Am 15. Februar 2008 kontaktierte die Münchner Staatsanwaltschaft die Kollegen aus Pescara, um nach der Festnahme von S. Rechtshilfe zu bekommen. Mit den Ermittlungen wurde Staatsanwalt Gennaro Varone beauftragt, der unter anderem Telefonabhörungen am Sitz von B.s Sekte anordnete und anschließend wertvolle Güter beschlagnahmte.

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Zwei Millionen Euro in bar waren unter einem Dach versteckt; man inspizierte Wohnungen, Gebäude, Grundstücke und konfiszierte Luxusautos wie Lamborghinis, Ferraris, einen Rolls-Royce und eine Limousine.

All das soll laut Repubblica mit den sieben Millionen der BMW-Frau und mit weiteren zehn Millionen ihrer Freundinnen erworben worden sein.

Den Ermittlern zufolge wurden weitere Millionen Euro der Ganoven schon in Sicherheit gebracht. Zwei Komplizen investierten das Geld unter anderem im ägyptischen Urlaubsort Sharm el-Sheik, in südamerikanischen Ländern und in Steuerparadiesen. Immer noch fehlen die Filmchen der geheimen Sextreffen.

Nach Informationen von La Repubblica sollen die Verabredungen in Luxushotels auf der ganzen Welt, vor allem aber in München und Monte Carlo, stattgefunden haben. Dabei buchten die Komplizen S. und B. angeblich stets zwei miteinander verbundene Zimmer. In einem war das Paar zugegen - aus dem anderen, zum Regieraum umfunktionierten Hotelzimmer, filmte B. die Szenen.

Die Beziehungen zwischen dem Schweizer Gigolo und den wohlhabenden Frauen brachen mit der Zeit ab. S. aber erfand mitleiderregende Geschichten - zum Beispiel, dass er von der italienisch-amerikanischen Mafia bedroht werde - und forderte wirtschaftliche Unterstützung. So wurde Susanne Klatten den Berichten zufolge dazu gebracht, 7,5 Millionen Euro zu zahlen; ihre Freundinnen entrichteten zwei oder drei Millionen pro Kopf und gaben Geschenke, heißt es in italienischen Medien.

Festnahme in Monte Carlo

Die beiden Gauner forderten aber immer mehr Geld und drohten, die Sexvideos zu verbreiten.

Die erste Forderung bekam Susanne Klatten am 2. November 2007. Die letzte - ein Brief und eine DVD - kam am 12. Dezember. Verlangt waren 40 Millionen Euro. Anschließend wurde die Summe angeblich auf 14 Millionen verringert. Bedingung: Übergabe in einem Hotel in Monte Carlo. Klatten verabredete sich zwar mit S. für den 14. Januar 2008, informierte aber gleichzeitig die Polizei.

Bei dem Tête-à-tête traf S. nicht auf sein Opfer, sondern auf deutsche Polizeibeamte, die ihn wegen Betrugs und Erpressung festnahmen. Auch Klattens Freundinnen erstatteten Anzeige. Angeblich soll auch der deutsche Geheimdienst in die Affäre verwickelt sein.

Susanne Klatten ist Tochter und Milliardenerbin der erfolgreichen Unternehmerfamilie Quandt, ist Großaktionärin von BMW, an deren Wertpapieren sie zusammen mit Mutter Johanna und Bruder Stephan 46 Prozent hält. Sie ist Hauptaktionärin des Altana-Konzerns. Mit einem geschätzten Vermögen von mehr als 13 Milliarden Dollar rangiert Klatten unter den bestverdienstensten und erfolgreichsten Wirtschaftsgrößen und gilt als reichste Frau Deutschlands.

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(sueddeutsche.de/cag/jja)