Putin erhält "Sächsischen Dankorden" Liebesgrüße nach Moskau

Dass Wladimir Putin besondere Sympathien für Dresden hegt, ist kein Geheimnis. Weniger bekannt war, welche Sympathien manche Sachsen offenbar für Putin hegen.

Von Christiane Kohl

An diesem Freitag soll der russische Ministerpräsident Wladimir Putin den "Sächsischen Dankorden" verliehen bekommen. Für welche Verdienste, ist bislang noch ein Geheimnis - Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich wird es am Abend erklären. Doch schon im Vorhinein hat die geplante Ordensverleihung ihren eigentlichen Zweck erfüllt: Dank Putin ist es gelungen, den Semperopernball in die Schlagzeilen zu bringen.

Beliebt bei den Sachsen: Wladimir Putin.

(Foto: Foto: dpa)

Zum vierten Mal wird der Ball an diesem Freitagabend in der Semperoper veranstaltet. Die Organisatoren um den Intendanten der Bremer Bühnen, Hans-Joachim Frey, haben denn auch den Orden ins Leben gerufen - für Menschen, die "gegen den Strom schwimmen" und "unbeirrt und voller Mut" Außergewöhnliches für Sachsen geleistet hätten, wie es heißt.

Bei früheren Ballabenden gehörten allseits einsetzbare Prominente wie Franz Beckenbauer, Henry Maske und Hans-Dietrich Genscher zu den Geehrten. In diesem Jahr wird neben dem russischen Ministerpräsidenten noch ein junges Mädchen unter den Gästen sein, das längst zum Dauerthema der Boulevardpresse avanciert ist.

Gemeint ist die heute 16-jährige Stephanie, die vor einigen Jahren mitten in Dresden wochenlang von einem Kinderschänder gefangen gehalten und gepeinigt worden war.

"Ich habe immer ihren Mut bewundert und ihr Schicksal verfolgt", sagt Ball-Manager Frey, deshalb sei er "sehr stolz darauf", dass Stephanie dabei sei. Der Semperopernball gleichsam ein Seifenopernball? Immerhin bekommt die Gymnasiastin keinen Orden, sie tanzt als eine der 92Debütantinnen.

Hingegen wird Wladimir Putin in der Semperoper wohl nicht die Tanzfläche betreten, sondern nach der Ordensverleihung allenfalls noch den ersten Konzertklängen lauschen - als Solo-Cellist spielt ein Musiker auf, den der Ministerpräsident offenbar noch aus seiner Zeit aus Dresden kennt, wie örtliche Zeitungen vermelden.

1985 war Wladimir Putin als Offizier des sowjetischen Geheimdienstes KGB nach Dresden gekommen. Seinen Arbeitsplatz hatte er in einer Jugendstilvilla in Fußnähe des damaligen Stasi-Gebäudes oberhalb des Elbufers.

Putin sprach bald recht gut Deutsch, er besuchte örtliche Kneipen und in seinem Büro las er Magazine wie Stern und Spiegel, aber auch den Neckermann- und Quellekatalog. Abends entspannten sich die KGBler dann zuweilen gemeinsam in der Kellersauna. In seiner dienstlichen Tätigkeit fiel Putin nicht weiter auf. Nur einmal, am 5. Dezember 1989, war es anders: Damals hatte eine wütende Menschenmenge soeben das Stasi-Gebäude gestürmt, nun versuchten die Leute die KGB-Villa anzugreifen.

Putin trat den Demonstranten entgegen und erklärte, dies sei sowjetisches Territorium, währenddessen lud ein KGB-Mitarbeiter für alle sichtbar seine Kalaschnikow. Das wirkte, die Menge zog ab. Für den "Sächsischen Dankorden" allerdings dürfte dieses Ereignis den einstigen KGB-Mann wohl eher nicht qualifizieren.