Reformpläne des Papstes Franziskus will Macht der Kurie beschneiden

Papst Franziskus macht ernst: Offenbar plant er eine grundlegende Reform der römischen Kurie. Er hat dafür eine Kommission von acht Kardinälen einberufen. In dieser dominiert die Weltkirche - ihre tatsächliche Macht ist allerdings unklar.

Von Matthias Drobinski

Papst Franziskus macht ernst und plant offenbar eine grundlegende Reform der römischen Kurie. Er hat zu diesem Zweck eine Kommission von acht Kardinälen aus allen Kontinenten berufen. Dieser "Kronrat" soll den Papst beraten, wie die Apostolische Konstitution "Pastor Bonus" geändert werden könnte. In diesem Kirchengesetz hatte Papst Johannes Paul II. 1988 den Zuschnitt der Kirchenverwaltung festgelegt. Er hatte dort vor allem die Macht des Staatssekretariats vergrößert. Das steht nun ganz besonders in der Kritik, der als überfordert geltende Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone habe mit dieser Machtfülle der Kirche sehr geschadet. Zu der Kommission gehört auch der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx.

In den Beratungen der Kardinäle vor der Papstwahl hatte es heftige Kritik an der Arbeit und der Intransparenz der Kurie gegeben. Zahlreiche Kardinäle forderten mehr Mitsprache und Kollegialität. Kardinal Jorge Mario Bergoglio, der spätere Papst, hatte selbst in einem programmatischen Statement die Selbstbezogenheit und den "Narzissmus" der katholischen Kirche kritisiert. Dass Marx zu der Gruppe gehört, ist ein deutliches Zeichen für den Veränderungswillen des Papstes: Auch der Münchner Kardinal hatte offenbar in seinem Statement in den nicht öffentlichen Beratungen mit deutlichen Worten eine Kurienreform gefordert; in Interviews nach der Papstwahl hatte er das "Hofstaat-Gehabe" der Kurie kritisiert, und gefordert, Zuständigkeiten und Aufgaben müssten neu zugeschnitten und die Skandale der Vergangenheit aufgearbeitet werden.

Auffällig ist an der neuen Kommission die Dominanz der Weltkirche: Ihr Koordinator ist der Kardinal von Honduras, Oscar Andres Rodriguez Maradiaga - der Präsident von Caritas Internationalis kritisiert westlichen Kapitalismus ebenso wie den römischen Zentralismus und galt 2005 wie Bergoglio als Alternative zu Joseph Ratzinger. Maradiaga sage nach Angaben von Radio Vatikan, die Gruppe werde mit dem Papst nicht nur über die Kurienreform, sondern auch über die Vatikanbank IOR reden, die wegen dubioser Geschäfte in Verruf gekommen ist. Die Perspektiven der Kardinäle würden von den Perspektiven der Kurie abweichen, so der Kardinal.

Die tatsächliche Macht der Gruppe ist noch nicht klar

Auch Sean Patrick O'Malley aus Boston, taucht im "Kronrat" des Papstes auf - der Kapuzinerpater mit dem lockeren Auftreten galt im Konklave 2013 als papabile. Hinzu kommen George Pell aus Sydney, Monsengwo Pasinya aus Kinshasa (Kongo), Oswald Gracias aus Mumbai. Der einzige Vertreter aus dem Vatikan ist Giuseppe Bertello - und auch der ist kein echtes Kurien-Mitglied, sondern als Regierungschef des Vatikans zuständig für die Verwaltung des Staatsgebietes. Zweiter Italiener in der Gruppe ist Marcello Semeraro aus Albano, der als Sekretär fungiert. Die Kurie wird von Italienern dominiert - in der Kardinalsgruppe sind sie zur Minderheit geworden.

Welche Macht die Gruppe tatsächlich hat, ist noch nicht ganz klar. Sie habe keine eigene Entscheidungsbefugnis, sondern berate lediglich den Papst, stellte Vatikansprecher Federico Lombardi klar. Und selbstverständlich würde die Kurie durch das neue Gremium "nicht zweitrangig", sondern weiterhin den Papst bei den täglichen Aufgaben der Kirchenleitung unterstützen.

Überraschend ist, dass das nun so schnell eingerichtete Gremium sich erst vom 1. bis zum 3. Oktober in kompletter Besetzung treffen wird, fast ein halbes Jahr nach seiner Gründung. Bis dahin könnte viel vom Schwung des Anfangs verloren sein - aber, so betonte Lombardi: Mit einzelnen Mitgliedern der Gruppe wolle sich der Papst bereits vorher treffen.