Gegenseitiges Mobben ist bei der Container-Show seit jeher willkommen. Doch in Großbritannien ging nach Anfeindungen gegen eine Inderin ein Aufschrei durchs Land, den selbst Premier Blair hörte.

Die einstige ,,Miss Great Britain'' war sich sicher, was die schöne dunkelhäutige Schauspielerin Shilpa Shetty aus Indien möchte. ,,Sie will weiß sein, sie ist eine Hündin'', blaffte Danielle Lloyd live vor einem Millionenpublikum.

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Nur eine von vielen Demütigung, die die 31-jährige Bollywood-Mimin über sich ergehen lassen musste. Auch Jo Meara, einst Mitglied der Popband ,,S Club 7'' mobbte kräftig mit. Die Sängerin behauptete allen Ernstes: ,,Inder sind so dünn, weil sie ihr Essen nicht richtig abkochen'' und daher ,,dauernd krank sind''.

Andere im ,,BB House'' wollten nicht mit Shilpa das Essen teilen, weil sich ,,Leute wie die'' angeblich die Hände nicht richtig waschen.

Natürlich gilt das Rausekeln von Mitbewohnern des ,,Big Brother''-Hauses auch in Großbritannien als Kampfziel des Spiels. Aber das ging vielen Zuschauern doch zu weit. Innerhalb von 48 Stunden trafen weit mehr als 10.000 Beschwerden wegen ,,rassistischer Schikanierung'' bei der TV-Aufsichtsbehörde sowie beim Sender Channel 4 ein.

Die Boulevardzeitung Mirror brauchte nur zwei Worte, um die Empörung Tausender auf den Punkt zu bringen: ,,EVICT THEM'' stand in Riesenlettern auf Seite 1 (,,Werft sie raus!'').

Die Wogen erreichten inzwischen die hohe Politik. Zunächst forderte ein Unterhaus-Abgeordneter eine Untersuchung. Dann reagierte sogar der Premierminister. Tony Blair erklärte, er habe die Sendung zwar nicht gesehen, wende sich aber gegen Rassismus in jeder Form.

Sogar Scotland Yard befasst sich inzwischen mit dem Fall: Die Ermittler prüfen, ob einige scharf formulierte E-Mails an ,,die Beleidiger Shilpa Shettys'' den Tatbestand der Drohung mit Mord oder Körperverletzung erfüllen.

Die Buchmacher steigen ein

Nur der berüchtigte US-Talker Jerry Springer hatte in Großbritannien mit einer seiner Ekelshows mehr Beschwerden ausgelöst als die derzeitige ,,Big Brother''-Staffel.

Der Schauplatz wäre nicht England, wenn nicht sofort die Buchmacher eingestiegen wären. Sie bieten Wetten an, ob und wann die jetzige Containertruppe vorzeitig nach draußen gebeten wird.

Große, zumindest moralische Siegerin wäre dann die Frau aus Indien. Von allein werde Shetty auf keinen Fall gehen, schrieb der indische Autor Hari Kunzru im Guardian: ,,Als Tamilin hat sie in Bombay sicher gelernt, mit Diskriminierungen umzugehen.'' Immer wieder wurde in der britischen Diskussion um ,,Big Brother'' eine Frage aufgeworfen, die auch für den Start der nächsten Staffel in Deutschland relevant ist: Wie wollen die Veranstalter derartige Ausfälle vermeiden?

Der Abonnentenkanal Premiere, der die siebte ,,BB''-Staffel vom 5. Februar an 24 Stunden täglich live übertragen wird, hat bereits verstärkte Kontrollvorkehrungen angekündigt. Künftig werden dort drei statt zwei redaktionelle Kräfte den Verlauf von ,,Big Brother'' überwachen, um bei verbalen Entgleisungen abzuschalten.

Ob das bei der Dauershow von insgesamt 150 Tagen immer gelingt, bleibt abzuwarten. Mit Grausen erinnern sich viele Fernsehleute daran, wie im Oktober 2004 ein Bewohner des Show-Hauses in Köln während der Live-Übertragung Judenwitze erzählte, ohne dass die Premiere-Aufpasser es rechtzeitig merkten. Den beiden wurde fristlos gekündigt, aber das hat das Gesagte nicht zurückgeholt.

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(dpa/AFP/sueddeutsche.de)