Mit dem Rauchverbot befürchteten Wirte hohe Umsatzverluste. Neue Umfragen entlarven die Ängste aber als unbegründet.
Das Jahr 2008 wird als das Jahr der Rauchverbote in die Geschichte der Gastronomie eingehen. Im Sommer laufen in Nordrhein-Westfalen und Thüringen die letzten Übergangsfristen aus. Wer danach gegen die neuen Bestimmungen verstößt, muss mit einem Bußgeld rechnen.
(© Foto: dpa)
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Welche wirtschaftlichen Folgen die Rauchverbote für das Gastgewerbe haben könnten, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Gewinnt die Branche neue Gäste hinzu, weil die Nichtraucher eindeutig in der Mehrheit sind? Oder kommt es zu einem massenhaften Kneipensterben, wie der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband prophezeit? Erste Anhaltspunkte liefern aktuelle Daten der statistischen Landesämter in Niedersachsen, Hessen und Baden-Württemberg. In diesen Bundesländern sind die Gesetze zum Schutz vor dem Passivrauchen bereits in der zweiten Hälfte des letzten Jahres in Kraft getreten.
Auf den ersten Blick lässt sich aus den Tabellen kein einheitlicher Trend herauslesen; zu groß sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen. Am schlechtesten schneidet die Gastronomie in Niedersachsen ab. Deren reale Umsätze lagen im letzten Quartal 2007 um knapp 7 Prozent unter denen des WM-Jahres 2006. Während der Umsatzrückgang in den Restaurants dem Durchschnitt entsprach, hatten Hotels, Kantinen und Cateringbetriebe nur geringfügige Einbußen zu verzeichnen.
Dagegen fielen die Zahlen in der "getränkegeprägten Gastronomie" alarmierend aus: Hier gab es ein Umsatzminus von 21 Prozent. Dieser Negativrekord relativiert sich jedoch, wenn man die Monate zuvor in den Blick nimmt. Schon im Juni 2007, als in Niedersachsen noch überall geraucht werden durfte, waren die Kneipenumsätze um 20 Prozent eingebrochen. Und auch die Kneipen in Nordrhein-Westfalen und anderen Ländern ohne Rauchverbot hatten im letzten Jahr mit Einbußen zu kämpfen. Bundesweit gingen die Umsätze der Getränkegastronomie um etwa 8 Prozent zurück. Wie ist dieser Abwärtstrend zu erklären?
Auslaufmodell "Räucherkammer"
"An der Kneipenmisere sind zunächst viele Wirte selber schuld", so der Branchenkenner Bernd Luxenburger, "auch vor dem Rauchverbot standen viele Kneipen, die dem Erwartungsprofil der Gäste nicht mehr entsprachen, vor dem Aus. Dunkle Räume mit Uralt-Mobiliar, schlecht gezapftes Bier und kein Angebot für den kleinen Hunger waren und sind der Anlass." Dass die Ära der "Räucherkammer mit Tresen" ihrem Ende entgegengeht, hat auch mit den Langzeittrends zum "Take-away" und "Homing" zu tun. Soll heißen: Heute decken sich mehr Leute als früher im Supermarkt oder in der Tankstelle mit Getränken ein und machen es sich dann zu Hause bequem.
Gerade die traditionellen Eckkneipen leiden darunter, dass ihre Kundschaft in Zeiten von Hartz IV jeden Euro umdrehen muss und deshalb seltener ausgehen und weniger ausgeben kann. Bei den Bessergestellten wiederum tendiert die Nachfrage eindeutig in Richtung "Wellness". Selbst wer ab und an eine Zigarre raucht, empfindet es nicht mehr als Inbegriff der Gemütlichkeit, wenn er von allen Seiten eingequalmt wird.
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Die Umsatzrückgänge der Gaststätten werden allzu gerne auf das böse, böse Rauchverbot geschoben.
Ich persönlich sehe aber einen ganz anderen Grund.
Seit der Einführung des TEURO sind die Preise in den Gaststätten eklatant gestiegen. Und wenn man für eine Halbe Bier heute in einem normalen Lokal glatte sieben Mark (3,50 EURO) und mehr hinblättern muss (hallo - ich rede nicht von einem Night-Club), überlegt sich Otto Normalkonsument eben zweimal den Gaststättenbesuch.
Denn der Bierpreis ist ja auch nicht das Einzige, was angezogen hat. Wenn man zum Bier noch ein Süppchen und ein normales Gericht konsumiert, kommt man sehr schnell auf satte 16 EURONEN. Und das ist noch relativ günstig. 32 Mark für ein kleines Mittagessen! Soviel hat man früher höchstens in der gehobenen Gastronomie berappt. Heute bekommt man dafür nur noch mittelmäßige Hausmannskost, meist aus Fertigprodukten zusammen gepanscht. Das sind NICHT allein die sog. schwarzen Schafe, sondern das ist ganz normal.
Ich habe daraus meine Konsequenzen gezogen.
Anfänglich war ich fast wöchentlich "auswärts essen". Als die Preise dann anzogen, war es vielleicht noch 14-täglich. Heute eher selten. Wenn's hoch kommt, ein mal im Monat. Bei Freunden und Bekannten beobachte ich ein ähnliches Verhalten.
Den Umsatzrückgang in der Gastronomie auf das Rauchverbot zu schieben ist für mich reine Augenwischerei.
....habe am 06.03.08 zum ersten mal (beruflich bedingt) seit Einführung des Rauchverbotes in BW wieder eine Gaststätte besucht.
4 Stunden in einem dunklen überfüllten Raucherraum verbracht.
Der großzügige und helle Nichraucherbereich war in der gleichen Zeit von sagenhaften 4 Gästen besucht.
Ergebnis für mich, ich bleibe Gaststätten aber auch Hotels( denn dort versorge ich mich mit Essen und Getränken aus dem Supermarkt) weiterhin fern.
Mit mir 0,00 Euro Umsatz
Vorher lagen meine Speisen und Getränkekosten monl. bei 350,00 Euro.
Also liebe Nichtraucher ihr seid ganz unter euch.
kommt dann tatsächlich die Wahrheit. Aus den Zahlen lässt sich gar nichts herauslesen!
Wenn ich ich von Baden-Württemberg über Hessen nach Niedersachsen gehe, dann verschlechtert sich die Tendenz deutlich. Für Bayern hat die Umfrage überhaupt keine Aussagekraft, da hier die schärfste Regelung gilt.
Tatsächlich gibt es Gewinner und Verlierer. Die getränkelastige Gastronomie gehört zu den Verlierern und dies gefährdet Existenzen. Außerdem ist auch nicht jede Servicekraft Nichtraucher und muss ungebeten vom Gesetzgeber geschützt werden. Wo früher 5 Raucher und 2 Nichtraucher viel Spaß hatten und das ein oder andere Glas lehrten sitzen heute 3 nichtrauchende Teetrinker (nie mehr als ein Getränk am Abend), freuen sich, dass es so schön ruhig und die Luft so sauber ist und versprechen dem Wirt jetzt öfter zu kommen (so in 4 Wochen das nächste Mal).
Dafür sind jetzt auch nach der Bettgehzeit Kinder und Säulinge unterwegs. Der ungesunde (gebe ich zu) Qualm ist ja weg. Weil diese Kinder nach 8 Uhr aber im Bett sein sollten, sind sie müde und schlecht gelaunt und drangsalieren die anderen Gäste, wofür sich die Eltern aber nicht verantwortlich sehen. Der, den es stört, ist eben ein Kinderfeind.
"Dabei gibt es zum Modell Saarland eine simple Alternative: "Die einfachste und gesündeste, auch ökonomisch gesündeste Lösung ist ein Rauchverbot ohne Ausnahmen"
Das saarländische Modell halte ich für äußerst schlecht, denn welches "volljährige" Familienmitglied kann sich schon erfolgreich wehren, wenn es womöglich unter Druck dazu genötigt wird, in der verrauchten Kneipe mit zu helfen. Auch Familienmitglieder müssen geschützt werden. Wer sich als Gast oder als inhabender Wirt freiwillig dem Rauch aussetzt, dem ist wirklich nicht zu helfen. Alle Mitarbeitenden müßten demnach zu Mitinhabern werden.
An anderer Stelle war zu lesen von einem reinen Rauch&Trink-Club in Bayern, dessen Mitglieder eine Kneipe selbst bewirtschaften. Hier ist also jedes Clubmitglied auch gleichzeitig Mitinhaber der Kneipe. Es gibt also hier keinen Wirt, der seine Kneipe zum Clubheim deklariert.
Ansonsten halte ich die bayerische Regelung, dass in geschlossenen Gesellschaften geraucht werden darf, in der jetzigen Form nicht mehr lange tragbar. Man stelle sich Hochzeitsfeiern oder andere Familienfeste mit 100 Gästen oder mehr vor, bei denen die Bedienungen über Stunden teilweise Schwerstarbeit leisten müssen. Während der Schutz vor Rauch im normalen Restaurantbetrieb gewährleistet ist, sollen die Bedienungen bei solchen stressigen Festen auf den ihnen zustehenden Schutz verzichten. Das ist nicht akzeptabel.
Schließt man die Lücke "geschlossene Gesellschaft" könnte man immer noch, wie der oben beschriebene Rauchclub - also Club ist Inhaber eines Lokals -, Möglichkeiten schaffen, in geselliger Runde sich gegenseitig einzunebeln. So ein Club dürfte keine Arbeitskräfte beschäftigen, keine Aushilfskräfte und Miet- oder Pachtvertrag müssen auf den ganzen Verein laufen oder Eigentümer des Gebäudes ist der Club und nicht eine Firma oder eine Privatperson. Das würde dem seltsamen Treiben einiger Wirte, das Rauchverbot zu umgehen, schnell den Garaus machen und übrig bleiben tatsächlich Clubs.
Endlich mal ein Beitrag der nicht einfach nur die Raucherlobby unterstützt
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