Schluss mit süß: Knut hat dem Berliner Zoo Millionen eingebracht, nun will der Tierpark Neumünster, aus dem sein Vater stammt, Anteile einklagen.
Eigentlich war schon alles gesagt über Eisbär Knut, die Rekorderlöse von 6,8 Millionen Euro und die Verwendung des Geldsegens. Selbst die Kritik an Berlins Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz, der in den vergangenen Monaten immer wieder reichlich ungeschickt agiert hatte, war wirkungslos im großen Saal des Friedrichstadtpalastes verhallt.
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Eisbär Knut sorgt nicht nur bei Besuchern, sondern auch bei Aktionären für gute Laune. (© Foto: dpa)
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Doch dann beantwortete Blaszkiewitz auf der Hauptversammlung der Zoo AG noch die Frage, ob der Zoo Neumünster an den Knut-Millionen beteiligt werden müsse. Schließlich stamme Knuts Vater von dort. Lässig ans Rednerpult gelehnt antwortete Blaszkiewitz: "Die wollten Geld von uns, aber der Vertrag zwischen dem Zoo und uns gibt das nicht her. Die bekommen ein paar Pinguine, und dann ist die Sache in Ordnung."
Manch einer der knapp 500 Zooaktionäre lachte herzhaft über die Bemerkung. Nur einer fand das nicht lustig: Peter Drüwa, Chef des Tierparks Neumünster. Der Zoodirektor aus dem Norden will sich keinesfalls mit ein paar Vögeln abspeisen lassen. "Dann muss ein Richter entscheiden; wir bereiten jetzt die gerichtliche Auseinandersetzung vor", teilte er postwendend mit.
Die gönnerhafte Bemerkung könnte Blaszkiewitz im Nachhinein noch leid tun. Denn der Vorstandsvorsitzende des Zoos hat die Millionen, um die nun vor Gericht gestritten werden soll, bereits fest eingeplant. Vor den Aktionären hatte er angekündigt, er wolle das Geld komplett in den Erhalt der Anlagen stecken und außerdem das mehr als 40 Jahre alte und marode Vogelhaus erneuern. Ob sich nun alle Pläne finanzieren lassen, wird sich wohl erst nach einem Richterspruch klären lassen. Und das kann dauern.
Dabei waren Blaszkiewitz und der zwölfköpfige Aufsichtsrat sichtbar bemüht, die Querelen der vergangenen Monate endlich hinter sich zu bringen. Erstmals seit 1841 wurde auf einer Hauptversammlung die Öffentlichkeit zugelassen - nach der Aufregung um angeblich illegale Tierverkäufe, animalischen Inzest oder kleine Kätzchen, denen Blaszkiewitz eigenhändig das Genick gebrochen hatte, sollte die Botschaft nun absolute Transparenz sein. Blaszkiewitz, der auch mal rustikal auftreten kann, hielt sich, bis auf den kleinen Ausrutscher in Sachen Knut-Millionen, artig an die Vorgaben.
Ebenso freundlich wie langatmig stellte er den Geschäftsbericht des artenreichsten Zoos Europas vor, referierte über Zahlen und den Zuwachs bei Löwen, Seehunden und Antilopen. Nur einmal fiel er ein wenig aus der Rolle, als ein Aktionär auf die jüngste Schauergeschichte aus dem Zoo zu sprechen kam. Ein kleines Zicklein aus dem Streichelzoo, so hatte Bild kürzlich aufgeschrien, sei den "Wölfen zum Fraß vorgeworfen" worden. Diese Aktion, erklärte Blaskiewitz, sei vielleicht nicht optimal gewesen, andererseits müssten diese Tiere nun mal Fleisch essen: "Was kommt als Nächstes: Dass wir keine Mehlwürmer mehr geben dürfen?"
Wie Knuts Zukunft aussieht, wusste indes selbst Blaszkiewitz nicht zu sagen. Der inzwischen reichlich halbstarke Eisbär könne bis Jahresende in Berlin bleiben, antwortete der Zoodirektor auf die bangen Fragen der Aktionäre. Was danach kommt, ist offen. Denn juristisch gesehen, gehört Knut dem Zoo Neumünster. Und dort ist man auf Berlin nicht gut zu sprechen.
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(SZ vom 11.06.2008/grc)
Frauen in Saudi-Arabien
Die Zucht in Gefangenschaft sorgt für einen Überschuss an Tieren. Babys sind nämlich Kassenmagneten und ziehen massenweise Besucher an, die zusätzlich zum Eintrittsgeld auch noch Geld in den Geschenkeshops und Snackbars der Zoos ausgeben.
Zoos können vielleicht größere und feudalere Anlagen bauen, aber es sind und bleiben doch Gefängnisse. Viele "Verbesserungen" sind eher kosmetischer Art und dienen eher den Besuchern als den Tieren. Die meisten Tiere in Gefangenschaft leiden unter Frustration und Langeweile. Anstatt Millionen darauf zu verschwenden, Unmengen an Tieren einzusperren, sollten wir uns für die Erhaltung und Wiedereinrichtung dessen einsetzen, was wir Menschen den Tieren genommen haben: ihren ursprünglichen Lebensraum.