Rechtsradikale in Templin Gewaltexzess in der Werkstatt

Zwei Rechtsradikale sollen in Templin einen Saufkumpanen erschlagen haben. Vor Gericht geht es auch um die Gesinnung der Täter.

Von C. von Bullion

Dieser Prozess wird in eine Lebenswelt führen, die viele nur vom Wegschauen kennen. Sie befindet sich am unteren Rand der ostdeutschen Gesellschaft, wo Obdachlose hausen, Alkoholiker, Rechtsextremisten und junge Leute, mit denen sich zuhause schon lange keiner mehr befasst. Manche von ihnen dürften Mühe haben, vor Gericht einen klaren Satz herauszubringen, denn nach elf Uhr vormittags sind sie in der Regel sturzbetrunken.

Sven P. und Christian W. gehören wohl zu ihnen, ab Montag müssen sie sich vor dem Landgericht Neuruppin wegen gemeinschaftlichen Mordes verantworten. Es geht um eine Tat, die sich vergangenen Juli im brandenburgischen Templin abgespielt hat und so brutal war, dass sie weit über die Stadtgrenzen hinaus für Aufsehen sorgte.

Sven P., der 19 Jahre alt war, soll mit dem 21 Jahre alten Christian W. einen stadtbekannten Alkoholiker so lange gegen den Kopf getreten haben, bis der 55-Jährige tot war. Dann sollen die beiden vorbestraften Rechtsextremisten die Leiche mit Brandbeschleuniger übergossen und angesteckt haben.

Der Bürgermeister von Templin behauptete damals, es gebe keine rechte Szene in der Stadt; das hat ihm einigen Ärger eingebracht. Die Staatsanwaltschaft hat die politische Einstellung der Angeklagten sogar ins Zentrum des Verfahrens gerückt. "Die Anklage geht davon aus, dass die Täter entsprechend ihrer rechten Gesinnung das Opfer verachtet haben", sagte die Sprecherin des Landgerichts vor Prozessbeginn. Weil dies als niederer Beweggrund gilt, wird auf Mord angeklagt.

Mit "Sieg-Heil"-Rufen aufgefallen

Dass die Angeklagten sich zu den Vorwürfen äußern, steht eher nicht zu erwarten. Zu Wort kommen werden also vor allem die anderen, Uwe Liem zum Beispiel, ein Mann mit Rübezahlbart, der einen guten Teil seines Lebens im Gefängnis verbracht hat. In der Nacht zum 22. Juli 2008 saß er im Obdachlosenheim von Templin, und trank Bier mit Christian W., dem Sohn eines arbeitslosen Fleischers.

Bei der Polizei ist Christian W. bestens bekannt, weil er sich unter anderem mit Neonazis herumtreibt. Mit am Tisch saß in jener Nacht auch das spätere Opfer: Bernd K., in der Stadt nennen sie ihn "Stippi". Er konnte keiner Fliege etwas zuleide tun, sagen die Leute, aber mit der Familie hatte er Krach. Bernd K. hatte eine Frau, zwei Töchter und ein Haus, aber er trank, bis alles den Bach hinunter ging. Mal schlief er bei den Obdachlosen, mal in einer vergammelten Werkstatt, die er geerbt hatte. In der Tatnacht soll er Christian W. vom Obdachlosenheim dorthin mitgenommen haben.

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