Die spektakuläre Bruchlandung auf der Autobahn 52 bei Essen vor drei Jahren wird den jetzt 49-jährigen Piloten wohl 150.000 Euro kosten. Der Richter sieht die Notlandung als eine "Todsünde" an.
Es waren Szenen wie aus einem Actionfilm: Mitten im dichten Berufsverkehr an einem Freitagnachmittag geht vor drei Jahren ein Propeller-Flugzeug auf der Autobahn 52 bei Essen im Gegenverkehr nieder. Der zweimotorige Flieger streift eine Brücke, zwei Autos krachen in den Rumpf des Flugzeugs. Der Maschine war eine Minute vor der Landung in Mülheim/Ruhr der Sprit ausgegangen.
Bild vergrößern
Bei der Bruchlandung vor drei Jahren wurden fünf Menschen verletzt. Der Pilot soll den Schaden am Flugzeug zahlen. (© Foto: dpa)
Anzeige
Fünf Menschen wurden verletzt, zwei Mitarbeiterinnen des Piloten, eines Geschäftsmanns aus Düsseldorf, sogar schwer: Die eine brach sich an Bord der Maschine die Füße, die andere erlitt einen Beckenbruch. Er selbst sei unverletzt aus dem Wrack gestiegen, berichtet der 49-Jährige.
Der Pilot steht bereits zum zweiten Mal vor Gericht. Im ersten Prozess war er zum Schadenersatz für das Flugzeug an die Versicherung verurteilt worden. Das wollte er nicht hinnehmen und legte Berufung ein.
Doch für das Düsseldorfer Oberlandesgericht scheint der Fall schon zu Prozessbegin klar: "Es ist eine Todsünde, wenn in diesem Bereich Fehler gemacht werden", sagt Richter Bernd Keiluweit. "Die Berufung hat keinerlei Aussicht auf Erfolg."
Selbst ein Laie hätte bemerken können, dass das Flugzeug nicht, wie vom Piloten angenommen, vom Vorgänger in Dortmund vollgetankt worden war. Denn dort habe die Maschine laut Logbuch eine Minute nach der Landung schon wieder abgehoben.
"Ich bin nicht lebensmüde"
Das will der Bruchpilot nicht auf sich sitzen lassen: Er müsse sich auf die Angaben im Logbuch verlassen. Er sei die gesamte Checkliste vor dem Start sorgfältig durchgegangen: "Ich bin doch nicht lebensmüde." Er habe sich verrechnet, aber das sei keine grobe Fahrlässigkeit, pflichtet ihm sein Anwalt bei. Immerhin habe selbst ein Sachverständiger eine Stunde gebraucht, um den Fehler zu entdecken.
Gegen den Piloten spricht, dass er in Berlin vor seinem Rückflug nach Mülheim volltanken wollte, aber an der Bargeld-Forderung des Tankwarts gescheitert war. Trotzdem war er losgeflogen. Für den Piloten spricht: Die Tankanzeige war ungenau, eine akustische oder optische Warnung im Cockpit gab es nicht.
Wann er merkte, dass er keinen Sprit mehr hatte, will der Richter wissen. "Als zuerst der linke Motor ausging und kurz darauf der rechte." Weil er schon im Landeanflug und deswegen sehr tief war, habe er die Autobahn als einzige Chance gesehen. Das Gericht will seine Entscheidung am 29. Dezember verkünden.
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
- Thema
- Notlandung RSS
- Notlandung mit Müntefering Bruchstück an Bord 19.09.2009
- Flughafen Stuttgart Müntefering übersteht Bruchlandung 14.09.2009
- Bruchlandung am Mannheimer Flughafen Flugzeug rast gegen Lärmschutzwand 19.03.2008
- London Bruchlandung in Heathrow 17.01.2008
- Stockholm Notlandung nach falschem Bombenalarm 25.09.2010
- Hamburg Triebwerksfehler bei Lufthansa-Maschine 23.09.2010
- Dramatische Notlandung 200 Meter durch Büsche und Bäume 08.09.2010
(dpa/yas/kat)
Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld
36 l bei 360 kmh????
diese Rechnung wird auch mit einer Bruchlandung enden.
wohl eher 60 km/h weniger und 60 liter mehr!!!
Geld sparen kann sehr, sehr teuer werden. Aber man muss doch den Tank nicht gleich voll machen.
"Die Tankanzeige war ungenau, eine akustische oder optische Warnung im Cockpit gab es nicht."
Auch Tankanzeigen von PKW sind ungenau und trotzdem gibt es Bußgeld, wenn ich wegen Spritmangel liegenbleibe. Wie EFDräcker schon ausführte sind die Spritkosten bei etwa 100 , wer sich das nicht leisten kann sollte zu Fuß gehen!
Kerosinpreis Sommer 2008: 2,15 /Liter
Piper PA-34 Seneca ca. Verbrauch: 36 L / h bei 360 km/h,
also 10 L / 100 km oder von Berlin nach Mühlheim ca. 50 L = 107,5
Billiger gehts nicht mehr
Was kostet es denn, ein Flugzeug vollzutanken? Wohl etwas mehr als ein Auto. Also
die paar tausend Euro sollte man als Geschäftsmann dann schon in Bar dabeihaben!
Paging