Charlotte wurde Anfang Oktober von der britischen Polizei in England vor Videokameras befragt. Marcos Anwälte haben mehrmals erklärt, eine solche Videoaussage habe keinen juristischen Wert. Sie verlangen die Möglichkeit zur direkten Befragung Charlottes. ,,Es ist einer der gröbsten Fehler dieses Verfahrens, dass das Gericht sich keine Mühe gegeben hat, das Mädchen nach Antalya zu laden'', sagte Michael Nagel, einer der beiden deutschen Anwälte Marcos, zur Süddeutschen Zeitung.

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Der Fall hat auch politisch Wellen geschlagen und mehrfach für Irritationen im deutsch-türkischen Verhältnis gesorgt. Deutsche Politiker wie Peter Struck (SPD) und Volker Kauder (CDU) verlangten schon zu Beginn lautstark die sofortige Freilassung Marcos, was sich türkische Minister und Richter als Einmischung in die Unabhängigkeit der Justiz verbaten.

Die Türkei hat seit Anfang 2005 ein modernes Strafrecht nach EU-Vorbild, doch beklagen auch Kritiker innerhalb des Landes die Schwerfälligkeit und Ineffizienz des juristischen Apparates, dessen oft konservative Vertreter den Reformen hinterherhinken. Marcos Anwälte baten zuletzt vor allem die deutschen Politiker um Zurückhaltung bei öffentlichen Äußerungen über den Fall - in der Ahnung, dass diese mit ihren lautstarken Türkei-Attacken ihrem Mandanten einen Bärendienst erwiesen hatten.

Unmittelbar nach der Nachricht von der Freilassung Marcos meldete sich CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer zu Wort und attestierte der türkischen Justiz, sie sei von EU-Standards noch weit entfernt: ,,Die Zweifel an der Rechtsstaatlichkeit der Türkei bleiben bestehen.'' Bundeskanzlerin Angela Merkel schlug in Brüssel positivere Töne an: "Ich freue mich", sagte sie. In Marcos Heimatstadt Uelzen wurde die Nachricht von der Freilassung mit Hupkonzerten begrüßt.

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(SZ vom 15.12.2007/aho)