Quandt-Erbin Klatten erpresst Die Milliardärin, der Gigolo und geheime Videos

Susanne Klatten, reichste Frau im Land, wurde wohl wie andere Millionärinnen erpresst - von einem Sex-Syndikat.

Von S. Wimmer, C. Gasteiger und B. Kastner

Sie ist eine der reichsten Deutschen und ein Spross der erfolgreichen Quandt-Familie. Im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht Susanne Klatten, die sympathische Großaktionärin des BMW-Konzerns, selten - nun aber findet sich ihr Name plötzlich in internationalen Medien wie La Repubblica in Italien und Evening Standard in Großbritannien.

Der Grund: ein pikanter Kriminalfall. Sie ist, genauso wie einige befreundete Millionärinnen, offenbar in ein Netz italienisch-schweizerischer Erpresser geraten.

Monatelang wurde die Münchnerin offenbar erpresst - 7,5 Millionen Euro flossen an einen schweizerischen Gigolo, mit dem sie wohl zu viel Tuchfühlung aufgenommen hatte.

Aus Ermittlungsakten der italienischen Polizei, die mit den deutschen Kollegen aus München kooperiert, geht hervor, dass der Delinquent Helg S. die erotischen Zusammenkünfte mit ihr filmen ließ und damit drohte, das Material der deutschen Presse zu übergeben. Der Mann forderte allem Anschein nach später noch einmal eine zweistellige Millionen-Euro-Summe - doch dann stellte die 46-jährige Mutter dreier Kinder Strafanzeige gegen den Liebhaber und seinen Komplizen. Dies bestätigte eine Person aus dem Umfeld der Quandt-Familie der Süddeutschen Zeitung.

Das Ergebnis: ein riesiges Medienecho.

Wie die Internetausgabe der italienischen Tageszeitung La Repubblica berichtet, wurden der vielsprachige Helg S., 41, und sein Komplize Ernano B., 63, Chef einer religiösen Sekte, festgenommen. Sektenguru B. war der "Regisseur" der pikanten Filmchen. Zusammen erpressten die beiden die Gespielinnen.

Wohnungen, Grundstücke und Luxusautos

Bis jetzt wurde die Identität der betrogenen Unternehmerin von der Staatsanwaltschaft im Abruzzen-Ort Pescara geschützt. Aber in den vergangenen Tagen sind sowohl Ermittlungsergebnisse als auch Inhalte der Protokolle in der Öffentlichkeit aufgetaucht.

Oberstaatsanwalt Anton Winkler versicherte auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung, dass die Untersuchungen in dem Fall laufen. "Unsere Ermittlungen in diesem Fall sind noch nicht abgeschlossen." Zum näheren Sachverhalt wollte er sich am Freitagnachmittag nicht äußern.

BMW wollte auf Anfrage keine Stellung nehmen. Aus dem Umfeld der Quandt-Familie heißt es, man wolle die italienischen Medienberichte nicht kommentieren, man könne sie aber auch nicht dementieren.

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