Reform der Kurie Papst lässt Finanzen im Vatikan überwachen

Im Kampf gegen finanzielle Ungereimtheiten und Affären im Vatikan hat Papst Franziskus nun ein eigenes Finanzministerium des Kirchenstaats gegründet. Die Behörde hat das Recht, jederzeit jede Institution des Heiligen Stuhles oder des Staates Vatikanstadt zu kontrollieren - und gegebenenfalls zu intervenieren.

Alles neu macht der Papst: Der Vatikan erhält auf Anweisung von Franziskus ein eigenes Finanzministerium. Damit soll finanziellen Ungereimtheiten und Affären im Vatikan der Kampf angesagt werden. Anfang der Woche gründete der Pontifex durch einen Erlass, ein sogenanntes Motu Proprio, mit dem Titel "Fidelis Dispensator et prudens" ("Der treue und kluge Verwalter") die "Segreteria di Economia". Diese Institution ist der Kurie zugeordnet, hat jedoch Autorität über alle wirtschaftlichen und finanziellen Belange des Vatikans sowie des Heiligen Stuhls.

Als Oberhaupt der Behörde setzte der 77-jährige Argentinier den bisherigen Erzbischof von Sydney, den 72-jährigen George Pell, ein. Der australische Kardinal gehört bereits zu einer Kommission von acht Kardinälen aus aller Welt, darunter auch der Münchener Erzbischof Reinhard Marx, die den Papst mit Blick auf eine mögliche Reform der Kurie berät. Die Errichtung der Finanzbehörde ist somit die erste institutionelle Entscheidung in der Reform der Kurie, die vom Papst mit der Gründung des Kardinalsrates angekündigt worden war.

Die neue Institution löst den bisherigen Kardinalsrat für organisatorische und wirtschaftliche Angelegenheiten des Heiligen Stuhls und des Staates der Vatikanstadt ab; diesem Gremium gehörten Meisner und Pell zuvor ebenfalls an.

Ein Reformator, kein Revolutionär

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Das neue Ministerium soll den Angaben zufolge jährlich einen Haushaltsplan ausarbeiten und im Vatikan internationale Standards der Rechnungslegung und des Berichtswesens umsetzen. Ziele sollten sein, die vorhandenen Finanzmittel besser zu nutzen sowie soziale Projekte zu stärken.

Offiziell heißt die neue Behörde Wirtschaftssekretariat. Ihr sollen acht Geistliche und sieben weltliche Finanzexperten angehören. Die Internationalität der Mitglieder soll "die Universalität der Kirche widerspiegeln"; Namen wurden jedoch noch nicht benannt. Neben dem Präfekten als Leiter und dem Sekretär für das Tagesgeschäft wird es außerdem einen Auditor bzw. Revisor geben, der das Recht und die Aufgabe hat, jederzeit jede Institution des Heiligen Stuhles oder des Vatikans zu kontrollieren.

Nach Informationen von Radio Vatikan, die sich auf das vatikanische Presseamt beziehen, bleibt jedoch die Rolle der vatikanischen Güterverwaltung APSA, die die Funktion einer Zentralbank des Vatikan hat, von den Neuerungen unberührt. Auch die vatikanische Finanzaufsichtsbehörde AIF, geleitet von dem Schweizer Anti-Geldwäsche-Experten René Brülhart, soll nach Angaben des vatikanischen Presseamts ihre Aufgabe fortsetzen.