Prozess Verurteilt wegen Kindesmissbrauchs

  • In Bad Kreuznach ist ein 44 Jahre alter Mann wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden.
  • Er soll sich an mindestens zwei Jungen vergangen haben.
  • Vor Gericht entschuldigte sich der Angeklagte bei einem seiner Opfer.
Von Oliver Klasen

Ein 44-jähriger Einzelhandelskaufmann ist vom Landgericht Bad Kreuznach wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sich der Mann an mindestens zwei Jungen vergangen hat. Die Staatsanwaltschaft hatte fünf Jahre Haft, die Verteidigung drei Jahre und zwei Monate Haft gefordert. Die Unterbringung in einer Psychiatrie wurde nicht angeordnet, allerdings eine Therapie empfohlen. "Wenn es in Zukunft zu gleich gelagerten Fällen kommen sollte, müssen Sie ganz klar damit rechnen, dass Sie in die Sicherungsverwahrung kommen", sagte der Vorsitzende Richter Bruno Kremer zu dem 44-Jährigen.

Eines der Opfer suchte sich der Angeklagte im Jahr 2000 bei einer Ferienfreizeit an der Nordsee, wo er als Betreuer eingesetzt war. Nachts lockte er den Jungen aus dem Schlafraum, brachte ihn in sein Schlafzimmer und nahm dort und in der Dusche sexuelle Handlungen an dem Kind vor. Das heute 27 Jahre alte Opfer trat in dem Prozess als Nebenkläger auf und erhält nun, das wurde zusätzlich zum Urteil vereinbart, vom Täter 6000 Euro Schmerzensgeld. "Ich weiß, dass ich mir Schuld aufgeladen habe und es tut mir unendlich leid", sagte der Angeklagte.

Bei dem zweiten Opfer handelt es sich um einen Jungen, an dem sich der Täter während eines Thailand-Urlaubs im Jahr 2005 verging. Dabei machte er auch Videoaufnahmen. Da sich das Alter des Jungen nicht zweifelsfrei feststellen ließ, wertete Richter Bruno Kremer die Taten in Thailand lediglich als versuchten sexuellen Missbrauch an Kindern. Allerdings sei der Angeklagte selbst damals davon ausgegangen, dass der Junge zehn Jahre alt sei. Dieses Alter hatte der Zuhälter genannt.

Zu der Reise nach Pattaya soll ihm sein damaliger Therapeut geraten haben, angeblich, um sich kritisch mit den pädophilen Neigungen auseinanderzusetzen. Der Psychologe, der mehrfach als Zeuge in dem Prozess aussagte, soll den jetzt Verurteilten sogar bei der Reise begleitet haben. Gegen den 52-Jährigen aus Frankfurt am Main läuft ein Ermittlungsverfahren, ebenfalls wegen sexuellen Missbrauchs. Es steht nach Auskunft der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt kurz vor dem Abschluss. Möglicherweise muss sich der Psychologe bald selbst vor Gericht verantworten.

Ein Experte, der den Angeklagten begutachtete, äußerte schwere Vorwürfe gegen den 52-Jährigen. "Das ist kein Therapiekonzept", sagte er. Das Verhalten des Psychologen sei in etwa so, als wenn man einen Alkoholiker in eine Gaststätte führe. Daniela Hery, die Anwältin des Angeklagten, äußerte sich ähnlich: "Was mich erschüttert hat an diesem Fall, ist, dass hier ein Psychologe mit fragwürdigen Methoden therapiert hat und das offenbar jahrelang nicht unterbunden wurde."

(Mit Material der Agenturen)

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