Rechtsextreme Jobbik-Partei in Ungarn Antisemit entdeckt seine jüdischen Wurzeln

Mit antijüdischen Parolen und teilweise offenem Antisemitismus zogen Csanad Szegedi und seine Partei ins ungarische Parlament ein. Dann wurde dem Politiker klar, dass er selbst Jude ist. Um seine Herkunft zu verbergen, erpresste er sogar einen Kriminellen.

Csanad Szegedi galt als Hoffnungsträger der rechtsradikalen ungarischen Jobbik-Partei. Jetzt hat er alle seine Parteiämter niedergelegt und ist aus der Partei ausgetreten, wie die Nachrichtenagentur AP meldet. Immer wieder hatte er mit antijüdischen Parolen provoziert. Im Juni erklärte er dann überraschend, dass er selbst Jude ist.

Die Jobbik-Partei wurde 2003 gegründet und sitzt seit den ungarischen Wahlen 2010 im Parlament. Mit 16,7% der Stimmen wurde sie drittstärkste Kraft. Erstes Aufsehen erregte die Partei bei den Wahlen zum Europaparlament 2009, bei denen sie 14,8% der ungarischen Stimmen bekam. Als Hauptfeinde der Ungarn hat die Partei Juden, Homosexuelle sowie Sinti und Roma ausgemacht.

Auch Szegedi fiel immer wieder durch antijüdische Äußerungen auf. Seine beiden Großeltern mütterlicherseits waren Juden und damit - nach jüdischem Recht - auch er. Im Judentum wird der Glauben jeweils von der Mutter auf die Kinder übertragen.

Bereits im vergangenen Herbst hatte Szegedi von seiner Herkunft erfahren. Das belegt eine Tonbandaufnahme von einem Treffen mit einem verurteilten Waffenhändler. Dieser hatte den Politiker in dem Gespräch Beweise seiner jüdischen Herkunft vorgelegt. Szegedi reagierte überrascht und versuchte, sich das Schweigen seines Gegenübers zu erkaufen - mit EU Geldern und der Aussicht auf einen Job bei der EU. Denn seit 2009 sitzt Szegedi im EU-Parlament.

Dieser Korruptionsversuch - und nicht etwa Szegedis jüdische Herkunft - seien der Grund, warum man ihn zum Rücktritt gedrängt hat, versichert Gabor Vona, der Jobbik-Vorsitzende. Man habe ihn auch aufgefordert, seinen Sitz im EU-Parlament aufzugeben, was Szegedi bis heute ablehnt.

Stattdessen begibt er sich jetzt auf die Suche nach seinen Wurzeln: Anfang des Monats hat er sich mit dem Rabbi Slomo Koves getroffen. Bei dem Gespräch entschuldigte er sich für alle Aussagen, mit denen er die jüdische Gemeinade provoziert haben könnte. Außerdem versprach er als Zeichen seines Respekts die Gedenkstätte Auschwitz zu besuchen.

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