Der Sohn trägt plötzlich Bomberjacke und aus dem Kinderzimmer dröhnt Neonazi-Rock. Und nun? Eltern, Chefs und Lehrer junger Rechtsradikaler finden jetzt kostenlos und anonym im Internet Hilfe.
An einem Montagmorgen um acht Uhr ging dem Ehepaar Flood ein Licht auf, kalt und grell: Die Eltern eines 13-jährigen Sohnes wurden zum Rektor des örtlichen Gymnasiums bestellt. Der eröffnete ihnen, dass sich ihr Kind auf einer Skireise als Nazi geoutet hätte, mit einem Vortrag über Adolf Hitler. Ihr Sohn, ein Rechtsradikaler? Die Floods waren entsetzt.
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Was tun, wenn plötzlich Springerstiefel im Schuhschrank stehen? (© Foto: ddp)
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"Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass sich ein Jugenlicher in der achten Klasse überhaupt richtig für Politik interessiert", sagt sein Vater, Michael Flood, Rechtsanwalt für Familienrecht und SPD-Kommunalpolitiker. Und dann sowas.
Wie reagiert man, wenn der Sohn auf Ausländer schimpft oder die Tochter auf alle Fälle "eine gute deutsche Ehefrau und Mutter" werden möchte? Wenn die Freunde des Jugendlichen einem unheimlich werden und weder Ermahnungen noch Umstimmungsversuche oder Strafen etwas fruchten?
"Wir waren völlig auf uns allein gestellt"
Familie Flood jedenfalls hatte keine Ahnung: "Wir wussten nicht, wie mit dieser Problematik umzugehen ist", sagt der Vater. "Und wir waren völlig auf uns allein gestellt. Erst mal hat sich nämlich keiner zuständig gefühlt." Hätte der Junge ein Alkohol- oder Drogenproblem gehabt, hätte es genügend Anlaufstellen gegeben. Aber für Eltern mit einem Nazi-Kind? Nichts zu finden.
"Es ist kein Einzelfall, dass sich die Menschen, die mit Rechtsextremismus konfrontiert sind, mit ihrem Problem alleingelassen fühlen", sagt die FDP-Politikerin Cornelia Schmalz-Jacobsen, stellvertretende Vorsitzende des Vereins "Gegen das Vergessen - Für Demokratie". "Durch unser Projekt erhalten sie jetzt ganz konkrete Unterstützung."
Das Internet-Portal "Online-Beratung gegen Rechtsextremismus" bietet Informationen und Kontaktadressen für Rechtsextreme, die aussteigen wollen und für Menschen, die in ihrem Alltag mit Rechtsextremisten zu tun haben - Eltern, Geschwister, Lehrer, Kollegen oder Großeltern. Drei Experten bieten anonyme und kostenlose E-Mail-Beratung an, im Chat sollen sich Betroffene austauschen und gegenseitig helfen können.
Auf der zweiten Seite: Welche Fragen die Betroffenen haben und wie es Familie Flood heute geht.
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