Altkleider-Entsorgung im Weltall: Ein ausrangierter russischer Raumanzug, gespickt mit Sendern und Sensoren funkt Unverständliches aus dem All.
Ein neuer Satellit kreist um die Erde - und noch dazu ein äußerst ungewöhnlicher: Am Wochenende haben Astronauten der Raumstation ISS einen ausgedienten russischen Raumanzug über Bord geworfen. Mit Absicht. Suitsat heißt der hohle Astronaut, und er soll, vollgestopft mit einem Funksender, Sensoren und drei Batterien, Botschaften in sechs Sprachen zur Erde senden. Jeder Amateurfunker kann die Sprüche auffangen - zumindest in der Theorie.
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Doch der wahrscheinlich seltsamste Satellit der Welt hat leichte Verständigungsprobleme. Suitsat, eine Wortkombination aus den englischen Begriffen Spacesuit für Raumanzug und Satellite, schwächelt. Im Internet berichten Funkamateure von einem "sehr undeutlichen Signal, zu schwach, um es zu verstehen, vielleicht eine Frauenstimme". Manche Hobbyfunker wollen ein "vereinzeltes Piepsen" ausgemacht haben, andere sogar eine "männliche Stimme, die irgendwie russisch klang".
Immerhin scheint der im All ausgesetzte Raumanzug, entgegen ersten Befürchtungen, Signale von sich zu geben. "Es steht außer Frage, dass Suitsat am Leben ist", sagt Nasa-Ingenieur Frank Bauer, der das Experiment initiiert hat, mit dem vor allem Kinder und Jugendliche für die Raumfahrt begeistert werden sollen.
Allerdings gebe es wohl ein Problem mit der Antenne, dem Sender oder der Stromversorgung. Zudem ist Suitsat, den die ISS-Astronauten während eines Außeneinsatzes losgelassen haben, offensichtlich ins Trudeln gekommen - die Intensität der Signale schwankt stark.
Bauer und seine Lauscher rund um den Globus wollen nun durch genaues Zuhören die Ursache des Problems ausfindig machen. Wie lange Suitsat noch piepst, lässt sich allerdings nicht sagen. Ursprünglich sollte der Raumanzug über ein Sprachmodul fortwährend seine Batterieleistung und die Temperatur in seinem Innern zur Erde funken.
Doch auch diese Funksprüche lassen sich nicht entschlüsseln. Sicher ist nur, dass dem einsamen Funker ein furioses Ende bevorsteht. In etwa sechs Wochen wird Suitsat in die Atmosphäre eintauchen - und in einem Feuerball irgendwo hoch über der Erde verglühen.
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(SZ vom 07.02.2006)
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