Rauchen Franzosen rauchen bald für zehn Euro das Päckchen

Eine Frau hat sich vor einem Restaurant in Montpellier eine Zigarette angesteckt - das wird künftig teurer in Frankreich.

(Foto: dpa)

Die Gesundheitsministerin will, dass die erste Generation von Franzosen ganz ohne Tabak aufwächst. Ein Päckchen Zigaretten soll daher bald so viel wie eine gute Flasche Wein kosten - dem Savoir-vivre zum Trotz.

Von Max Sprick

Savoir-vivre, wie schön das klingt, wenn man sich das Wort nur vorstellt. Elegant, fabulös, das muss nicht mal ein Muttersprachler aussprechen, um Bilder zu wecken. Savoir-vivre, das französische Lebensgefühl, klingt nicht nur verlockend, es schmeckt ja auch so. Guter Wein, am besten ein roter aus Bordeaux, den der Franzose schon mittags trinkt. Crêpes, Galettes, Baguettes, ach was, all die feudalen Menüs, die in Frankreich nicht gegessen, sondern geschlemmt werden. Und danach eine Zigarette, die einfach dazu gehört.

Coco Chanel, das war eine dieser Persönlichkeiten, die das Savoir-vivre verkörpert haben. Elegant und fabulös, so sollte für Chanel nicht nur das Leben an sich, sondern ein Mädchen im Speziellen sein. Die Modeschöpferin prägte Anfang des 20. Jahrhunderts Stil und Lebensgefühl. Und kultivierte auch das Kettenrauchen.

In Westeuropa nimmt Frankreich beim Tabakkonsum eine Spitzenposition ein

Vielleicht ist sie einer der Gründe, warum so viele Franzosen auch heute an Zigaretten ziehen. In einer Zeit, in der Zigaretten wegen ihrer Schädlichkeit global bekämpft werden, mit Werbeverboten, Schockbildern auf den Packungen und gesellschaftlicher Ächtung. Unter den westeuropäischen Staaten nimmt Frankreich beim Tabakkonsum eine Spitzenposition ein: 34,5 Prozent der Erwachsenen rauchen. Das sind fast zehn Prozent mehr als in Deutschland. Wer als Nichtraucher mit dem TGV nach Paris fährt, wird spätestens am Gare de l'Est zum Raucher, scherzen so manche Exil-Pariser.

Damit soll jetzt Schluss sein. Die französische Regierung, allen voran Gesundheitsministerin Agnès Buzyn, will den Kampf gegen die führende vermeidbare Todusursache intensivieren. Buzyn sagte schon im Wahlkampf ihres neuen Präsidenten Emmanuel Macron: "Mein Ziel ist es, dass die Generation, die heute geboren wird, die erste Generation ohne Tabak wird." Buyzn, ehemalige Präsidentin des nationalen französischen Krebsforschungszentrums, nutzte am vergangenen Wochenende einen drastischen Vergleich, um ihr Ziel zu verdeutlichen. Jeden Tag, sagte sie im Interview mit dem Sender BFM-TV, würden in Frankreich 200 Menschen an den Folgen ihres Tabakkonsums sterben. Was ja in etwa so sei, als stürze täglich ein Flugzeug mit 200 Passagieren ab.

Premierminister Edouard Philippe scheint eher seiner Ministerin zu folgen, als Zigaretten im Sinne des Savoir-vire zu genießen. In seiner Regierungserklärung verkündete Philippe vergangene Woche, dass der Preis für eine Packung Zigaretten in Frankreich angehoben wird. Von derzeit sieben Euro auf zehn, spätestens bis 2022. Gleichzeitig will Philippe Präventionsmaßnahmen und Forschung fördern. Schon jetzt müssen Zigarettenpackungen in Frankreich, egal welcher Marke, einheitlich aussehen: Marlboro, Gauloises oder Lucky Strike stecken alle in schlammfarbenen, grün-braunen Packungen, einem Farbton, der als besonders unattraktiv gilt.

26,8 Prozent der in Frankreich konsumierten Tabakwaren sollen aus einem unkontrollierbaren "Parallelmarkt" stammen

Jacques Chirac, Frankreichs früherer Präsident, hatte den Kampf gegen Tabak auch geführt. 2003 erhöhte er den Preis einer Packung um 40 Cent, ein Jahr später um einen weiteren Euro. Eine Maßnahme, die zwar die eine Statistik schönte, eine andere außer Acht ließ: Zwar ging der durchschnittliche Takeskonsum in zwei Jahren von 4,6 auf 3,9 Zigaretten pro Raucher zurück - dafür kauften die Franzosen vermehrt in Nachbarländern wie Deutschland oder Belgien, wo die Packungen für sie deutlich günstiger waren und noch immer sind. 26,8 Prozent der in Frankreich konsumierten Tabakwaren sollen laut der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG aus einem unkontrollierbaren "Parallelmarkt" stammen, schreibt der Tagesspiegel.

Coco Chanel hätte sich ziemlich sicher nicht beeindrucken lassen vom Kampf gegen den Tabak. Dabei hat sie etwas hinterlassen, das fast hundert Jahre später ein viel wirksamerer Slogan gegen das Rauchen sein könnte, als die ständige Betonung der Gefahren: "Eleganz", hat Chanel einmal gesagt, "Eleganz ist Verweigerung."