Ende der sechziger Jahre eröffnete die Textil-Ingenieurin eine Edel-Boutique in Hamburg-Pöseldorf. Das war die Keimzelle eines Modekonzerns, der sich in der ganzen Welt einen Namen gemacht hat.
Drei Jahre lang hatte Jil Sander sich eine Aus-Zeit genommen und statt Mode-Design und Management Segeln, Partys und Freunde in den Mittelpunkt ihres Lebens gestellt. Nicht ganz freiwillig, aber konsequent hatte sie Anfang 2000 die letzten Bande zu ihrem Lebenswerk, der Jil Sander AG, zerschnitten.
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Die Chemie zwischen ihr und dem neuen Großaktionär, dem dominanten Prada-Chef Patrizio Bertelli, stimmte nicht. Und die detailverliebte Sander war nie der Typ, der sich ins Geschäft reinreden lässt. Im Gegenteil: In der Firma war sie stets die Chefin, die alles selbst entscheidet. Ganz oder gar nicht, wird sie damals gedacht haben, als sie alle restlichen Aktien an Prada verkaufte und auf ihren schleswig-holsteinischen Gutshof ins Privatleben verschwand.
Neuer Frieden
Dem Unternehmen tat die Abwesenheit der "Queen of less" nicht so gut, der Designerin selbst allerdings schon. Jedenfalls erschien Jil Sander im Mai diesen Jahres als strahlende Retterin wieder auf der Bildfläche. Über den Streit mit Bertelli wurde nicht mehr geredet und beide versicherten, dass es keine Sieger und keine Verlierer gebe. Die neue Liaison scheint für Jil Sander maßgeschneidert: Sie muss keine Management-Pflichten erfüllen wie zum Beispiel auf Bilanzpressekonferenzen lästige Fragen beantworten, aber sie kann als Chef-Designerin ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Hineinreden wird ihr niemand mehr, und dass es ohne sie offenbar nicht geht, muss ja nicht mehr bewiesen werden. Am 26. November 2003 wird Jil Sander 60.
Ende der sechziger Jahre, als ihre Altersgenossen auf die Barrikaden gingen, eröffnete die Textil-Ingenieurin Heidemarie Jiline Sander eine Edel-Boutique in Hamburg-Pöseldorf. Das war die Keimzelle eines Modekonzerns, den sie vor 14 Jahren an die Börse brachte. Doch mit der Expansion begannen die Probleme. Die Firma ließ sich nicht mehr auf Zuruf managen, Sander brauchte im Vorstand Verstärkung und tat sich dann doch schwer, Verantwortung abzugeben. Heute wird man ihre gern jede Verantwortung geben, die sie wünscht.
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