Ranking Ist Deutschland wirklich das beste Land der Welt?

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Eine Studie kürt Deutschland zum "besten Land der Welt". Kaum zu glauben - und auch nicht ganz richtig.

Von Barbara Vorsamer

Wir haben schon wieder ein Ranking gewonnen. Einer Studie des amerikanischen Magazins U.S. News und World Report zufolge ist Deutschland das beste Land der Welt. Wow. Besser als die Besten geht es natürlich nicht, da können die USA mit ihrem weltweit anerkanntesten Pass und der mächtigsten Armee einpacken. Dass die Schweizer die glücklichsten Menschen der Erde sind, und die Griechen mehr Sex haben - pah, wen juckt es! Wir sind nun nicht mehr nur die beliebteste Nation, nicht nur Fußballweltmeister, wir sind die Besten! Die Allerallerbesten!

Trunken vor Freude über diesen maximalen Superlativ fragt man sich dann aber doch: Die Besten in was eigentlich? Wie kommen die Autoren der Studie da drauf? Und wie gut sind wir wirklich?

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Das sagen die Daten

Die Erhebung des Magazins, die in Zusammenarbeit mit der Universität von Pennsylvania und BAV Consulting erstellt wurde, vergleicht 60 Länder in zehn Kategorien, darunter Abenteuer, Lebensqualität, Macht und Unternehmertum. Letztere ist die einzige, in der Deutschland tatsächlich zehn von zehn möglichen Punkten abgreift. In allen anderen Kategorien sieht es weniger gut aus: Maximal Platz 4 (Macht), aber auch Platz 27 (Zukunftsfähigkeit) oder gar nur Platz 45 (Abenteuer).

Deutschland ist demnach also nicht besonders dynamisch oder einzigartig, auch mit Freundlichkeit, Sexyness, gutem Essen oder kulturellen Attraktionen können wir nicht punkten. Unsere Stärken liegen der Umfrage zufolge in einer funktionierenden Bürokratie, einer gut ausgebildeten Bevölkerung und einer starken Wirtschaft. So weit, so wenig überraschend - doch wie kommt Deutschland mit einer so gemischten Bilanz auf Platz 1?

Nicht alle Daten wurden gleich bewertet. Während die Kategorien Abenteuer und kulturelles Erbe nur jeweils drei Prozent zum Gesamtergebnis beitragen dürfen, werden Unternehmertum und Bürgerschaft mit 17 Prozent gewichtet, also als sechsmal so wichtig bewertet. Es ist ein bisschen wie früher in der Schule: Um Klassenbester zu werden, braucht es die Einsen in Latein und Mathe. Wer in Sport und Musik brilliert und in den Hauptfächern die Hürden reißt, ist aber trotzdem irgendwie cooler. Wie Brasilien (Platz 1 in der Kategorie Abenteuer), Italien (Platz 1 bei kulturelles Erbe) oder Indien (Platz in der Kategorie Zukunftsfähigkeit).

So sind die Daten zustande gekommen

Für die einzelnen Kategorien wurden keine Fakten analysiert, sondern Menschen darüber befragt, wie sie die Welt wahrnehmen. 16 000 Personen aus 36 Nationen wurden Fragen zu 60 Ländern gestellt. Jeder Teilnehmer bekam einen Fragenkatalog zu einem Land, das nicht zwingend, sondern höchstens zufällig das Heimatland war. Heißt konkret, dass zum Beispiel eine Amerikanerin gefragt wurde, wie sie die Möglichkeit einschätzt, sich in Luxemburg selbständig zu machen. Oder ein Deutscher danach, für wie sexy und abenteuerlustig er Brasilien einschätzt.

Bei dieser Methode ist es kein Wunder, dass die Ergebnisse lediglich eine Ansammlung an Klischees sind: Schweden ist das beste Land, um Kinder großzuziehen. Brasilien ist sexy, einzigartig und ein großartiges Land für Abenteurer. In Italien kann man gut essen und ins Museum gehen.

Und nun? Sind wir wirklich die Besten?

Die Studie sagt rein gar nichts darüber aus, wie es tatsächlich ist - sondern nur etwas darüber, wie die Menschen glauben, dass es sein könnte. Auch interessant, aber etwas komplett anderes. Die Studienautoren rechtfertigen ihre Erhebungsmethode damit, dass globale Wahrnehmungen und Eindrücke das Potenzial hätten, Handel, Investitionen und Reisen zu beeinflussen und damit auch eine direkte Wirkung auf die Wirtschaft haben.

Das mag so sein. Doch dass knapp 300 Personen der Meinung sind, Deutschlands politisches und wirtschaftliches System funktioniere ganz gut, rechtfertigt die Schlagzeile "Deutschland ist das beste Land der Welt" eher nicht.