Psychedelische Homöopathen Ausgetanzt

Halluzinogene in Handeloh: Eine verletzte Person wird von Sanitätern zu einem Rettungsfahrzeug gefahren. Nach einer Massenvergiftung mit 29 Verletzten hat die Polizei die Strafverfahren gegen die Beteiligten eingeleitet

(Foto: dpa)
  • Nach einer Massenvergiftung mit 29 Verletzten in Handeloh leitet die Polizei Strafverfahren gegen die Beteiligten ein. Sie sollen am Freitag Halluzinogene eingenommen haben, sich selbst verletzt und somit einen Großrettungseinsatz verursacht haben.
  • Bei der Droge habe es sich um das in Deutschland seit Ende 2014 verbotene "2C-E" gehandelt, in Szenekreisen auch als "Aquarust" bekannt.
Von Lars Langenau

Das Tagungszentrum Inzmühlen ist ein reetgedecktes, klassisch-niedersächsisches Bauernhaus im Nirgendwo zwischen Soltau und Hamburg. Zwei alte Gebäude stehen auf dem weitläufigen Grundstück umgeben von uralten Eichen, Wiesen und einem Moorbach.

Inzmühlen in der 2355-Seelen-Gemeinde Handeloh. Viele Highlights gibt es hier nicht. Bis vielleicht auf eben jenes Tagungszentrum, das "Tanzheimat" heißt, weil dort auch gern getanzt wird. Auf der Webseite des Zentrums toben Hausbewohner mit Gänsen über das Grundstück und machen so allerhand tolle Seminare. Bewusstseinsfindung. Und so was. Ein Stück heile Welt am Rande der Lüneburger Heide. Bis zum Freitag um die Mittagszeit. Da war die Welt da heillos durcheinander. Zunächst in den Köpfen der Gäste - dann auch auf dem Hof.

Ein Hexentanz

Es scheint, als sei das Tagungszentrum am Freitagnachmittag Schauplatz eines echten Hexentanzes geworden. Aufgeführt von einer Gruppe aus Homöopathen und Heilpraktikern zunächst nur im 100 Quadratmeter großen Seminarraum mit "Schwingfußboden aus Eichenparkett mit Fußbodenheizung", später dann auf dem gesamten Gelände.

Getragen wird das schöne Tagungszentrum in einer alten Rauchkate vom esoterisch anmutenden "Institut Heilende Kräfte im Tanz". Doch das hat die Räumlichkeiten an die Gruppe nur untervermietet. An wen genau? Im Tagungszentrum selbst ist die Leiterin an der Strippe, doch die sagt nur: "Ich kann leider keine Fragen beantworten. Wiederhörn." Dann legt sie auf. Dem NDR hatte sie zuvor zwar auch nicht den Namen der Verantwortlichen genannt, doch sichtlich geschockt und betroffen von der Szenerie auf ihrem Hof noch folgende Auskunft erteilt: Diese Gruppe käme dreimal im Jahr, nie sei es zuvor zu Zwischenfällen gekommen, die Veranstalter seien "ganz seriös" und sie könne sich nur vorstellen, dass es sich da um einen Unfall gehandelt habe.

Es bleibt also zunächst ein Mysterium, was dort gestern Mittag geschah. Obwohl sich niemand zu Spekulationen hinreißen lässt, klingen fragende Antworten durch: Hat man da gemeinsam verbotene Substanzen ausprobiert, sozusagen als alternative Medizin? War es vielleicht ein gemeinsames Experiment mit psychedelischen Drogen?