Quentin Tarantino unerkannt "Dieser Herr aus Amerika"

Ein Anruf bei Hausmeister Schulze, der Quentin Tarantino den alten Görlitzer Stadtturm gezeigt hat - und den US-Regisseur gar nicht erkannte. Seine Kolleginnen haben ihn deshalb "fast verhauen".

Interview: Varinia Bernau

Im Frühjahr fuhr bereits Kate Winslet mit der Straßenbahn durchs sächsische Görlitz. Die Stadt an der polnischen Grenze dient als Kulisse für die Hollywood-Verfilmung des Schlink-Romans "Der Vorleser". In der vergangenen Woche schaute sich nun US-Regisseur Quentin Tarantino nach Drehorten für seinen neuen Film um - unter anderem auf einem alten Stadtturm, über den Frank Schulze, Hausmeister des städtischen Museums, wacht.

SZ: Guten Tag, Herr Schulze, haben Sie Zeit - oder ist gerade viel zu tun?

Schulze: Wir bereiten den Umzug unserer Sammlung vor, da sind schon viele Sachen zu erledigen.

SZ: Und dann klopft auch noch ein Filmteam an.

Schulze: Tja, das war natürlich außerplanmäßig. Aber wie das so ist im Arbeitsleben: Wenn ein Auftrag reinkommt, muss man das machen.

SZ: Verstehe.

Schulze: Zwei Leute aus Babelsberg haben sich bei uns im Sekretariat gemeldet und einen Termin für den nächsten Morgen ausgemacht. Die sind auch ganz pünktlich gewesen - mit sechs anderen. Darunter eben dieser Herr aus Amerika.

SZ: Sie meinen Quentin Tarantino?

Schulze: Als ich die Herrschaften geführt habe, wusste ich nicht, dass so eine Berühmtheit dabei ist. Ich hab ihnen unseren Reichenbacher Turm gezeigt und ein paar Dinge erklärt. Der Turm wurde erstmals im 13.Jahrhundert erwähnt. In der alten Wächterstube mussten wir erst einmal Luft holen. Das sind immerhin mehr als 100 Stufen. Von dort hat man aber einen schönen Blick über die Stadt. So weit, wie ich das mit meinen paar Brocken Englisch mitbekommen habe, hat der Regisseur mögliche Einstellungen besprochen. Der war sehr implosiv.

SZ: Implosiv?

Schulze: Ja, mit Mimik und Gestik. Da hat man gleich gemerkt, dass er Feuer und Flamme war. Aber ich war nur stiller Zuhörer und habe beobachtet.

SZ: Waren Sie nicht neugierig, was ein Mann aus Hollywood so zu erzählen hat?

Schulze: Ich hab ja erst am nächsten Tag erfahren, wer das war. In der Zeitung stand, dass er in der Stadt war - sogar mit einem Foto. Dann ist mir erst ein Licht aufgegangen. Meine Kolleginnen haben mich fast verhauen, weil ich sie nicht zur Führung mitgenommen hatte. Aber das konnte ich ja nicht ahnen. Das ganze Team war sehr höflich, fast unauffällig. Ich muss zu meiner Schande sagen, dass ich mich in der Branche nicht auskenne.

SZ: Gehen Sie nicht gern ins Kino?

Schulze: Man guckt sich schon Filme an. Als Jugendlicher hab ich selbst auch Theater gespielt, vor großem Publikum, bei uns im Ratssaal.

SZ: Dann wären Sie doch eine Idealbesetzung für den neuen Tarantino-Film.

Schulze: Die Leute aus Babelsberg haben mich gefragt, ob ich Interesse hätte, als Kleindarsteller dabei zu sein. Aber das wird wohl nicht gehen. Das ist sicher während meiner Dienstzeit.

Erkenn' den Tarantino!

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