschriebene Dienstdauer überschritten hatte. Der Flughafen Düsseldorf wurde am Montag drei Stunden lang komplett gesperrt. Start- und Landebahnen, die Rollwege und das Vorfeld ließen sich nicht mehr vom Eis befreien.

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(SZ vom 07.01.2009/hai)